So gleichen Sie Rentenabschläge aus

So gleichen Sie Rentenabschläge aus

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Wer mit 63 Jahren in den Ruhestand gehen möchte, also vor dem regulären Renteneintrittsalter, muss mit Rentenabschlägen rechnen. Doch diese lassen sich ausgleichen. Eine rentablere Altersvorsorge ist derzeit nicht zu haben.

Um 0,3 % für jeden Monat vor Erreichen der regulären Altersgrenze wird die Rente bei vorzeitigem Rentenbezug gekürzt. Wer z.B. eine um zwei Jahre vorgezogene Altersrente in Anspruch nimmt, muss Rentenabschläge von (0,3 % × 24 =) 7,2 % einkalkulieren.

Bis 30.6.2017 ist der Ausgleich von Rentenabschlägen in der Regel erst ab dem 55. Lebensjahr möglich. Ab dem 1.7.2017 ist es dank Flexirentengesetz möglich, schon früher – nämlich bereits ab 50 Jahren – mit dem Rückkauf von Abschlägen zu beginnen und so den Zahlungszeitraum zu strecken. Ferner können zweimal im Kalenderjahr Teilzahlungen geleistet werden.

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Somit könnten 2017 bereits Versicherte des Jahrgangs 1967 beginnen, langfristig einen vorzeitigen Eintritt in den Ruhestand vorzubereiten – etwa mit einer jährlichen Zahlung von 4.000,00 € in die Rentenkasse. Effektiv würde das – bei Berücksichtigung der Steuerersparnis – für Gutverdiener nur eine Belastung von etwa 3.000,00 € bedeuten.

Gerade mittlere Jahrgänge müssen sich – soweit sie mit 63 eine Rentenzahlung erhalten möchten – auf höhere Abschläge einstellen, da für sie das reguläre Rentenalter bereits bei 67 Jahren liegt. Insoweit müssten die Betroffenen bei einem Renteneintritt mit 63 Jahren mit Abschlägen in Höhe von 14,4 % rechnen. Ein jährlicher Ausgleichsbetrag von etwa 4.000,00 € – gezahlt ab dem 50. Geburtstag – ist daher keineswegs unrealistisch.

Die Höhe des Ausgleichsbetrags können Sie einer besonderen Rentenauskunft über die voraussichtliche Minderung der Altersrente entnehmen. Diese erstellt die Deutsche Rentenversicherung, wenn Sie die Voraussetzungen für die Inanspruchnahme einer vorzeitigen Altersrente voraussichtlich erfüllen und erklären, dass Sie beabsichtigen, diese in Anspruch zu nehmen.

Renteneintritt: Häufig mit Abschlägen

Derzeit muss etwa jeder vierte Neurentner Abschläge von der Altersrente hinnehmen. Im Schnitt wurde die Rente in diesen Fällen um 7 % gemindert. Die Rechnung ist dabei ganz einfach: Für jeden Monat des vorzeitigen Renteneintritts wird die Rente um 0,3 Prozentpunkte gekürzt. Weniger bekannt ist, dass die Rentenabschläge abgekauft werden können.

In der jetzigen Niedrigzinsphase kann die Deutsche Rentenversicherung (DRV) punkten. Bei der Rendite schlägt sie die klassischen privaten Rentenanbieter um Längen. Es lohnt sich daher, zusätzlich in die gesetzliche Rentenversicherung einzuzahlen. Selbstständige können in der Regel freiwillig Beiträge entrichten. Doch Arbeitnehmer, die pflichtversichert sind, dürfen das in der Regel nicht. Sie können aber mögliche Rentenabschläge abkaufen – und sich so mehr Rente sichern oder früher abschlagsfrei in Rente gehen.

Beispiel:

Günter R. ist jetzt 63. Mit 65 Jahren und sieben Monaten könnte er abschlagsfrei in die reguläre Altersrente gehen. Etwa 1.500,00 € wird er dann monatlich bekommen. Das hat ihm die gesetzliche Rentenversicherung ausgerechnet. Doch der Angestellte will schon zum 1. Oktober dieses Jahres aus dem Job aussteigen. Dann plant er gemeinsam mit seiner Frau eine Weltreise. Im Oktober ist er 63 Jahre und sieben Monate alt und müsste – als Strafe für den vorzeitigen Renteneintritt – mit 7,2 % Rentenabschlägen rechnen (0,3 % für jeden vorzeitigen Renten-Monat). Nach heutigem Stand bekäme er deshalb etwa 108,00 € weniger im Monat.

