Rentenzukunft 2018 bis 2031

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Aus dem Rentenversicherungsbericht 2017, den das Bundeskabinett am 22.11.2017 verabschiedet hat, ergeben sich klare Perspektiven für die Rente in den Jahren 2018 bis 2031, die unser Rentenexperte Werner Siepe akribisch analysiert hat.

Im Mittelpunkt des Rentenversicherungsberichts stehen die Vorausberechnungen für den langfristigen 15-Jahres-Zeitraum von 2017 bis 2031. Der Beitragssatz soll 20 Prozent bis zum Jahr 2020 sowie 22 Prozent bis zum Jahr 2030 nicht überschreiten. Andererseits soll das Sicherungsniveau vor Steuern 46 Prozent bis zum Jahr 2020 sowie 43 Prozent bis zum Jahr 2030 nicht unterschreiten. Diese beiden Haltelinien für die Beitragssatz-Obergrenze und die Rentenniveau-Untergrenze werden laut Rentenversicherungsbericht 2017 der Bundesregierung eingehalten.

Daraus ergibt sich: Die sieben Jahre von 2017 bis 2023 mit stabilem Beitragssatz und stabilem Rentenniveau sind gute Rentenjahre. Nach dem Übergangsjahr 2024 folgen dann sieben eher schlechte Rentenjahre von 2025 bis 2031, die von steigenden Beitragssätzen und gleichzeitig sinkendem Rentenniveau geprägt sein werden.

Grund ist der Eintritt der Babyboomer mit den Geburtsjahrgängen 1959 bis 1968 in den Ruhestand. Die Rentenneuzugänge in diesen Jahren werden deutlich zunehmen, was zwangsläufig zu einem starken Anstieg der Rentenausgaben führen wird.

Rentenbeitragssätze

Wie sich die Beitragssätze laut Rentenversicherungsbericht 2017 in den nächsten 15 Jahren entwickeln, zeigt die Übersicht B 7 auf Seite 37 des Rentenversicherungsberichts 2017 der Bundesregierung. Dabei werden drei Lohnvarianten (untere, mittlere und obere) sowie drei Beschäftigungsvarianten (untere, mittlere und obere) berücksichtigt, insgesamt also neun Varianten.

Nach der mittleren Variante bleibt der Beitragssatz von 2017 bis 2023 stabil bei 18,7 bzw. 18,6 Prozent. Ab 2024 steigt der Beitragssatz stark an bis auf 21,9 Prozent in 2031. Im Vergleich zu den nur 18,6 Prozent in den Jahren 2018 bis 2022 liegt der Beitragssatz von 21,9 Prozent im Jahr 2031 um gut ein Sechstel darüber.

Durchschnittsentgelte

Die Entwicklung der Durchschnittsentgelte von 2017 bis 2031 bei der mittleren Lohnvariante ist der Übersicht B 14 auf Seite 45 des Rentenversicherungsberichts 2017 der Bundesregierung zu entnehmen. In den Jahren 2017 bis 2024 handelt es sich immer um die Durchschnittsentgelte West. Ab 2025 wird nicht mehr zwischen Durchschnittsentgelten West und Ost unterschieden. Bei der mittleren Lohnvariante steigen die jährlichen Brutto-Durchschnittsentgelte von 37.103 Euro in 2017 auf 55.697 Euro in 2031. Das entspricht einer Steigerung um insgesamt 50 Prozent bzw. durchschnittlich 2,94 Prozent pro Jahr.

Ab dem Jahr 2026 sollen die Bruttoentgelte nach der mittleren Lohnvariante um 3 Prozent pro Jahr steigen. Die Bruttolöhne und Bruttogehälter steigen in der mittelfristigen Vorschaurechnung um 2,5 Prozent in 2017 bis zu 2,9 Prozent in den Jahren 2020 und 2021. Die beitragspflichtigen Entgelte im Westen steigen laut Modellrechnung um 2,6 Prozent in 2017 und 2018, dann um 2,8 Prozent in 2019 und schließlich um jeweils 2,9 Prozent in den Jahren 2020 und 2021 (siehe Seite 44 des Rentenversicherungsberichts). In den neuen Bundesländern soll der Anstieg jeweils um einen Zehntelprozentpunkt höher sein.

