Schlechte Rentenaussichten für nachfolgende Generationen

 - 

(verpd) Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat vor Kurzem ihren sechsten Bericht zur Entwicklung der Alterssicherungssysteme in insgesamt 34 Ländern des OECD-Raums und der Gruppe der G20-Staaten vorgelegt. Ein Ergebnis ist, dass unter anderem auch in Deutschland die jüngeren Generationen mit weit weniger Altersbezügen rechnen können als die derzeitigen Rentenbezieher.

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) untersucht alle zwei Jahre die Bevölkerungsentwicklung sowie die Änderungen in der Rentenpolitik in 34 OECD-Ländern sowie in den G20-Staaten. Der erst kürzlich veröffentlichte aktuelle sechste Bericht zur Entwicklung der Alterssicherungssysteme enthält unter anderem verschiedene Prognosen bis ins Jahr 2075. Den Staaten ist demnach gemeinsam, dass sie sich einer alternden Bevölkerung gegenübersehen, worauf im Kern mit einer Verlängerung der Lebensarbeitszeit reagiert wird.

Altersquotient steigt an

Die OECD-Rentenexpertin Monika Queisser erklärte bei der Präsentation der Studie, dass es im Grunde nach bei den staatlichen Alterssicherungs-Systemen nur drei Stellschrauben gebe: die Höhe der Beiträge und der staatlichen Zuschüsse, die Regelarbeitsgrenze und das davon abgeleitete Rentenniveau.

Nach den Langfrist-Projektionen bis zum Jahr 2075 wird der sogenannte Altersquotient in Deutschland auf 66,3 Prozent ansteigen. Dieser gibt an, wie viele über 65-jährige Menschen auf 100 Menschen im arbeitsfähigen Alter zwischen 20 und 64 Jahren kommen. Der für Deutschland prognostizierte Wert von 66,3 Prozent bedeutet, dass 2075 auf drei Personen im erwerbsfähigen Alter bereits zwei über 65-Jährige entfallen. 1975 hatte der Quotient noch bei 26,3 Prozent und 2015 bei 353 Prozent gelegen.

OECD-weit verschlechtert sich die Quote von 27,6 Prozent im Jahr 2015 auf 55,4 Prozent im Jahr 2075. Die größten Probleme mit der Bevölkerungsstruktur dürften nach der Projektion im Jahr 2075 Portugal (75,6 Prozent), Japan (77,2 Prozent) und Korea (80,1 Prozent) bekommen.

Risiko von Altersarmut wird zunehmen

Queisser zufolge haben die Reformen der vergangenen Jahre insgesamt die Rentensysteme in den OECD-Ländern auf finanziell solidere Basis gestellt. „Rentner genießen heute einen höheren Lebensstandard als jemals zuvor.“ Die Altersbezüge zukünftiger Generationen dürften allerdings weit weniger großzügig ausfallen. „Für viele Menschen wird das Risiko von Altersarmut zunehmen“, erklärte Queisser.

Die Altersarmut in Deutschland liegt dem Rentenbericht zufolge zwar unter dem OECD-Durchschnitt, sie ist aber deutlich höher als in Nachbarländern wie Frankreich, den Niederlanden oder Dänemark.

In Deutschland kommt ein Durchschnittsverdiener bei einer vollständigen Erwerbsbiografie in der Rentenphase auf 53,4 Prozent seines früheren Nettoarbeitsverdienstes. Insgesamt liegt hier das OECD-Niveau im Durchschnitt mit 63 Prozent jedoch deutlich höher. Unter Einbeziehung der Riester-Rente käme aber der oben genannte Durchschnittsverdiener auf ein Rentenniveau, das nur knapp unterhalb des OECD-Durchschnitts liegt. Für Geringverdiener mit nur 50 Prozent des Durchschnittlohns liegt das Rentenniveau allerdings deutlich unter dem OECD-Durchschnitt.