Abkauf der Abschläge möglich

Doch das muss nicht sein. Denn Versicherte können der DRV die Abschläge durch einen Ausgleichsbeitrag ganz oder teilweise abkaufen. Festgelegt ist das in § 187 a Sozialgesetzbuch VI. Der Abkauf ist zwar nicht billig, doch er lohnt sich. Um die Abschläge ausgleichen zu können, müssen Versicherte der Deutschen Rentenversicherung gegenüber erklären, dass sie eine vorzeitige Rente beanspruchen möchten. Die DRV erstellt dann eine Rentenauskunft, aus der die voraussichtliche Minderung der Altersrente zu entnehmen ist. Frühestens geschieht dies derzeit laut DRV mit 55 Jahren. Doch wenn ein berechtigtes Interesse besteht, kann eine solche Auskunft auch schon jüngeren Versicherten erteilt werden.

Um den lebenslangen Abschlag von 108,00 € zu vermeiden, müsste Günter R. 25.920,00 € an die Rentenkasse zahlen. 82 % dieses Betrags kann er von der Steuer absetzen. Das sind 21.254,00 €. Das bringt dem derzeit gut verdienenden Angestellten eine Steuerersparnis von rund 4.000,00 €. Unterm Strich kostet ihm der Ausgleich des Rentenabschlags damit nur rund 22.000,00 €.

Solche Steuerersparnisse können gut verdienende Arbeitnehmer realisieren, die Rentenabschläge ausgleichen. Denn freiwillige Beiträge und Beiträge zum Ausgleich von Abschlägen können genau wie private Einzahlungen in sogenannte Rürup-Renten zum großen Teil von der Steuer abgesetzt werden. Maximal werden so in diesem Jahr für Alleinstehende 22.766,00 € und für Verheiratete 45.532,00 € steuerlich gefördert. 82 % dieser Beträge können von der Steuer abgesetzt werden. Doch Achtung: Bei gesetzlich Versicherten wie Günter R. werden auf diese Höchstbeträge die kompletten Pflichtbeiträge einschließlich Arbeitgeberanteile angerechnet. Im Falle von Günter R. sind dies rund 10.000,00 €. Seine Ehefrau bezieht bereits Rente. Sie zahlt damit keine Rentenbeiträge mehr. Damit hätte das Ehepaar insgesamt Rentenabschlagszahlungen von bis zu ca. 35.500,00 € steuerlich geltend machen können.

Steuerlich gesehen ist es meist sinnvoller, die Abschlagszahlung auf mehrere Jahre zu verteilen. So werden jeweils die Steuerspitzen gekappt. Auch Teilzahlungen sind möglich – allerdings nur längstens bis zum regulären Rentenalter.

Lohnender Ertrag

Einer effektiven Einzahlung von 22.000,00 € steht im Fall von Günter R. eine Erhöhung der Brutto-Monatsrente um 108,00 € gegenüber. Da hiervon noch Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung abgehen, liegt das Rentenplus netto bei rund 97,00 €.

Das bedeutet: Nach 227 Bezugsmonaten – also mit 81 Jahren – hätte Günter R. seine Zahlung wieder heraus. Zum Vergleich: Die gut bewertete private Sofortrente der Europa Versicherung bringt bei einer Einzahlung von 25.920,00 € eine Monatsrente von nur 85,91 €. Eine Steuerersparnis für die eingezahlten Beiträge hätte Günter R. hierbei nicht. Dafür gelten aber bei der Sofortrente im Alter günstigere Steuer-Regelungen. Die Einzahlung würde sich erst in 302 Monaten amortisieren. Günter R. wäre dann 88 Jahre alt.

Vorzeitige Inanspruchnahme der Rente ist nicht verpflichtend

Pläne können sich bekanntlich ändern. Wenn sich Günter R. im Herbst dieses Jahres doch entscheidet, nicht schon vorzeitig in Rente zu gehen, sondern bis zu seinem regulären Rentenalter durchzuarbeiten, kann ihm das niemand verbieten. Falls er die 25.920,00 € schon eingezahlt hat, so dient diese Summe dann nicht zum Ausgleich von Abschlägen, sondern erhöht seine reguläre Altersrente um 108,00 €. Außerdem fällt seine Rente dann zusätzlich auch noch höher aus, weil er ja auch noch zwei Jahre länger arbeitet und Rentenbeiträge zahlt.

Durch den Abkauf verpflichtet sich niemand zum vorzeitigen Renteneintritt. Wer später auf den Rentenantrag verzichtet und doch weiter arbeitet, erhöht durch die Einzahlung seine Rente. Das ist die einzige Möglichkeit, wie Arbeitnehmer freiwillige Beiträge einzahlen können – ein ganz legaler Trick.

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