So nutzen Selbstständige die abschlagsfreie Rente ab 63

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Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit haben nun auch Selbstständige die Möglichkeit, ab 63 Jahren ohne Abschlag in Rente zu gehen.

Voraussetzung für die abschlagsfreie Altersrente für besonders langjährig Versicherte ist – neben Vollendung des Lebensalters 63 Jahre plus x Monate – die Erfüllung der besonderen Wartezeit von 45 Jahren. Auf diese Wartezeit werden normalerweise nur Pflichtbeiträge und Berücksichtigungszeiten angerechnet. Freiwillige Beiträge zählen grundsätzlich nicht mit – es sei denn, in den 45 Jahren sind mindestens 18 Jahre mit Pflichtbeiträgen vorhanden.

Beispiel

Bäckermeister Wolfgang Beck, geboren am 28.1.1952, hat sich nach Schule, Lehre und Grundwehrdienst und den ersten Gesellenjahren 1988 selbstständig gemacht. Zu dieser Zeit musste er Pflichtbeiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung zahlen. Im November 1991 ist er kraft Gesetzes wegen Erreichen des 216. Monats mit Pflichtbeiträgen (= 18 Jahre) aus der Versicherungspflicht als selbstständiger Handwerksmeister ausgeschieden. Um seinen bestehenden Schutz im Fall der Erwerbsminderung nicht zu verlieren, hat er bis heute laufend freiwillige Mindestbeiträge gezahlt. Heute, im Juni 2014, kann Wolfgang Beck auf insgesamt 532 Monate mit rentenrechtlichen Zeiten zurückblicken. Ihm fehlen also nur noch 8 Monate, um die Wartezeit von 45 Jahren zu erfüllen. Dem abschlagsfreien Rentenbeginn mit 63 Jahren zum 1.2.2015 steht nichts entgegen, weil sich seine Wartezeit von 45 Jahren aus mindestens 18 Jahren mit Pflichtbeiträgen und 27 Jahren freiwilligen Beiträgen zusammensetzt. Die Anrechnungszeiten für den Schulbesuch zählen hier nicht mit.

Hinzuverdienst bis 450 € rentenunschädlich

Rentner, egal ob ehemals Selbstständige oder Arbeitnehmer, die vor Erreichen ihrer Regelaltersgrenze von 65 Jahren plus x Monaten ab 63 Jahren abschlagsfrei in Rente gehen, müssen jedoch weiterhin die Hinzuverdienstgrenzen beachten. Ein Gewinn bzw. Verdienst von 450 € im Monat ist dabei immer rentenunschädlich. Bei Überschreiten der Hinzuverdienstgrenze wird statt einer Vollrente wegen Alters eine 2/3, 1/2 oder 1/3-Teilrente gezahlt. Im schlimmsten Fall ruht der Rentenanspruch komplett, bis die Hinzuverdienstgrenzen eingehalten werden oder die Regelaltersgrenze überschritten ist.

Die Mindesthinzuverdienstgrenzen, die individuell auch nach oben hin abweichen können, betragen im Kalenderjahr 2014 bei einer:

  • Vollrente wegen Alters 450,00 €;

  • 2/3-Teilrente 539,18 €;

  • 1/2-Teilrente 788,03 €;

  • 1/3-Teilrente 1.036,88 €.

Da die persönlichen Hinzuverdienstgrenzen individuell in Abhängigkeit der Entgeltpunkte der letzten drei Jahre vor Beginn der ersten Rente berechnet werden, hilft hier nur ein Blick in die Anlage 19 des Rentenbescheids.

Beispiel

Wolfgang Becks Regelaltersgrenze (geboren im Januar 1952) liegt bei 65 Jahren und 6 Monaten. Nach dem Beginn seiner abschlagsfreien Altersrente für besonders langjährig Versicherte am 1.2.2015 wird er noch monatlich 535 € Gewinn aus seiner selbstständigen Tätigkeit erhalten. Damit überschreitet er schon die Mindesthinzuverdienstgrenze für eine Vollrente, hält aber die Hinzuverdienstgrenze für eine 2/3-Teilrente noch ein. Ab August 2017 ––nach Überschreiten seiner Regelaltersgrenze mit 65 Jahren und 6 Monaten –– braucht er sich über Hinzuverdienst keine Gedanken mehr zu machen.

Das Einhalten der Hinzuverdienstgrenze ist eine negative Anspruchsvoraussetzung. Wer sie zum Beginn seiner Rente nicht einhält, hat keinen Anspruch auf die begehrte (Teil-) Rente.

Schon bei der Antragsstellung –– spätestens aber bei der Aufnahme einer Beschäftigung oder Tätigkeit –– sollten sich Rentner über die persönlichen Hinzuverdienstgrenzen durch die Deutsche Rentenversicherung beraten lassen.

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