So berechnen Sie Ihre Rentenlücke

So berechnen Sie Ihre Rentenlücke

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Eine schockierende Meldung ging an Heiligabend durch die Presse: Jeder zweite Beschäftigte könne im Alter nur mit einer gesetzlichen Rente auf Grundsicherungsniveau rechnen. Das gehe aus einer Datenübersicht der Bundesregierung und des Statistischen Bundesamts hervor. Demnach sei ein monatliches Bruttogehalt von 2.330 Euro nötig, um in einem durchschnittlich langen Arbeitsleben von derzeit 38 Jahren eine Rente in Höhe der staatlichen Altersgrundsicherung zu erzielen. Diese liegt - je nach Miete - bei monatlich 404 bis etwa 850 Euro pro Person.

Lebenslang wird immer länger

Die vorsorglich Finanzierung des Ruhestands betrachte ich ganz nüchtern: Sie dient der "Absicherung des Langlebigkeitsrisikos", wie die Versicherer sagen. Diesem Risiko unterliegen wir - zum Glück - in immer höherem Ausmaß, weil die Gesundheitsvorsorge und die Behandlung von Krankheiten - auch "tödlichen", wie Krebs und Aids - enorme Fortschritte gemacht haben. Am Abschluss einer zusätzlichen Rentenversicherung führt deshalb kein Weg vorbei - gerade dann, wenn ich gut verdiene und meine Rentenlücke - der Differenz zwischen Nettogehalt und Nettorente - wegen der Beitragsbemessungsgrenze entsprechend hoch ausfällt.

Wertvolle Expertentipps, wie Sie Ihre Rentenlück mit staatlich geförderten Vorsorgeformen rechtzeitig schließen können, lesen Sie im Ratgeber So schließen Sie Ihre Rentenlücke.

Was ist eigentlich eine Rentenversicherung?

Wiederum nüchtern betrachtet, zahle ich, wenn ich 50 bin 17 Jahre lang jeden Monat 500 Euro ein, um ab 67 17 Jahre lang 500 Euro ausgezahlt zu bekommen. Folglich ist eine Rentenversicherung die Verschiebung von Konsum (in Geldform) von jetzt auf später. Da derzeit kaum noch Zinsen gezahlt werden (der Garantiezins liegt ab 1.1.2017 bei 0,9% p.a. auf das tatsächlich verzinste Kapital, also auf die Einzahlungen abzüglich aller Kosten und Risikobestandteile), muss ich, um wenigstens meine statistische Lebenserwartung zu finanzieren, als Mann etwa 25 Jahre lang einzahlen, als Frau etwa 24 Jahre lang - oder (bei einer kürzeren Einzahlungsphase) entsprechend höhere Monatbeiträge.

Statistische Lebenserwartung steigt mit dem Lebensalter

Heutige 60-jährige Männer können statistisch gesehen damit rechnen, 81 Jahre und sechs Monate alt zu werden. Bei den 70-Jährigen liegt die statistische Lebenserwartung aktuell bei 84 Jahren und knapp zwei Monaten, bei 80-Jährigen bei 87 Jahren und etwa zehn Monaten. Wer als Frau heute 60 Jahre alt ist, kann statistisch gesehen damit rechnen, 85 Jahre und gut zwei Monate alt zu werden. Heutige 70-jährige Frauen sterben statistisch gesehen mit 86 Jahren und knapp zehn Monaten, 80-jährige mit 89 Jahren und knapp vier Monaten.

Zwei Möglichkeiten, die Rentenlücke zu ermitteln

Bei der Berechnung der Rentenlücke können Sie entweder vom letzten Netto-Einkommen oder vom tatsächlichen Finanzbedarf ausgehen und diese ins Verhältnis zu ihrer gesetzlichen Altersrente oder zu ihren gesamten Einkünften im Ruhestand setzen.

Mit Rentenlücke wird im engeren Sinne derjenige Prozentanteil bezeichnet, um den das letzte monatliche Netto-Einkommen vor Renteneintritt die gesetzliche Altersversorgung übersteigt. Realistischer ist es jedoch, wenn Sie neben der gesetzlichen Rente auch betriebliche und private Versicherungen bei der Berechnung dieser fiktiven Rentenlücke berücksichtigen.

Noch sinnvoller ist es, vom individuellen Bedarf auszugehen. Dazu müssen Sie eine persönliche Bestandsaufnahme und eine Bedarfsprognose anhand der persönlichen Konsumwünsche vornehmen. Die persönliche Bestandsaufnahme zeigt, wie hoch die Versorgungslücke zwischen künftigen Einnahmen (Altersrente bzw. Pension) und späterem Bedarf (Lebenshaltung) ausfällt, die privat aufgefüllt werden muss (siehe Tabelle).

So ermitteln Sie Ihre Versorgungslücke

Einnahmen / Ausgaben

Wert (€)

gesetzliche Rente (aktuelle Renteninformation)

+

Riester-Rente (aktueller Kontoauszug)

+

Auszahlung Basisrente (aktueller Kontoauszug)

+

Betriebsrente (aktueller Kontoauszug vom Chef)

+

Auszahlung Lebensversicherung (Monatsrente ausrechnen lassen)

+

Auszahlung Privatrente (aktueller Kontoauszug)

+

Einnahmen aus Miete / Pacht (1 / 12 vom Jahr)

+

Spar-Zinsen (1 / 12 vom Jahreszins)

+

sonstige Vermögenswerte (Monatsbasis)

=

Einnahmen zu Beginn des Rentenalters

./.

aktuelles, letztes Netto-Einkommen

=

Lücke oder Überschuss gegenüber Gehalt

./.

Alltagsausgaben

./.

Miete

./.

Kranken- und Pflegeversicherung (Monatsbeitrag)

./.

Lebenshaltung (Monatsausgaben)

./.

Auto; andere Verkehrsmittel

./.

Urlaub; Hobbys (auf Monat umgerechnet)

./.

sonstige Verpflichtungen (z. B. Unterhalt)

./.

Schulden (monatliche Belastung)

=

Monatseinkommen (vor Steuern)

./.

Steuern

=

Monatseinkommen (nach Steuern)

./.

Inflation (0,16 % pro Monat)

Die bedarfsorientierte Versorgungslücke, also die Differenz zwischen der gesetzlichen, betrieblichen und privaten Altersrente bzw. Pension und dem tatsächlich benötigten Alterseinkommen, lässt sich relativ leicht bestimmen, wenn man eine feste Größe vom letzten Bruttoeinkommen zugrunde legt. Wer sich im Alter mit 70 % vom letzten Bruttoeinkommen vor der Rente zufriedengibt, muss nach aktuellem Rechtsstand je nach Einkommen mit wenigstens 250 € (Durchschnittsverdiener), häufig aber mit 500 € oder noch größerer (Besserverdiener) monatlicher Versorgungslücke rechnen.

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