Verzicht auf Rentenversicherungspflicht: Vor allem Mütter verschenken sattes Rentenplus

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Mehr als 80 Prozent aller Minijobber wählen nach wie vor die Rentenversicherungspflicht ab, um ein paar Euro zu sparen. Für viele ist das höchst nachteilig, insbesondere für Mütter mit Kindern unter zehn Jahren.

Seit Anfang 2013 werden neu eingestellte Minijobber zunächst meist automatisch rentenversicherungspflichtig. Im Prinzip jedenfalls. Dann erwerben die Betroffenen durch den Minijob ganz normale Rentenansprüche – wie jeder andere voll sozialversicherungspflichtig Beschäftigte auch. Das kostet sie jedoch einige Euro. Sie müssen dann nämlich den vom Arbeitgeber für einen Jobber gezahlten pauschalen Satz von 15 %, der an die gesetzliche Rentenversicherung geht, um 3,7 % aufstocken. So kommt insgesamt der derzeitige Beitragssatz der gesetzlichen Rentenversicherung zusammen, der bei 18,7 % liegt. Bei einem vollen 450-Euro-Job müssen die Jobber monatlich 16,65 €, bei einem 200-Euro-Job 7,40 € entrichten. Diese Beträge werden vom Lohn des Minijobbers abgezogen.

Auf die Rentenversicherungspflicht können die Jobber allerdings verzichten – durch eine ausdrückliche Erklärung dem Arbeitgeber gegenüber. Dazu nutzen Arbeitgeber meist einen Vordruck der Minijob-Zentrale. Darin heißt es: Hiermit beantrage ich die Befreiung von der Versicherungspflicht in meiner geringfügig entlohnten Beschäftigung und verzichte damit auf den Erwerb von Pflichtbeitragszeiten. Zugleich muss man – wie man es von allen Formularen, insbesondere auch im Internet kennt – erklären, dass man die Hinweise aus dem Kleingedruckten zur Kenntnis genommen hat. Genauer: das Merkblatt über mögliche Folgen einer Befreiung von der Rentenversicherungspflicht.

Kaum bekannte Nebenwirkung für Eltern

Den Verzichts-Vordruck unterzeichnen nach wie vor viele Minijobber – und sparen sich so einige Euro. Nach den aktuellen Zahlen der Minijob-Zentrale verzichten 82,5 % der Jobber per Unterschrift auf die Rentenversicherungspflicht. Mit allen Risiken und Nebenwirkungen. Im Folgenden geht es um eine wenig bekannte Nebenwirkung, die vor allem Eltern von Kindern unter zehn Jahren betrifft – in der Regel dabei die Mütter, in einigen Fällen auch die Väter. Es geht um die sogenannten Kinderberücksichtigungszeiten.

Rentenplus durch Kinderberücksichtigungszeit

Dass die Deutsche Rentenversicherung Sonderleistungen für Eltern bietet, ist bekannt. Pro Kind werden derzeit bei der Rente drei Kindererziehungsjahre anerkannt. Das bringt einem Elternteil – meist der Mutter – später bis zu knapp 90,00 € mehr Rente im Monat. Die Kindererziehungsjahre enden, wenn ein Kind drei Jahre alt wird. Doch damit enden die Kinder-Leistungen der Rentenversicherung nicht. Denn die Zeit bis zum zehnten Geburtstag eines Kindes zählt als sogenannte Kinderberücksichtigungszeit.

Diese hilft zum einen, die sogenannten Wartezeiten bei der Rentenversicherung zu erfüllen. Dies sind Zeiten, die nachgewiesen werden müssen, um überhaupt Rente zu bekommen. Besonders wichtig aber: Durch Kinderberücksichtigungszeiten fällt die Rente auch höher aus. Wenn der erziehende Elternteil in dieser Zeit sozialversichert beschäftigt ist, aber weniger als der Durchschnitt aller Beschäftigten verdient, wird sein Einkommen für die Rentenversicherung in der Regel aufgewertet – und zwar um 50 %. Das bedeutet dann für einen Minijob: Aus einem 450-Euro-Job wird für die Rente dann ein 675-Euro-Job.

Und jetzt kommt wieder die Versicherungspflicht ins Spiel: Das Rentenplus gibt es nur, wenn ein Job versicherungspflichtig ist. Das bedeutet: Wenn eine Minijobberin mit ihrer Unterschrift die Versicherungspflicht des Minijobs abwählt, dann verzichtet sie auf die Aufwertung dieses Jobs für ihre spätere Rente.

Was die Aufwertung des Minijobs bringt

Zunächst einmal: Was bringt ein Minijob ohne Rentenversicherungspflicht? Da hier nur der Arbeitgeber 15 % des monatlichen Bruttolohns des Jobbers für die Rente abführt, bringt der Job keine vollen Rentenansprüche. Ein voller 450-Euro-Job schlägt bei der Rente nur wie ein 361-Euro-Job zu Buche (Rechenweg: 15 % geteilt durch vollen Beitragssatz von 18,7 % mal 450,00 €). Mit Rentenversicherungspflicht wird der Job jedoch wie ein 675-Euro-Job behandelt, ist also fast doppelt so viel wert.

Wer ein Jahr lang einen solchen Job ausübt, erwirbt in der Regel einen Rentenanspruch von monatlich 6,76 €. Im Jahr sind das 81,12 €. Dieser Wert gilt in den alten Bundesländern. In den neuen Bundesländern ist es geringfügig mehr. Ein Minijobber, der auf seine Rentenversicherungspflicht verzichtet, erwirbt dagegen nur einen Rentenanspruch in Höhe von monatlich 3,62 €, im Jahr sind das 43,44 €. Aufs Jahr bezogen bringt die Rentenversicherungspflicht eines vollen 450-Euro-Jobs damit ein Rentenplus von 37,68 €.

Was dafür aufgewendet wird

Dafür zahlt ein geringfügig Beschäftigter mit einem vollen 450-Euro-Job innerhalb eines Jahres 199,80 € (12 mal 16,65 €) in die Rentenkasse ein, also rund 200,00 €. Mit anderen Worten: Eine Einzahlung von jährlich 200,00 € bringt ein Rentenplus von 37,68 €. Das bedeutet: In noch nicht einmal fünfeinhalb Jahren Rentenbezug hat man diese Einzahlung später wieder heraus. Das Verhältnis von Aufwand und Ertrag ist hier unschlagbar.

Riester-Ansprüche

Hinzu kommt: Nur wer es bei der Rentenversicherungspflicht des Minijobs belässt, ist bei der Riester-Rente persönlich förderberechtigt. Die Betroffenen können dann die staatlichen Zuschüsse in Höhe von 154,00 € (für sich selbst) und 300,00 € Kinderzuschlag pro Jahr (für ein ab 2008 geborenes Kind) erhalten. Dafür müssen Minijobber in der Regel nur einen Eigenbeitrag von 5,00 € pro Monat leisten.

Für geringfügig Beschäftigte mit (mindestens) einem Kind zwischen drei und zehn Jahren gibt es bei ihrem Minijob nur eine vernünftige Option: es bei der Rentenversicherungspflicht des Jobs belassen und zusätzlich – wenn sie es noch nicht getan haben – einen Riester-Vertrag abschließen.

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