Rentenreform: Beitragserhöhungen befürchtet

 - 

Die Rentenreform geht ihren parlamentarischen Gang. Die Mehrausgaben für höhere Mütterrenten und für vorgezogene Altersrenten könnten zu höheren Beiträgen führen, fürchten Kritiker.

Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) warnt laut Frankfurter Allgemeine Zeitung (F.A.Z.) vom 30.1.2014: "Das führt in einigen Jahren unweigerlich zu der Frage: Müssen wir deswegen die Rentenbeiträge erhöhen?" Dann stehe man wieder vor Entscheidungen wie zu Zeiten der Agenda 2010, zitiert die F.A.Z. weiter. Alles in allem sieht Schröder in der ersten Leistungsverbesserung der gesetzlichen Rente seit 20 Jahren "das falsche Signal".

Zur Finanzierung der Reformpläne hatte die neue Regierung die zu Jahresbeginn mögliche Senkung des Rentenbeitragssatzes um 0,6 Prozentpunkte auf 18,3 Prozent ausfallen lassen. Damit sicherte sie der Rentenkasse Mehreinnahmen von etwa sechs Milliarden Euro im Jahr. Auf diese Weise kann der aktuelle Beitragssatz von 18,9 Prozent voraussichtlich bis zum Jahr 2018 stabil gehalten werden. Danach geht der Beitragssatz freilich schneller nach oben als bislang prognostiziert: 2019 sieht der Entwurf von Ministerin Nahles 19,7 Prozent vor, statt wie bislang angenommen 19,1 Prozent. Im Jahr 2025 sind es nach neuer Rechnung dann schon 20,8 Prozent Beitrag vom Bruttolohn. Gemäß früheren Prognosen sollte der Rentenbeitrag im Jahr 2025 erst bei 20,3 Prozent liegen. Die vorgesehene Beitragsobergrenze von 22 Prozent im Jahr 2030 werde eingehalten, meint die Ministerin. Dafür sorge ein höherer Beitragszuschuss aus der Steuerkasse.

Keine neue Frühverrentungswelle

Auch die Arbeitgeber halten die abschlagsfreie Rente mit 63 Jahren für das falsche Signal. Für Ingo Kramer, Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), muss die jüngere Generation kräftig draufzahlen, während nur der profitiert, der heute schon älter ist. Das bedeute den Rückfall in die Frühverrentungspolitik, kritisierte Kramer. Dabei stößt sich Kramer vor allem daran, wie die Rente mit 63 Jahren finanziert werden soll. Der Entwurf muss im Gesetzgebungsverfahren zumindest korrigiert werden, sagte der BDA-Präsident laut "Versicherungs-Journal" (VJ) vom 30.1.2014. Arbeitgeberpräsident Kramer wies allerdings die Vermutung zurück, die Arbeitgeber wollten die neue Gesetzeslage zur massenweisen Frühverrentung nutzen. "Die Unternehmen in Deutschland sind aufgrund des demografischen Wandels in Zukunft noch stärker auf ältere Beschäftigte angewiesen", sagte er der F.A.Z.

Das arbeitgebernahe Kölner Institut der deutschen Wirtschaft (IW) glaubt ebenfalls nicht, dass Arbeitgeber versuchen werden, ältere Arbeitnehmer nach Erreichen des 61. Lebensjahrs zu kündigen. Da Zeiten des Bezugs von Arbeitslosengeld I angerechnet werden, könnten die Betreffenden dann mit 63 Jahren eine volle Rente beziehen. "Ein solches Kalkül zu unterstellen, zeugt von wenig ökonomischem Sachverstand," zitiert das VJ. In Zeiten drohender Engpässe bei Fachkräften hätten die Unternehmen wohl kaum ein Interesse daran, gut ausgebildete und erfahrene Mitarbeiter vorzeitig in den Ruhestand zu schicken, erklärte das IW. Auf der anderen Seite könnte die Rente mit 63 aber eine empfindliche Lücke in die Belegschaft der Unternehmen reißen. Deshalb müsse der falsche Anreiz der Frühverrentung korrigiert werden, referiert das VJ.

