Rentenplus bis Ende 2015 sichern

 - 

Alle, die in diesem Jahr ihren 65. Geburtstag gefeiert haben oder noch feiern werden, können drei wenig bekannte Möglichkeiten für ein Rentenplus in der gesetzlichen Rentenversicherung nutzen.

Diese drei Last-Minute-Rentenangebote richten sich also exklusiv an den Jahrgang 1950.

1) Nachzahlungsantrag nur noch bis zum 31.12.2015: Für vor dem 2.9.1950 geborene Beamte und Freiberufler

Wer als Beamter oder Freiberufler vor dem 2.9.1950 geboren ist und bisher wegen Nichterreichens der fünfjährigen Wartezeit keine Ansprüche auf eine gesetzliche Rente besitzt, kann nach § 282 Abs. 2 SGB VI bis zum 31.12.2015 noch einen Nachzahlungsantrag stellen und eine Zahlung für maximal fünf Jahre leisten. Die Höhe des einmaligen Nachzahlungsbetrages liegt zwischen 5.049 € und 67.881 €.

Bis zu 6 % im Jahr mit gesetzlicher Sofortrente

Beispiel: Die am 2.2.1950 geborene Lehrerin Renate F. aus Düsseldorf ist zum Ende des vergangenen Schuljahres, also zum 31.7.2015, in Pension gegangen. Da sie ihre Regelaltersgrenze von 65 Jahren und vier Monaten am 1.6.2015 erreicht hatte und immer nur als Beamtin beschäftigt war, zahlte sie 30.000 € auf einen Schlag in die gesetzliche Rentenversicherung ein. Ab 1.7.2015 erhält sie eine gesetzliche Sofortrente von monatlich 143,63 € inklusive 7,3 % Zuschuss zu ihrer privaten Krankenversicherung.

Das sind rund 1.724 € im Jahr und damit 5,75 % des Nachzahlungsbetrags von 30.000 €. Bei einer geschätzten Rentenerhöhung um 4 % ab 1.7.2016 steigt ihre monatliche Rente bereits auf 149,38 € und ihr jährlicher Rentensatz auf knapp 6 %. Eine solch hohe Rente kann keine private Sofortrente bieten.

Erfreulicherweise wird auch ihre Pension nicht gekürzt, da die gesetzliche Rente aus freiwilligen Beiträgen stammt. Also handelt es sich um ein ungekürztes Rentenplus zu ihrer Pension. Allerdings muss sie die gesetzliche Rente zu 70 % versteuern.

Dieses reale Beispiel ähnelt dem Praxisfall der Zahnärztin Elisabeth R., wie er in Geldtipps vom 19.10.2015 beschrieben wurde. Die am 28.4.1950 geborene Zahnärztin erhält ab 1.9.2015 eine monatliche gesetzliche Rente von 287,33 €, da sie den im Vergleich zur Lehrerin Renate F. doppelten Nachzahlungsbetrag geleistet hatte und sich daher auch über ein doppelt so hohe Rentenplus freuen kann.

Auch in 1949, 1948 oder 1947 geborene Beamte und Freiberufler können noch einen Nachzahlungsbetrag gem. § 282 Abs. 2 SGB VI leisten. Sie müssen sich aber beeilen, da der Antrag bis zum 31.12.2015 bei der Deutschen Rentenversicherung gestellt werden muss. Mit der Antragstellung sollte man besser nicht bis zum Dezember warten.

2) Ausgleichsbetrag vor Erreichen der Regelaltersgrenze: Für in 1950 geborene Frührentner mit Rentenabschlag

Wer bereits eine Altersrente mit Rentenabschlag bezieht oder eine solche künftig beziehen wird, kann diese durch Zahlung eines Ausgleichsbetrages nach § 187a SGB VI bis zum Erreichen der Regelaltersgrenze abkaufen. Er muss den Ausgleichsbetrag also noch nicht bei Rentenbeginn mit beispielsweise 63 Jahren gezahlt haben, sondern kann dies auch noch bis kurz vor Erreichen der Regelaltersgrenze (zum Beispiel 65 Jahre und vier Monate beim Jahrgang 1950) tun.

Bis zu 5 % im Jahr mit gesetzlicher Sofortrente

Beispiel: Der am 15.10.1950 geborene Frührentner Heinz D. ist am 1.11.2013 mit 63 Jahren nach einer Beitragsdauer von knapp 40 Jahren in Rente gegangen. Von der gesetzlichen Rente in Höhe von aktuell 1.877,74 € geht ein Rentenabschlag von monatlich 157,73 € bzw. 8,4 % ab, so dass ihm 1.720,01 € brutto oder nach Abzug der Beiträge zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung noch 1.539,41 € vor Steuern verbleiben.