Die atypische Beschäftigung greift um sich

Der aktuelle OECD-Rentenbericht befasste sich schwerpunktmäßig mit den Auswirkungen unterbrochener Erwerbsbiografien auf spätere Rentenansprüche. „Bei kurzer Arbeitslosigkeit müssen Arbeitnehmer in Deutschland so gut wie keine Einbußen bei den Rentenansprüchen hinnehmen“, hält der Bericht fest. Und auch bei längerer Arbeitslosigkeit würden die Einbußen bei der Rente in Deutschland geringer ausfallen als in den meisten OECD-Ländern.

„Dagegen bereitet die Zunahme atypischer Beschäftigung Anlass zur Sorge“, erklärte Queisser. Nicht nur in Deutschland würden Standard-Erwerbsbiografien mit langen Beitragszeiten zunehmend durch befristete Beschäftigung oder Teilzeitarbeit abgelöst. Auch die Soloselbstständigkeit nehme zu.

Wer für seine persönliche Situation wissen möchte, ob die voraussichtliche gesetzliche Rente ausreicht, um den bisherigen Lebensstandard zu halten, kann dies in einem Beratungsgespräch mit einem Versicherungsfachmann klären. Der Experte hilft auch bei der Frage, welche individuellen, teils staatlich geförderten Altersvorsorgeformen infrage kommen, wenn voraussichtlich eine Lücke zwischen dem zu erwartenden Renteneinkommen und dem eigentlich notwendigen finanziellen Bedarf besteht.

Wertvolle Expertentipps lesen Sie in unserem Ratgeber So schließen Sie Ihre Rentenlücke: Zusätzliche Altersvorsorge für 50plus .

Weitere News zum Thema

  • Immer häufiger führt eine Erwerbsminderung zur Armut

    [] (verpd) Nach den aktuellen Daten der Gesundheits-Berichterstattung des Bundes waren noch nie so viele Bürger aufgrund einer Erwerbsminderung auf eine Grundsicherung angewiesen. Auch benötigen immer mehr Personen, die zwar aufgrund ihrer Erwerbsminderung eine gesetzliche Rente bekommen, eine Grundsicherung, damit sie ihren Lebensunterhalt bestreiten können. mehr

  • Was es mit dem Sterbevierteljahr auf sich hat

    [] (verpd) Stirbt ein Ehepartner, hat das für den Hinterbliebenen oft auch finanzielle Auswirkungen. Mit dem sogenannten Sterbevierteljahr will die gesetzliche Rentenversicherung dem hinterbliebenen Ehepartner den Übergang zu den geänderten finanziellen Verhältnissen erleichtern. Die Witwe oder der Witwer erhält dazu drei Monate lang eine höhere Hinterbliebenenrente ausbezahlt, als die gesetzliche Witwen- oder Witwerrente tatsächlich ist. Dazu müssen jedoch bestimmte Kriterien erfüllt sein. mehr

  • Damit die Rente kein Ratespiel wird

    [] (verpd) Nur wenige Bundesbürger im erwerbsfähigen Alter haben eine klare Vorstellung davon, welche gesetzliche Altersrente ihnen später zur Verfügung stehen wird. Dagegen sind sich viele nicht sicher, ob ihr Alterseinkommen auch tatsächlich ausreicht, um ihren Lebensstandard zu halten, so die Ergebnisse einer aktuellen Umfrage. mehr

  • Wann für die Altersrente Einkommensteuer zu zahlen ist

    [] (verpd) Grundsätzlich müssen auch Rentner eine Einkommensteuer entrichten, wenn ihre Renteneinkünfte zusammen mit möglichen sonstige Einkommen, zum Beispiel aus Vermietungen oder Kapitaleinkünften, über einem bestimmten Betrag liegen. Eine kostenlose Broschüre der Deutschen Rentenversicherung erklärt die Details zur Steuerpflicht für Rentner. mehr

  • Gesetzliche Rentenversicherung für freiwillige Beiträge geöffnet

    [] Die zum Jahresbeginn neu eingeführte Flexi-Rente enthält noch mehr Möglichkeiten, als zunächst von der Öffentlichkeit wahrgenommen wurde. So können nun die Bezieher einer vorgezogenen Altersrente erstmals freiwillige Beiträge in die gesetzliche Rentenkasse zahlen und so ihre Rentenhöhe steigern. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.