Rentenversicherungsbericht 2016 stimmt optimistisch

Rentenversicherungsbericht 2016 stimmt optimistisch

 - 

Die Löhne und Renten werden in den Jahren bis 2030 kräftig steigen - wenn es nach den Prognosen der Bundesregierung geht.

Der Rentenversicherungsbericht 2016 klingt fast schon euphorisch: Die Durchschnittsentgelte steigen bis 2030 um rund 49 % bis auf monatlich 4.503 €. Das entspricht einer durchschnittlichen Lohnsteigerung von 2,9 % p.a.

Die aktuellen Rentenwerte steigen bis 2030 um rund 35 % auf dann 40,98 € pro Monat. Dadurch kommt es zu einer durchschnittlichen Rentensteigerung von 2,1 % p.a. und zu einer geschätzten monatlichen Bruttostandardrente von 1.844 € im Jahr 2030.

Da die Renten geringer steigen als die Löhne, sinkt das Rentenniveau bis 2030. Das Bruttorentenniveau (monatliche Bruttostandardrente in Prozent des monatlichen Bruttodurchschnittsentgelts) sinkt von 45,3 % in 2016 auf 41 % im Jahr 2030. Im Alterssicherungsbericht 2016 der Bundesregierung wird dagegen noch ein Bruttorentenniveau von 40,4 % genannt.

Wer beabsichtigt, für seinen Ruhestand vorzusorgen, kann mit zahlreichen Finanzprodukten, die teilweise staatlich gefördert werden, dafür sorgen. Wertvolle Expertentipps dazu lesen Sie im Ratgeber So schließen Sie Ihre Rentenlücke.

Das Sicherungsniveau vor Steuern (verfügbare Standardrente in Prozent des verfügbaren Durchschnittsentgelts) sinkt von 48 % in 2016 auf 44,5 % in 2030. Dass die Senkung dieses Sicherungsniveaus vor Steuern relativ geringer ausfällt als die Senkung des Bruttorentenniveaus, hängt mit der eigenwilligen Berechnungsweise zusammen: Statt des Arbeitnehmeranteils zur Sozialversicherung von zurzeit 20,6 % wird die volkswirtschaftliche Sozialabgabenquote von unter 18 % für alle Beschäftigten inklusive der Beamten abgezogen.

Die monatliche Riester-Rente im Jahr 2030 wird mit 278 € brutto angegeben. Ohne die vorübergehende Senkung des ansonsten durchgehend kalkulierten Zinssatzes von 4 % in den Jahren 2015 bis 2019 wären es 285 € gewesen.

Unter Einbeziehung der Riester-Rente steigt das Versorgungsniveau vor Steuern laut Rentenversicherungsbericht 2016 auf 51,2 % (= 44,5 % Sicherungsniveau in der GRV plus 6,7 % für Riester) bzw. das Bruttoversorgungsniveau laut Alterssicherungsbericht 2016 auf 46,5 % (= 40,4 % Bruttorentenniveau in der GRV plus 6,1 % für Riester).

Die Privat-Rente aus der Wiederanlage der Steuerersparnisse für Rentenbeiträge wird im Alterssicherungsbericht auf 114 € brutto geschätzt bzw. auf 2,6 % des Bruttodurchschnittsentgelts. In keinem bisher vorgelegten Rentenversicherungsbericht wurde bisher diese Rente aus der privaten Rentenversicherung erwähnt.

Das Bruttogesamtversorgungsniveau (Bruttobeträge aus gesetzlicher Rente, Riester-Rente und Privat-Rente in Prozent des Bruttodurchschnittsentgelts) wird im Alterssicherungsbericht mit insgesamt 49 % angegeben (= 40,4 % lt. Nr.. 3 + 6,1 % lt. Nr. 5 + 2,6 % lt. Nr. 7). Auch dazu fehlt jeder Hinweis im Rentenversicherungsbericht.