Durch seine zum 65. Geburtstag fällige Kapital-Lebensversicherung hat er eine Ablaufleistung von rund 48.000 € erhalten. Diese möchte er nun teilweise in die gesetzliche Rentenversicherung investieren, um den Rentenabschlag in Höhe von monatlich 157,73 € brutto bzw. 141,17 € nach Abzug von 10,5 % Beitrag zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung komplett auszugleichen. Da er erst zum 14.2.2016 die Regelaltersgrenze von 65 Jahren und 4 Monaten erreicht, ist ihm das nach § 187a Abs. 1 Satz 1 SGB VI erlaubt.

Will er den Ausgleichsbetrag zum 1.12.2015 zahlen, werden ihm 5,4 Entgeltpunkte und damit 157,73 € (= 5,4 x aktueller Rentenwert 29,21 € im Westen) nachträglich gutgeschrieben. Heinz D. muss dann mit 35.663 € rechnen, sofern nur ein Rentenabschlag von 0,9 % für die bis zum Erreichen der Regelaltersgrenze noch fehlenden drei Monate berücksichtigt werden. Beharrt die Deutsche Rentenversicherung jedoch auf dem Ansatz des bei Rentenbeginn am 1.11.2013 ermittelten Abschlagssatzes von 8,4 % und dem daraus ermittelten Zugangsfaktor von nur 0,916, wäre ein Ausgleichsbetrag von 38.583 € fällig.

Stellen Sie bei der Deutschen Rentenversicherung zunächst einen Antrag auf Ausgleich des Rentenabschlags und verlangen Sie eine Probeberechnung. Lassen die die Höhe des Ausgleichsbetrages von einem Rentenberater prüfen und zahlen Sie nach Prüfung den berechneten Ausgleichsbetrag innerhalb der Zahlungsfrist von drei Monaten.

Aus rentenrechtlicher Sicht kommt es ganz entscheidend darauf an, ob bei der Berechnung des Ausgleichsbetrages der Rentenabschlag bzw. Zugangsfaktor zum Rentenbeginn oder zum Zeitpunkt der Zahlung des Ausgleichsbetrages zugrunde gelegt wird. Im vorliegenden Fall macht der rechnerische Unterschied beim Ausgleichsbetrag immerhin knapp 3.000 € mehr oder weniger aus.

3) Rentenwegfall vor Erreichen der Regelaltersgrenze: Für Rentner mit Rentenabschlag trotz erreichter 45 Beitragsjahre

Verständlicherweise fühlen sich viele Frührentner, die nach 45 Beitragsjahren und vor dem 1.7.2014 mit Rentenabschlag in Rente gegangen sind, gegenüber den Neurentnern ab 1.7.2014 mit einer abschlagsfreien Rente nach 45 Jahren benachteiligt. Rückwirkend wird ihnen der Rentenabschlag aber nicht automatisch erlassen, da das Stichtagsprinzip gilt. Das Sozialgericht Dortmund hat am 12.6.2015 eine entsprechende Klage einer Rentnerin, die am 1.5.2013 nach 45 Beitragsjahren mit einem Rentenabschlag von 5,7 % in Rente ging, abgewiesen (Az. S 61 R 108/15). Nun entscheidet das Landessozialgericht in NRW (Az. L 3 R 580/15).

In Baden-Württemberg ist eine in 1949 geborene Frührentnerin mit Rentenabschlag schon gescheitert. Das Sozialgericht Mannheim hat ihre Klage abgewiesen (Az. SG L 2856/14), was vom Landessozialgericht Baden-Württemberg am 21.5.2015 bestätigt wurde (Az. L 7 R 5354/15). Von einer Zulassung einer Revision oder einer eventuellen Nichtzulassungsbeschwerde ist nichts bekannt. Die Hoffnung, dass Bundessozialgericht oder gar Bundesverfassungsgericht im Falle einer Revision bzw. einer Verfassungsbeschwerde anders entscheiden sollten als die Landessozialgerichte, ist praktisch Null.

Bereits nach neun Monaten im Plus

Doch es gibt auch für im Jahr 1950 geborene und bereits in 2013 mit 63 bzw. in 2012 mit 62 nach 45 Beitragsjahren in den Ruhestand gegangene Frührentner noch ein ganz legales Schlupfloch, um von der bisher abschlagspflichtigen Rente mit 63 bzw. 62 Jahren zur abschlagsfreien Rente mit 63 zu wechseln.

Und das geht so: Sie müssen für mindestens einen Monat einen Wegfall der bisherigen abschlagspflichtigen Rente durch Überschreiten der für eine Drittelrente zulässigen Hinzuverdienstgrenze (75 % des durchschnittlichen Bruttogehalts aus den letzen drei Jahren vor Rentenbeginn) herbeiführen. Dieser Rentenwegfall erlaubt nach § 77 Abs. 3 SGB VI den Abbau des Rentenabschlags bis auf 0 % bzw. die Erhöhung des Zugangsfaktors auf dann 1,0.