Aktuelle Rentenwerte

Wie sich die aktuellen Rentenwerte West laut Modellrechnung in der mittleren Variante von 2017 bis 2031 entwickeln, zeigt die Übersicht 14 auf Seite 45 des Rentenversicherungsberichts 2017 der Bundesregierung. Die Erhöhung des aktuellen Rentenwerts ist gleichbedeutend mit der jährlichen Rentensteigerung, die jeweils zum 1. Juli eines jeden Jahres erfolgt.

Der aktuelle Rentenwert West von 31,03 Euro ab 1.7.2017 soll laut Vorausberechnung auf 42,30 Euro in 2031 bei der mittleren Variante steigen. Das sind insgesamt gut 36 Prozent oder durchschnittlich 2,24 Prozent pro Jahr mehr im Vergleich zum aktuellen Rentenwert West in 2017.

Die durchschnittliche Rentensteigerung von 2,24 Prozent pro Jahr liegt damit um 0,7 Prozentpunkte unter der jährlichen Lohnsteigerung. Die Renten steigen im 15- Jahres-Zeitraum von 2017 bis 2031 somit geringer als die Löhne, was gleichbedeutend mit dem Sinken des Rentenniveaus ist. Allerdings vollzieht sich das nicht stetig, sondern in sehr unterschiedlichem Ausmaß. In den Jahren 2017 bis 2023 steigen die Renten mit durchschnittlich 2,8 Prozent pro Jahr in etwa so hoch wie die Löhne, was eine Stabilisierung des Rentenniveaus zur Folge hat.

Erst ab 2024 bleiben die jährlichen Rentensteigerungen sehr deutlich hinter den Lohnsteigerungen zurück. Das führt dann zu einer drastischen Senkung des Rentenniveaus. So liegen die jährlichen Rentensteigerungen ab dem Jahr 2025 immer unter 2 Prozent, obwohl in der mittleren Lohnvariante eine jährliche Lohnsteigerung von 3 Prozent bis zum Jahr 2031 angenommen wird.

Rentensätze

Der im Beitragsjahr 2017 erzielbare jährliche Rentensatz ist somit 5,37 Prozent. Der jährliche Rentensatz verharrt von 2017 bis 2023 in einer sehr engen Spanne zwischen 5,36 und 5,45 Prozent, was auf die Stabilität bei Beitragssatz und Rentenniveau zurückzuführen ist. Diese sieben Jahre können als gute Rentenjahre gelten, da solche Rentensätze auch in den Jahren 2006 bis 2016 nicht überschritten wurden.

Der niedrigste Satz lag bei 5,16 Prozent in 2011. Im Jahr 1997, also vor 20 Jahren, lag der jährliche Rentensatz ebenfalls nur bei 5,38 Prozent. Das Bruttorentenniveau war zwar damals höher bei über 49 Prozent im Vergleich zu gut 45 Prozent in 2017, aber auch der Beitragssatz stieg auf damals 20,3 Prozent. Ab dem Jahr 2024 verschlechtert sich das Beitrag-Rente-Verhältnis jedoch rapide, da steigende Beitragssätze und ein stetig sinkendes Rentenniveau aufeinander treffen.

Der jährliche Rentensatz fällt auf rund 5 Prozent in 2024, rund 4,5 Prozent in 2028 und nur noch knapp 4,2 Prozent im Jahr 2031. Es handelt sich aus dieser Sicht um schlechte Rentenjahre, sofern die Beitragssätze wie geplant auf 21,8 Prozent in 2031 steigen und das Bruttorentenniveau bis auf 41 Prozent sinkt. Sollte dieser negative Trend von steigenden Beitragssätzen und sinkendem Rentenniveau auch über das Jahr 2031 hinaus anhalten, wird die gesetzliche Rentenversicherung für die geburtenschwachen Jahrgänge ab 1970, die frühestens ab 2033 mit 63 Jahren und dann hohen Rentenabschlägen in Rente gehen, immer unattraktiver.

