Von der Leyens neue Zuschuss-Rente: Für Niedrigverdiener ist künftig zusätzliche Altersvorsorge noch lohnender

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Mit einem ganzen Paket von Vorschlägen zur Verbesserung der gesetzlichen Rentenversicherung wartet derzeit die umtriebige Arbeitsministerin auf. So soll es ab 2013 für manche Neu-Rentner mit niedrigen Alterseinkünften die neue Zuschuss-Rente geben. Die Zuschuss-Rente würde es für Niedrigverdiener erstmals attraktiv machen, betrieblich und/oder privat vorzusorgen. Wer künftig profitieren will, darf allerdings keinen Ehepartner mit abgesichertem (Alters-)Einkommen haben.

Die Zuschuss-Rente soll zur Verhinderung künftiger Altersarmut beitragen. Wer in seinem Arbeitsleben wenig verdient, aber lange gearbeitet hat, soll im Alter durch ein Rentenplus belohnt werden. Die Mini-Rente (aufgrund des niedrigen Verdiensts) soll dann aufgestockt werden.

Aufstockung: Kleine Renten sollen künftig auf maximal 850,00 € monatlich aufgestockt werden. Allerdings nur dann, wenn die Betroffenen mit einem staatlich geförderten Vertrag (z.B. Riester-Rente) oder betrieblich vorgesorgt haben. Eine Aufstockung auf 850,00 € soll es allerdings nur für diejenigen geben, die Rentenansprüche in Höhe von mindestens 425,00 € erworben haben. Geringere Ansprüche werden verdoppelt. Eine Rente von beispielsweise 300,00 € kann also durch die Zuschuss-Rente nur auf 600,00 € aufgestockt werden.

Voraussetzungen: Die Aufstockung gibt es nur für treue Kunden der gesetzlichen Rentenversicherung. Bis Ende 2022 soll es reichen, wenn Rentner 40 Versicherungsjahre nachweisen können. Zeiten der Ausbildung, registrierter Arbeitslosigkeit oder des Bezuges von Krankengeld werden dabei mitberücksichtigt. Unter den 40 Jahren müssen 30 Beitragsjahre sein – dabei zählen auch Erziehungszeiten bis zum 10. Lebensjahr der Kinder mit. Von denjenigen, die ab 2023 in Rente gehen, werden 45 Versicherungsjahre, darunter 35 Beitragsjahre, verlangt.

Dynamisierung: Es bleibt nicht auf Dauer bei dem Betrag von 850,00 €. Dieser wird vielmehr dynamisiert. 850,00 € entsprechen derzeit einem Rentenanspruch aufgrund von 31 Entgeltpunkten in den alten Bundesländern. Mit jeder Rentenanpassung, die immer im Juli erfolgt, wird sich dieser Betrag von 850,00 € jeweils entsprechend erhöhen. Wenn die gesetzlichen Renten um 2 % steigen, erhöht sich dieser Wert um 17,00 € (= 2 % von 850,00 €).

Nur für Zusatzsparer: Wer die Zuschuss-Rente erhalten will und 2019 in Rente geht, muss mindestens fünf Jahre betrieblicher oder privater Altersvorsorge nachweisen. Danach wird jedes Jahr ein Jahr mehr an zusätzlicher Vorsorge verlangt. 2022 sind es also bereits acht Jahre. Vor 2019 soll es den Zuschuss auch ohne nachgewiesene zusätzliche Vorsorge geben.

Keine Anrechnung von Zusatzvorsorge: Die eigene private oder betriebliche Zusatzrente soll nicht auf die neue Zuschuss-Rente angerechnet werden. Nehmen wir als Beispiel eine Frau, die trotz regelmäßiger Beitragszahlungen nur einen Rentenanspruch von 600,00 € erworben hat. Dieser Betrag wird durch die Zuschuss-Rente auf 850,00 € aufgestockt. Nehmen wir weiter an, sie bekommt aus zusätzlicher privater und betrieblicher Vorsorge je 100,00 € aus einem Riester-Vertrag und ihrer Betriebsrente. Das darf sie zusätzlich behalten und kommt so insgesamt im Alter auf 1.050,00 €. Damit steht sie insgesamt weit besser da als ein Grundsicherungsbezieher. Zum Vergleich: Ohne zusätzliche Vorsorge bekäme sie im Alter nur 600,00 € Rente und müsste zusätzlich wohl eine kleine Aufstockung beim Sozialamt beantragen.

Eheschließung prüfen! Wer bislang unverheiratet ist und sich mit den Details der Zuschuss-Rente befasst, wird rein rechnerisch zum Entschluss kommen (wenn die Umsetzung wie geplant erfolgt), auf eine bislang geplante Eheschließung zu verzichten. Denn wer unverheiratet zusammenlebt, muss – anders als Verheiratete (und offizielle Lebenspartner) – keine Einkommensanrechnung befürchten. Für Ehepaare ist die Zuschuss-Rente dagegen nach dem aktuellen Entwurf so begrenzt, dass sich für ein Paar eine Gesamtrente von (2 × 850,00 € =) maximal 1.700,00 € ergibt. Hat einer der Partner eine Rente, die deutlich höher als 850,00 € ist, so bekommt der andere Ehepartner eine niedrigere Zuschuss-Rente. Das, was die Partner zusätzlich fürs Alter gespart haben – egal ob über einen Riester-Vertrag, einen Rürup-Vertrag oder eine Betriebsrente –, dürfen sie aber behalten.

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