Hierzu das Beispiel des im März 1950 geborenen Frührentners Bernd C., der seinen Originalfall der Redaktion von Geldtipps online vorgelegt hat. Dieser Frührentner ging nach Altersteilzeit am 1.4.2012 mit 62 Jahren und einem Rentenabschlag von 10,8 % in Rente. Zu diesem Zeitpunkt hatte er bereits 47 Beitragsjahre hinter sich, war also bereits seit seinem 15. Lebensjahr pflichtversichert in der gesetzlichen Rentenversicherung.

Im September 2014 verdient er als freiberuflich tätiger Rentner durch Vorträge und Gutachten so viel, dass die Honorare seine für eine Drittelrente zulässige Höchstverdienstgrenze überschreiten. Als Konsequenz streicht ihm die gesetzliche Rentenversicherung seine gesetzliche Rente und es kommt zum geplanten Rentenwegfall.

Ab Oktober 2014 wird ihm nun die neue abschlagsfreie Rente ab 63 bewilligt, da er mehr als 45 Beitragsjahre nachweisen kann. Der Rentenabschlag von 10,8 % der bisherigen Bruttorente entfällt ab diesem Zeitpunkt. Bereits nach neun Monaten liegt das Rentenplus von insgesamt 97,2 % deutlich über den 89,2 % der Bruttorente, auf die er im September 2014 wegen Rentenwegfalls verzichtet hat.

Somit handelt es sich um einen doppelten Wegfall. Erst fällt die Rente weg mit der Folge, dass es zunächst zu einem finanziellen Verlust kommt. Anschließend fällt aber auch der Rentenabschlag weg, was zu einem finanziellen Gewinn und damit zu einer besonders guten Nachricht führt. Bereits seit Juni 2015 kann Bernd C. also behaupten, dass sich sein legaler Trick mit dem Rentenwegfall für ihn unterm Strich finanziell gelohnt hat.

Weitere geldwerte Tipps zur Altersvorsorge ab 50 Jahren lesen Sie in unserem aktuellen Ratgeber So schließen Sie Ihre Rentenlücke.

Weitere News zum Thema

  • Immer häufiger führt eine Erwerbsminderung zur Armut

    [] (verpd) Nach den aktuellen Daten der Gesundheits-Berichterstattung des Bundes waren noch nie so viele Bürger aufgrund einer Erwerbsminderung auf eine Grundsicherung angewiesen. Auch benötigen immer mehr Personen, die zwar aufgrund ihrer Erwerbsminderung eine gesetzliche Rente bekommen, eine Grundsicherung, damit sie ihren Lebensunterhalt bestreiten können. mehr

  • Was es mit dem Sterbevierteljahr auf sich hat

    [] (verpd) Stirbt ein Ehepartner, hat das für den Hinterbliebenen oft auch finanzielle Auswirkungen. Mit dem sogenannten Sterbevierteljahr will die gesetzliche Rentenversicherung dem hinterbliebenen Ehepartner den Übergang zu den geänderten finanziellen Verhältnissen erleichtern. Die Witwe oder der Witwer erhält dazu drei Monate lang eine höhere Hinterbliebenenrente ausbezahlt, als die gesetzliche Witwen- oder Witwerrente tatsächlich ist. Dazu müssen jedoch bestimmte Kriterien erfüllt sein. mehr

  • Damit die Rente kein Ratespiel wird

    [] (verpd) Nur wenige Bundesbürger im erwerbsfähigen Alter haben eine klare Vorstellung davon, welche gesetzliche Altersrente ihnen später zur Verfügung stehen wird. Dagegen sind sich viele nicht sicher, ob ihr Alterseinkommen auch tatsächlich ausreicht, um ihren Lebensstandard zu halten, so die Ergebnisse einer aktuellen Umfrage. mehr

  • Wann für die Altersrente Einkommensteuer zu zahlen ist

    [] (verpd) Grundsätzlich müssen auch Rentner eine Einkommensteuer entrichten, wenn ihre Renteneinkünfte zusammen mit möglichen sonstige Einkommen, zum Beispiel aus Vermietungen oder Kapitaleinkünften, über einem bestimmten Betrag liegen. Eine kostenlose Broschüre der Deutschen Rentenversicherung erklärt die Details zur Steuerpflicht für Rentner. mehr

  • Gesetzliche Rentenversicherung für freiwillige Beiträge geöffnet

    [] Die zum Jahresbeginn neu eingeführte Flexi-Rente enthält noch mehr Möglichkeiten, als zunächst von der Öffentlichkeit wahrgenommen wurde. So können nun die Bezieher einer vorgezogenen Altersrente erstmals freiwillige Beiträge in die gesetzliche Rentenkasse zahlen und so ihre Rentenhöhe steigern. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.