Über die Zeit ab 2032 schweigt sich der Rentenversicherungsbericht 2017 der Bundesregierung jedoch aus, da er laut gesetzlicher Vorgabe nur einen 15- Jahres-Zeitraum erfasst. 6. Ost-West-Rentenangleichung Das im Jahr 2017 beschlossene Rentenüberleitungsgesetz sieht eine stufenweise Angleichung der aktuellen Rentenwerte Ost bis zum 1.7.2024 vor sowie den stufenweisen Abbau der Höherwertung von Ost-Entgelten. Die Angleichung der Ost- Renten beginnt am 1.7.2018 und endet am 1.7.2024. Die anderen Rechengrößen wie das Durchschnittsentgelt Ost werden in sieben Schritten vom 1.1.2018 bis 1.1.2025 auf das West-Niveau angeglichen. In den Jahren 2017 und 2018 liegt der aktuelle Rentenwert Ost noch um 14 Prozent unter dem aktuellen Rentenwert West und das letztmalig für 2018 ermittelte vorläufige Durchschnittsentgelt Ost um rund 11 Prozent unter dem Durchschnittsentgelt West.

Ost-West-Angleichung von aktuellen Rentenwerten und Durchschnittsentgelten

Ab 2019 erfolgt die Angleichung des aktuellen Rentenwerts Ost in laut Rentenüberleitungsgesetz festgelegten Schritten wie in Übersicht C 1 auf Seite 62 des Rentenversicherungsberichts 2017. Ab dem 1.7.2024 gibt es nur noch einen einheitlichen aktuellen Rentenwert für Ost und West.

Vorteile für Ost-Rentner und rentennahe Ost-Versicherte

Von der Rentenangleichung profitieren insbesondere Ost-Rentner und rentennahe Ost-Versicherte ab 60 Jahren, die in den nächsten Jahren in Rente gehen.

Beispiel: Wer im Jahr 1958 geboren ist und am 1.7.2024 mit Erreichen der Regelaltersgrenze von 66 Jahren in Rente geht, erhält eine gesetzliche Rente nach dem dann für Ost und West einheitlichen aktuellen Rentenwert. Für die Berechnung von Rentenanwartschaften aus freiwilligen Beiträgen von Nicht- Pflichtversicherten oder Nachzahlungsbeträgen von unter 45-jährigen Ost- Versicherten für Ausbildungszeiten, die nicht als Anrechnungszeiten berücksichtigt werden, gibt es schon heute keinen Unterschied zwischen Ost und West. Anders sieht dies bei Ausgleichbeträgen zum Rückkauf von Rentenabschlägen ab 50 Jahren aus. Da diese Ausgleichsbeträge rechtlich nicht als freiwillige Beiträge gelten, erfolgt die Berechnung noch anhand der niedrigeren Durchschnittsentgelte Ost. Für einen gleich hohen Rentenanspruch zahlen rentennahe Ost-Versicherte ab 50 Jahren somit einen geringeren Ausgleichsbetrag. Ganz besonders lohnt sich die Zahlung des Ausgleichsbetrags Ost in den Jahren 2017 und 2018, da in diesen beiden Jahren das Durchschnittsentgelt Ost noch rund 11 Prozent unter dem Durchschnittsentgelt West liegt. Daher können gleich hohe Rentenansprüche wie im Westen ab 1.7.2024 mit niedrigeren Ausgleichsbeträgen und damit kostengünstiger erworben werden. In den Jahren 2019 bis 2023 sinkt dieser Kostenvorteil. Daher ist es sinnvoll, die Zahlung von Ausgleichsbeträgen in Raten möglichst auf die Jahre 2017 und 2018 zu konzentrieren.

Rentenversicherungsbericht 2017: www.bmas.de/rentenversicherungsbericht-2017.pdf

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