Riester- und Rürup-Rente: Produktinformationsblatt ist Pflicht

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Seit Anfang dieses Jahres gilt für Anbieter zertifizierter Altersvorsorgeverträge (sogenannte Riester-Renten) sowie Basisrentenverträge (sogenannte Rürup-Rentenverträge) eine neue Pflicht: Sie müssen jedem Kunden vor Abschluss des Vertrags ein Produktinformationsblatt (PIB) aushändigen.

Zudem ist festgelegt: Die Anbieter müssen den Verbrauchern im Internet für jedes Produkt vier Muster-Produktinformationsblätter zur Verfügung stellen, damit sich diese im Vorfeld einer Beratung informieren können. Für Riester-Produkte im Rahmen einer betrieblichen Altersversorgung ist dieses Produktinformationsblatt nicht vorgeschrieben.

Das Produktinformationsblatt soll es Verbrauchern erleichtern, ein steuerlich gefördertes privates Altersvorsorgeprodukt auszuwählen. Auf dem Blatt sind alle für den Kunden wichtigen Informationen zu Leistungen, Garantien, Kosten und Risiken des geplanten Vertrags übersichtlich zusammengefasst. Insbesondere sollen eine einheitliche Kostenkennziffer – Effektivkosten – sowie die Chancen-Risiko-Klasse für höhere Transparenz sorgen.

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Worüber wird informiert?

Das Produktinformationsblatt ist im Detail gesetzlich vorgegeben, das heißt, es ist für alle Produkte gleich gestaltet. Dies gilt sowohl für die optische Ausgestaltung, wie beispielsweise die Reihenfolge der dargestellten Informationen, als auch für die Vorgaben zu den Inhalten, die der Anbieter auf dem Blatt machen muss.

Aus folgenden Modulen setzt sich das PIB zusammen:

  • Produktbeschreibung: Hier ist kurz das Produkt beschrieben.

  • Chancen-Risiko-Klasse: Das Produkt wird in diesem Abschnitt einer der Chancen-Risiko-Klassen zugeordnet. Da auf dem PIB alle fünf möglichen Chancen-Risiko-Klassen beschrieben werden, kann der Kunde die Chancen-Risiko-Klasse seines Produkts im Verhältnis zu den anderen Chancen-Risiko-Klassen besser einschätzen. Die Basisdaten geben einen kurzen Überblick über die Vertragsinhalte

  • Steuerliche Förderung: Hier erhält der Kunde einen kurzen Hinweis zu einer möglichen steuerlichen Förderung des Produkts. In der Verantwortung des Kunden liegt es selbstverständlich weiterhin, vor Vertragsschluss zu überprüfen, ob er die Voraussetzungen für die steuerliche Förderung erfüllt.

  • Beispielrechnung: Die Beispielrechnung zeigt, welches Kapital bzw. welche monatliche Altersleistung sich für den Kunden nach Ablauf der Ansparphase, also zu Beginn der Auszahlungsphase des Vertrags, ergeben könnte, wenn er seine Einzahlungen wie geplant vornimmt. Dazu werden unterschiedliche Wertentwicklungen unterstellt. In Einzelfällen ist stattdessen eine Modellrechnung angegeben.

  • Darlehen: Bei Wohn-Riester-Produkten gibt es ein Modul Darlehen, in dem der Kunde spezifische Informationen zu dem geplanten Wohn-Riester-Produkt erhält.

  • Ihre Daten: Auf der zweiten Seite des Produktinformationsblatts werden die Daten des Kunden – Angaben zur Person, die geplanten Einzahlungen und die geplante Dauer der Ansparphase – tabellarisch dargestellt. Diese Annahmen bilden die Grundlage für die Angaben zum Preis-Leistungs-Verhältnis des Vertrags. Ändern sich diese Annahmen während der Vertragslaufzeit, ergeben sich andere Werte.

  • Anbieterwechsel/Kündigung: Hier ist dargestellt, inwieweit bei dem Produkt die Möglichkeit besteht, den Anbieter zu wechseln oder sich das angesparte Kapital auszahlen zu lassen, und welche Konsequenzen sich daraus ergeben.

  • Effektivkosten: Diese Kostenkennziffer gibt an, wie sich die Kosten (z. B. für den Abschluss oder die Verwaltung) des Vertrags auf die Rendite auswirken. Die Berechnungsmethode der Kostenkennziffer ist vorgegeben, sodass die Kennziffer einen Vergleich verschiedener Angebote erlaubt. Anhand der Effektivkosten lässt sich – wenn dieselben Annahmen für einen Vertragsverlauf gelten – herausfinden, bei welchem Vertrag die Rendite aufgrund von Kosten stärker gemindert wird. Je höher die Effektivkosten-Kennziffer ist, desto mehr wird die Vertragsrendite durch Kosten geschmälert. Beim Vergleich der Kostenkennziffer sollten Kunden auch berücksichtigen, welche garantierte absolute Leistung bzw. welches garantierte Kapital (in Euro) der Anbieter für die Altersvorsorge zusagt.

