Sinkendes Rentenniveau wegen magerer Rentenanpassungen

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Der Abstand zwischen Gehalt und Rente nimmt in den kommenden Jahren zu.

Wegen der zunehmenden Alterung der Bevölkerung (Stichwort: demografischer Wandel) ist seit den Rentenreformen von 2002 durch Walter Riester eine kontinuierliche Senkung des Alterssicherungsniveaus von damals über 50 % auf 43 % im Jahr 2030 geplant.

Diese Absenkung des Rentenniveaus kann dazu führen, dass Durchschnittsverdiener, die nicht die von den Sozialpolitikern zugrundegelegten 45 Beitragsjahre erreichen, weniger Rente erhalten, als wenn sie gar keine Rentenbeiträge bezahlt hätten. In beiden Fällen besteht Anspruch auf Grundsicherung im Alter, die einschließlich der übernommenen Mietkosten bei rund 850 € im Monat liegen kann.

Dieses Problem hat das Institut Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg-Essen in seiner Studie Überschneidung von Grundsicherungsbedarf und Renten bei sinkendem Rentenniveau dargestellt (http://www.sozialpolitik-aktuell.de/tl_files/sozialpolitik-aktuell/_Politikfelder/Alter-Rente/Datensammlung/PDF-Dateien/abbVIII54.pdf).

Die Autoren gehen davon aus, dass die Höhe einer abschlagsfreien Regelaltersrente nach der Rentenformel im Wesentlichen davon abhänge, wie viele Beitragsjahre vorliegen und welche Einkommen im Verhältnis zum Durchschnittseinkommen im Verlauf des gesamten Versicherungslebens erreicht worden seien.

Dabei gelte die einfache Aussage: Je mehr Jahre und je höher die Gehälter, desto mehr Entgeltpunkte und desto höher die individuelle Rente. Umgekehrt gelte, dass bei einem niedrigen lebensdurchschnittlichen Verdienst und bei nur wenigen Versicherungsjahren die Entgeltpunkte und die spätere Rente nur niedrig ausfalle.

Von politisch entscheidender Bedeutung für die Bewertung der Leistungsfähigkeit der gesetzlichen Rentenversicherung seien zwei Fragen:

  • Wie viele Versicherungsjahre müssen je nach Entgeltposition vorliegen, damit die Altersrente zumindest das Bedarfsniveau der Grundsicherung im Alter (einschließlich der Kosten der Unterkunft) erreicht?

  • Welche Folgen hat es, wenn das Leistungsniveau der Rentenversicherung (konkret das Rentenniveau vor Steuern) in den nächsten Jahren und Jahrzehnten weiter absinken wird, da die Rentenanpassungen der Gehaltsentwicklung nur noch abgebremst folgen?

Bei dem Netto-Rentenniveau vor Steuern von 49,6 %, das für das Jahr 2012 gelte, brauche ein Durchschnittsverdiener (Entgeltposition von 100 %) 27,4 Beitragsjahre, um eine Rente von 690 € zu erhalten.

Liege die Entgeltposition nur bei 50 %, erhöhe sich die notwendige Beitragsdauer auf 54,6 Jahre. Sinke nun, wie politisch gewollt, das Rentenniveau, dann erhöhe sich die Anzahl der Versicherungsjahre, die für eine Rente in Höhe des Grundsicherungsbedarfs erforderlich seien.

Bei einem Netto-Rentenniveau vor Steuern von 46,0 %, wie es die Bundesregierung für das Jahr 2025 annehme, müsse ein Durchschnittsverdiener schon 29,5 Beitragsjahre aufweisen, ein Beschäftigter mit einer Entgeltposition von 50 % sogar 59,1 Jahre.

Bei einer weiteren Absenkung des Niveaus bis an die Grenze der Niveausicherungsklausel (43 % im Jahr 2030) erhöhen sich die Anforderungen weiter.

Diese Modellrechnung mache deutlich, so die Autoren der Studie, dass ein sinkendes Rentenniveau dazu führe, dass immer mehr Rentner mit einer Rente rechnen müsse, die nicht einmal das Bedarfsniveau der Grundsicherung erreiche.

Trotz womöglich jahrzehntelanger Beitragszahlung hätten diese Personen im Alter womöglich nur ein Einkommen auf der Höhe der vorleistungsunabhängigen Grundsicherung. Das könne zu grundlegenden Akzeptanz- und Legitimationsproblemen der gesetzlichen Rentenversicherung führen, schreiben die Autoren der Studie.

Rentenlücke bei Gutverdienern meistens über 60 %

Die Differenz zwischen dem (letzten) ausgezahlten Nettogehalt und der (späteren) Nettorente nach Steuern steigt, je mehr man verdient. Das hängt mit zwei Faktoren zusammen, die die Rente begrenzen:

  • Erstens: Wer viel verdient, hatte i.d.R. eine lange Ausbildungszeit und einen späten Berufseinstieg.

  • Zweitens: Die Beitragsbemessungsgrenze führt dazu, dass pro Jahr nicht mehr als rund zwei Entgeltpunkte erworben werden können.

Wer diese Rentenlücke überbrücken möchte, muss sich rechtzeitig um zusätzliche Alterseinkünfte kümmern, z.B. Mieterträge, Privatrente und Betriebsrente.

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