Um eine neue Frühverrentungswelle zu verhindern, hat Ministerin Nahles im Begleitschreiben zu ihrem Gesetzentwurf angekündigt, "im parlamentarischen Verfahren (...) zu prüfen, ob und wie Frühverrentung durch eine verfassungskonforme Regelung verhindert werden kann". Der CDU-Abgeordnete Karl Schiewerling schlägt eine Stichtagsregelung für die Anrechnung von Arbeitslosenzeiten vor. Arbeitslosigkeit solle lediglich für die Vergangenheit angerechnet werden, also für die Zeit vor Januar 2014. Der CDU-Sozialexperte Jens Spahn regt an, Arbeitnehmer mit Anreizen zu bewegen, länger zu arbeiten: "Wer die abschlagfreie Rente ab 63 Jahren nicht nimmt, könnte in den letzten Berufsjahren von Beiträgen zur Rentenversicherung oder zur Arbeitslosenversicherung befreit werden", sagte er der "Rheinischen Post". SPD-Fraktionsvize Karl Lauterbach sieht die Möglichkeit, zunächst abzuwarten, wie sich die Neuregelung zu den Rentenabschlägen auswirke. "Wir könnten eine Regelung ins Gesetz aufnehmen, die Missbrauch ausschließt oder uns vereinbaren, erst einmal zu beobachten, ob es überhaupt zu dem befürchteten Missbrauch kommt, sagte er der "Passauer Neuen Presse".

Quellen

  • Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 30.1.2014,

  • "Versicherungs-Journal" vom 30.1.2014.

Weitere Geldtipps-News zur Rentenreform

Weitere News zum Thema

  • Hinterbliebenenrente: Die Probleme einer kurzen Ehedauer

    [] (verpd) Wenn ein Paar jahrelang unverheiratet zusammenlebt und erst dann heiratet, wenn bei einem Partner eine unheilbare Krankheit festgestellt wurde, müssen bei der Beantragung einer Hinterbliebenenrente gute Gründe vorgebracht werden, warum erst zu diesem Zeitpunkt geheiratet wurde. Gelingt dies nicht, gilt die Ein-Jahres-Frist. Dies hat der 21. Senat des Landessozialgerichts Berlin-Brandenburg in einem Urteil entschieden (Az. L 27 R 135/16). mehr

  • Die Lebenserwartung steigt weiter

    [] (verpd) Im Jahr 2017 neugeborene Jungen haben eine statistische Lebenserwartung von 84 bis fast 90 Jahren, neugeborene Mädchen von 88 bis rund 93 Jahren. Dies zeigen die kürzlich vorgelegten Modellrechnungen des Statistischen Bundesamtes (Destatis). mehr

  • Immer mehr werden ein hohes Alter erreichen

    [] (verpd) Wie die Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung vor Kurzem bekannt gaben, wird aller Voraussicht nach ein hoher Anteil der Neugeborenen, aber auch der heute 25- oder 50-Jährigen, mindestens 85 Jahre alt werden. Hält der Trend der letzten Jahrzehnte bezüglich der Lebenserwartung an, werden von jeweils aktuell 100 neugeborenen Mädchen 28 und von 100 neugeborenen Jungen sieben 100 Jahre alt oder älter. mehr

  • Durchschnittliche Altersrente unter 860 Euro

    [] (verpd) Die vor Kurzem veröffentlichte Statistik der Deutschen Rentenversicherung belegt, dass die durchschnittliche Altersrente letztes Jahr nicht einmal 860 Euro pro Monat betrug. Ein Großteil, unter anderem die Bezieher der Regelaltersrente und Frauen, bekamen im Durchschnitt sogar noch erheblich weniger. mehr

  • Hohe Skepsis beim Thema Alterseinkommen

    [] (verpd) Die meisten Bürger sind der Ansicht, dass die gesetzliche Rente alleine nicht ausreichen wird, um ihren Lebensstandard zu halten. Im Durchschnitt rechnen die Bürger damit, das sie nur knapp über die Hälfe ihres Einkommens, dass sie im Alter benötigen werden, auch tatsächlich zur Verfügung haben werden, wie aus einer jüngst veröffentlichten Umfrage hervorgeht. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.