Rentensteigerung um 4,5 %: Zu schön, um wahr zu sein

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Die neuesten Zahlen des Rentenversicherungsberichts führen zu fast euphorischen Schlagzeilen.

Sie lauten u.a.: Renten steigen bis 2028 um 39 Prozent oder Mehr als 4,5 Prozent Rentensteigerung in 2016.

Dahinter verbergen sich letztlich aber nur relativ optimistische Vorschaurechnungen und keine Prognosen. Bei der mittleren Lohnvariante geht der aktuelle Rentenversicherungsbericht 2014 der Bundesregierung, der heute vom Bundeskabinett verabschiedet wurde, wie in den Vorjahren von einer jährlichen Rentensteigerung von durchschnittlich 3 % im Zeitraum von 2014 bis 2028 aus.

Da das Rentenniveau aber gleichzeitig um 3,6 Prozentpunkte bis zum Jahr 2028 sinken soll, fallen die Rentensteigerungen mit durchschnittlich 2,4 % pro Jahr auf dem Papier niedriger aus. Wie immer schon, lautet die Regel: Steigen die Renten geringer als die Löhne, sinkt das Niveau der gesetzlichen Rente.

Optimisten rechnen mit 2,4 % und Realisten mit 1,4 % Rentenplus pro Jahr

Die mittlere Lohnvariante mit 3 % Steigerung pro Jahr ist aber recht optimistisch gewählt. Wenn man die untere Lohnvariante mit einem jährlichen Plus von 2 % zugrunde legt, steigen die Renten im Modell nur um durchschnittlich 1,4 % pro Jahr. Das ist eher realistisch und entspricht auch in etwa dem Mittelwert von 1 % bzw. 2 % Rentensteigerung in den Modellrechnungen der jährlichen Renteninformation.

Wenn man aber eine jährliche Erhöhung der Renten um durchschnittlich 2 % oder gar 2,4 % annimmt, wird die Enttäuschung über eine tatsächlich geringere Rentensteigerung in der Zukunft umso größer sein. Bei den in einer dpa-Meldung für 2016 angegebenen Rentensteigerung von 4,5 % handelt es sich im Übrigen um einen typischen Ausreißer in der Modellrechnung, aber keineswegs um eine einigermaßen verlässliche Rentenzusage. Sie wäre auch zu schön, um wahr zu sein.

Ernüchternder Rückblick auf die letzten 12 Jahre

Auch der Rückblick auf die Jahre 2002 bis 2014 kann Anlass sein, bei Hochrechnungen von Löhnen und Renten über ein Jahrzehnt und mehr eher vorsichtig zu sein. Laut Rentenversicherungsbericht 2002 sollten die Löhne um durchschnittlich 2,9 % pro Jahr bis auf einen Durchschnittsverdienst von monatlich 3.342 € im Jahr 2014 steigen. Tatsächlich legten die Löhne nur um durchschnittlich 1,6 % zu bei einem vorläufigen Durchschnittsverdienst von 2.883 € in 2014 laut aktuellem Rentenversicherungsbericht der Bundesregierung.

Ein ähnliches Bild bei den Renten: Statt einer durchschnittlichen Rentensteigerung von 2,7 % pro Jahr bis auf einen aktuellen Rentenwert West von 33,93 € im Jahr 2014 stiegen die Renten tatsächlich nur um jährlich 0,9 % im Durchschnitt und der wirkliche aktuelle Rentenwert West liegt ab 1.7.2014 nur bei 28,61 €, also um 16 % unter dem im Rentenversicherungsbericht 2002 angegebenen Wert.

Wie das Rentenniveau Jahr für Jahr sinkt

Allein die Schätzung des Rentenniveaus kommt in etwa hin. Das Bruttorentenniveau von 48,8 % im Jahr 2002 sollte laut damaligem Bericht bis auf 45,7 % in 2014 sinken. Tatsächlich sind es laut neuestem Bericht 44,7 %, sofern man wie vor 12 Jahren die Eck- bzw. Standardrente bei 45 Jahren Durchschnittsverdienst ins Verhältnis setzt zum aktuellen Durchschnittsentgelt.

Das Sicherungsniveau vor Steuern liegt mit 48 % in 2014 um 3,3 Prozentpunkte darüber, da bei dieser erst ab 2005 regierungsamtlich eingeführten Berechnungsweise die Eckrente nach Abzug des Beitrags zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung (also der Rentenzahlbetrag vor Steuern) in Prozent des Durchschnittsverdiensts nach Abzug des Arbeitnehmeranteils zur Sozialversicherung (also der Nettolohn vor Steuern) ausgedrückt wird.

Bis 2028 soll dieses Sicherungsniveau bis auf 44,4 % sinken, was einem Bruttorentenniveau von 41,1 % entspricht. Im Jahr 2030 soll dann das Bruttorentenniveau mit 40 % auf seinem vorläufigen Tiefpunkt angekommen sein und das Sicherungsniveau bei 43 %.

Künftige Rentensteigerungen zwischen Pessimismus und Optimismus

Es ist müßig, darüber zu streiten, ob das Glas der Rentner künftig halb voll oder halb leer sein wird. Mit Sicherheit wird es aber nicht durch andauernde Rentennullrunden bald ganz leer sein. Für einen solchen Pessimismus gibt es keinen Anlass.

Andererseits wird das Glas auch nicht so voll werden, dass es bald überläuft. Übergroßer Optimismus und Renteneuphorie sind fehl am Platz. Jährliche Rentensteigerungen von 4,7 % wie im Jahr 1991 gehören längst der Vergangenheit an. Von Rentensteigerungen mit durchschnittlich 11 % pro Jahr wie im Zeitraum von 1972 bis 1977 kann man nur noch träumen oder sich von heute noch lebenden hoch betagten Rentnern erzählen lassen, die das damals tatsächlich noch erleben durften.

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