  • Einzelne Kosten: Hier muss der Anbieter alle auf den Vertrag anfallenden expliziten Kosten ausweisen. Für den Kunden bedeutet dies, dass der Anbieter vertraglich nur diese auf dem Produktinformationsblatt ausgewiesenen Kosten berechnen darf.

  • Absicherung bei Anbieterinsolvenz: In diesem Abschnitt sind, für den eher unwahrscheinlichen Fall der Insolvenz des Anbieters, die dafür vorgesehenen Absicherungsmechanismen angegeben.

Welche Module genau der Anbieter auf dem Produktinformationsblatt auszuweisen hat, hängt immer auch vom gewählten Produkt ab. So sind z. B. bei einem reinen Darlehen die Module Chancen-Risiko-Klasse, Beispielrechnung und Effektivkosten nicht aufzunehmen. Das PIB besteht insgesamt aus zwei DIN-A4-Seiten für die Hauptabsicherung. Wählt der Kunde einen Riester- oder Rürup-Vertrag mit zusätzlicher Absicherung, beispielsweise gegen Erwerbsminderung oder zum Schutz der Hinterbliebenen, findet er die Informationen dazu auf dem Zusatzblatt Zusatzabsicherung.

Das PIB fasst die für Sie als Kunden ausschlaggebenden Produktmerkmale zusammen und gibt Ihnen einen Überblick über die Art, die Kosten sowie die möglichen Ertragschancen und Risiken. Das ermöglicht Ihnen, das Angebot mit anderen Altersvorsorge- oder Basisrentenverträgen zu vergleichen. So können Sie auf einen Blick erkennen, wie sich verschiedene Produkte voneinander unterscheiden. Insbesondere die Darstellung der Kosten und die Zuordnung der Produkte zu einer Chancen-Risiko-Klasse vereinfachen die Auswahl.

Allerdings: Die Produktbeschreibungen sind häufig mit Fachwörtern gespickt. Beispiel: Die Überschussbeteiligung nach Rentenbeginn erfolgt in der Form einer zusätzlichen Gewinnrente. Bei einer vereinbarten garantierten Rentensteigerung wird während der Rentenphase die garantierte Rente erhöht. Es bleibt Ihnen somit nicht erspart, sich mit den jeweiligen Begrifflichkeiten vertraut zu machen, beziehungsweise sich diese im Beratungsgespräch genau erläutern zu lassen.

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Was ist das Muster-Produktinformationsblatt?

Für Verbraucher, die sich bereits vor einer Beratung informieren wollen, müssen Anbieter für jedes geförderte Altersvorsorgeprodukt Muster-Produktinformationsblätter erstellen und im Internet veröffentlichen. Die Muster-PIB beziehen sich auf einheitlich vorgegebene Musterkunden. Eine Unterscheidung des Musterkunden in weiblich oder männlich müssen die Anbieter nicht vornehmen, da für zertifizierte Riester- und Basisrentenverträge Unisex-Tarife gelten.

Für den Musterkunden wird ein Vertragsbeginn am 1. Januar des betreffenden Jahres unterstellt. Die Berechnungen erfolgen auf vier verschiedene Laufzeiten – 12, 20, 30 und 40 Jahre. Da die Auszahlungsphase des Vertrags immer mit der Vollendung seines 67. Lebensjahrs beginnt, ergibt sich jeweils ein Muster-Produktinformationsblatt für einen 27-, 37-, 47- und 55-jährigen Musterkunden. Bei Basisrentenverträgen gilt die Annahme, dass der Kunde monatlich 100,00 € in seinen Vertrag einzahlt. Für den Riester-Musterkunde wird eine monatliche Beitragszahlung oder Tilgungsleistung in Höhe von 87,00 € zugrunde gelegt. Außerdem fließt in die Rechnung ein, dass der Sparer jährlich am 15. Mai eine staatliche Grundzulage in Höhe von 154,00 € erhält.

Die Muster-Produktinformationsblätter sind auf den Internetseiten des jeweiligen Anbieters zu finden. Allerdings stehen sie meistens nicht deutlich erkennbar auf der Startseite, sondern befinden sich auf Unterseiten. Es gibt jedoch eine Linksammlung, die zu den jeweiligen Internetseiten der Anbieter führt. Diese finden Sie auf der Internetseite des Bundeszentralamts für Steuern unter www.bzst.de.

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