Verjüngungskur für die deutsche Bevölkerung

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(verpd) Eine vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) geförderte Initiative hat auf Basis der jüngsten Daten des Statistischen Bundesamts das Durchschnittsalter der Ende 2015 in Deutschland lebenden Menschen errechnet. Das Durchschnittsalter ist erstmals seit der Wiedervereinigung gesunken. Doch die Statistik zeigt auch, dass an der älter werdenden Gesellschaft sich nichts ändert. Die Anzahl der über 80-Jährigen nahm allein von 2014 auf 2015 um 4,1 Prozent auf rund 4,7 Millionen zu.

Das Durchschnittsalter der deutschen Bevölkerung ist 2015 erstmals seit 1990 wieder gesunken – und zwar um einen Monat auf 44,2 Jahre. Das geht aus einer Auswertung der jüngsten Bevölkerungsdaten des Statistischen Bundesamts (Destatis) nach Alterskohorten hervor, die die Initiative „Du lebst 7 Jahre länger als Du denkst“ durchgeführt hat. Diese vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) geförderte Initiative soll sich um Aufklärung über die von den Menschen unterschätzte Lebenserwartung bemühen.

Die Bevölkerungszahl war im vergangenen Jahr um rund 978.000 auf rund 82,2 Millionen gestiegen. Der Grund dafür: Durch die Zuwanderung von 1,1 Millionen Personen – ein Großteil davon Flüchtlinge –, konnte das bestehende Geburtendefizit – letztes Jahr sind 188.000 Personen mehr verstorben als geboren wurden – mehr als ausgeglichen werden. Laut GDV sind nach Angaben des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge gut 70 Prozent der Asylerstantragsteller jünger als 30 Jahre.

Stärkstes Wachstum bei den unter 20-Jährigen seit 1966

Der Zustrom der zumeist jungen Menschen aus dem Ausland bewirkte den GDV-Angaben zufolge, dass es bei der Gruppe der unter 20-Jährigen ein Wachstum wie seit dem Babyboomerjahr 1966 nicht mehr gegeben hat. Die Zahl der unter 20-Jährigen nahm im Jahresvergleich um 2,2 Prozent auf 15,1 Millionen Personen zu. Gewachsen ist auch die Gruppe der 20- bis unter 40-Jährigen, die zum Erwerbspersonen-Potenzial zählt, und zwar um 2,6 Prozent auf 20,1 Millionen Menschen.

Verringert hat sich dagegen die Zahl der 40- bis unter 60-Jährigen von 2014 auf 2015 um 0,4 Prozent auf 24,5 Millionen Personen. Laut Statistik nahm jedoch die Gruppe der 60- bis unter 80-jährigen um 0,4 Prozent auf 17,8 Millionen Menschen zu. Noch stärker wuchs die Gruppe der über 80-jährigen innerhalb eines Jahres – und zwar um 4,1 Prozent auf 4,7 Millionen Personen.

Bemerkenswert ist unter anderem, wie sich die höhere Lebenserwartung von Frauen in Deutschland auswirkt. In der Gruppe der über 100-Jährigen haben Frauen einen Anteil von 85 Prozent (Ende 2014), und in der Gruppe der 90- bis 99-Jährigen von 78 Prozent. Ab einem Alter von 60 Jahren liegt der Frauenanteil über 50 Prozent.

Deutschland führend EU-weit beim demografischen Wandel

Insgesamt ist die Alterung in der Gesellschaft dank einer immer höheren Lebenserwartung und der zu erwartenden demografischen Entwicklung laut Experten nicht aufzuhalten. Nach Berechnungen von Destatis könnte das Durchschnittsalter bis zum Jahr 2060 je nach Trendvariante auf Werte zwischen 47,6 und 50,6 Jahre steigen.

Im Vergleich der Mitgliedsländer der Europäischen Union (EU) ist Deutschland am stärksten vom demografischen Wandel betroffen, wie aus der Analyse von Destatis „Ältere Menschen in Deutschland und der Europäischen Union (EU)“ hervorgeht. Im Jahr 2014 gehörte bereits jede vierte Person zur Generation 65plus. Und bis zum Jahr 2050 dürfte es bereits jede dritte Person sein.

Wenn man auf die aktuelle Diskussion über eine drohende Zunahme bei der Altersarmut blickt, dann scheint Destatis eine gewisse Entwarnung – zumindest für gegenwärtig – zu geben. Die Kaufkraft der Senioren in der Altersgruppe 65 plus sei in Deutschland hoch, nur in Frankreich, Österreich und vor allem in Luxemburg könnten sich Senioren vergleichbar mehr leisten. Und einen Neuwagen würden in Deutschland 42 Prozent der Seniorenhaushalte besitzen, aber nur 32 Prozent der jüngeren Haushalte.

Die Risiken einer steigenden Lebenserwartung

Was bedeutet jedoch eine steigende Lebenserwartung für die Zukunftsplanung des Einzelnen? Wer länger lebt, braucht auch länger Geld, um sorgenfrei den eigenen Ruhestand genießen zu können und nicht zum Sozialhilfefall zu werden. Zudem nimmt das Risiko, ein Pflegefall zu werden, mit steigendem Alter überproportional zu, wie Statistiken und Studien belegen.

Deshalb wird unter anderem durch die steigende Lebenserwartung eine finanzielle Absicherung für das Alter sowie für den Fall, dass man pflegebedürftig wird, immer wichtiger.

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