Das Nettogesamtversorgungsniveau (Nettobeträge nach GKV/GPV-Beiträgen und nach Steuern für gesetzliche Rente, Riester-Rente und Privat-Rente in Prozent des Nettodurchschnittsentgelts) soll laut Alterssicherungsbericht 2016 72,7 % betragen und damit höher sein als das Nettorentenniveau für die gesetzliche Rente vor Inkrafttreten der großen Rentenreform im Jahr 2001. Auch darüber findet man nichts im Rentenversicherungsbericht 2016 der Bundesregierung.

Unser Kommentar: Die Bundesregierung versucht alles, um eine Kompensation der Senkung des Rentenniveaus durch zusätzliche Altersvorsorge (Riester-Rente und Privat-Rente aus PRV) mit überaus optimistischen Berechnungen (z. B. fast durchgehend 4 % Zins bei Riester-Rente und Privat-Rente) vorzuspiegeln. Gelingt das unter Einbeziehung der Riester-Rente wie im aktuellen Rentenversicherungsbericht noch nicht, muss halt die zusätzliche Privat-Rente im Alterssicherungsbericht herhalten. Es dürfte aber in ganz Deutschland keinen einzigen in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversicherten Arbeitnehmer geben, der ab 2005 jedes Jahr seine Steuerersparnis durch Abzugsfähigkeit der Rentenbeiträge (Arbeitnehmeranteil zur gesetzlichen Rentenversicherung) in eine private Rentenversicherung investiert haben würde. Ganz abgesehen von der komplizierten Ermittlung dieser Steuerersparnis (erst Arbeitnehmeranteil zur gesetzlichen Rentenversicherung ermitteln, dann den steuerlich abzugsfähigen Anteil nach § 10 EStG und dann erst unter Berücksichtigung des Grenzsteuersatzes die individuelle Steuerersparnis) wäre das angesichts der anhaltenden Niedrigzinsphase auch wirtschaftlich nicht sinnvoll.

Weitere News zum Thema

  • Keine 800 Euro Erwerbsminderungsrente

    [] Nicht jeder bleibt so gesund, dass er tatsächlich bis zur Altersrente Vollzeit arbeiten kann. Ist das der Fall, hat ein gesetzlich Rentenversicherter, sofern die gesetzlich geregelten Voraussetzungen erfüllt sind, Anspruch auf eine sogenannte Erwerbsminderungsrente. Über 1,8 Millionen Menschen haben letztes Jahr eine solche Rente bezogen. Allerdings lag die durchschnittliche Rentenhöhe selbst bei jemandem, der aufgrund eines Gesundheitsleidens überhaupt nicht mehr erwerbstätig sein kann, deutlich unter 800 Euro. mehr

  • Weniger als 570 Euro Hinterbliebenenrente im Durchschnitt

    [] Ende 2016 erhielten rund 5,7 Millionen Bürger eine gesetzliche Hinterbliebenenrente. Im Durchschnitt betrug die Rentenhöhe je Bezieher 565 Euro monatlich. Verwitwete Männer, verwaiste Kinder und junge Witwen erhielten sogar deutlich weniger. Das geht aus einer veröffentlichten Statistik der Deutschen Rentenversicherung hervor. mehr

  • Viele sehen sich von Altersarmut bedroht

    [] Fast jeder Zweite hält es laut einer Umfrage eines Versicherers für wahrscheinlich, dass er selbst im Rentenalter von Altersarmut betroffen sein wird. Doch nur wenige wissen, was sie finanziell im Alter zu erwarten haben, wie eine weitere Studie belegt. mehr

  • Sorge um die Zukunft

    [] Zwar ist die Mehrheit der Bürger mittleren Alters aktuell mit ihrer Lebenssituation zufrieden, dennoch sorgt sich jeder Zweite um seine finanzielle Einkommenssituation im Rentenalter. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV). mehr

  • Provisionen können Elterngeld erhöhen

    [] Provisionen, die der Arbeitgeber im Bemessungszeitraum vor der Geburt des Kindes zahlt, können das Elterngeld erhöhen, wenn sie als laufender Arbeitslohn gezahlt werden. Werden Provisionen hingegen als sonstige Bezüge gezahlt, erhöhen sie das Elterngeld nicht. Das hat der 10. Senat des Bundessozialgerichts am 14. Dezember 2017 in mehreren Verfahren entschieden (B 10 EG 7/17 R u. a.). mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.