Rentenabschlag durch Ausgleichsbetrag abkaufen?

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Sie können etwaige Rentenabschläge wegen vorzeitigen Renteneintritts vermeiden, indem Sie die Rentenminderung durch eine Einmalzahlung ausgleichen. Lesen Sie hier, in welchen Fällen sich das lohnt.

Sie werden in diesem Jahr 63 Jahre alt und möchten mit 63 in Rente gehen, müssen aber wegen nicht erreichter 45 Versicherungsjahre einen Rentenabschlag von 9 % in Kauf nehmen? Bevor Sie Ihre Kollegen beneiden, die nach 45 Versicherungsjahren abschlagsfrei mit 63 Jahren in Rente gehen können, lohnt sich vielleicht eine andere Überlegung.

35 bis 42 Versicherungsjahre und doch abschlagsfrei in Rente mit 63 Jahren?

Was auf den ersten Blick gar nicht möglich zu sein scheint, geht über den Umweg des § 187a SGB VI doch noch. Danach können Sie den Rentenabschlag von 9 % in diesem Jahr durch Zahlung eines einmaligen Ausgleichsbetrags abkaufen.

Beispiel: Sie haben bis zum vollendeten 63. Lebensjahr insgesamt 36 Beitragsjahre (Pflichtbeiträge oder freiwillige Beiträge) in der gesetzlichen Rentenversicherung hinter sich gebracht und damit die Wartezeit von 35 Jahren für die vorgezogene Altersrente mit 63 erfüllt.

Da Sie überdurchschnittlich viel verdient haben, kommen Sie bis zum vollendeten 63. Lebensjahr auf 54 Entgeltpunkte bzw. 1,5 Entgeltpunkte im Durchschnitt der 36 Beitragsjahre. Das heißt, Ihr Verdienst lag im langjährigen Durchschnitt genau 50 % über dem Durchschnittsentgelt aller gesetzlich rentenversicherten Arbeitnehmer.

Ohne Abschlag läge Ihre gesetzliche Rente bei 1.577 € brutto im Westen (= 54 Entgeltpunkte x 29,21 € aktueller Rentenwert). Der Rentenabschlag von 142 € gleich 9 % von 1.577 € ärgert Sie jedoch.

Diesen Ärger können Sie mit der Zahlung eines Ausgleichsbetrags von 35.000 € aus der Welt schaffen. Das könnte Sinn machen, wenn sind Sie mit 63 Jahren noch vollauf gesund sind und wenn Sie dieses Geld auf der hohen Kante haben, weil beispielsweise gerade eine Kapitallebensversicherung fällig wurde.

Lohnt es sich aber auch finanziell, eine lebenslange zusätzliche Rente von garantiert 142 € pro Monat für einen Einmalbeitrag von 35.000 € zu kaufen?

Wenn Sie noch eine statistische Lebenserwartung von 22 Jahren haben und somit 85 Jahre alt werden, lautet die Antwort: Ja. Ihre garantierte Rentensumme liegt bei rund 37.500 €. Sofern Sie mit einer jährlichen Rentensteigerung von 1 % rechnen, werden es bereits 41.900 € sein und bei durchschnittlich 2 % pro Jahr mehr sogar 47.000 €.

Ganz wichtig: Keine private Rentenversicherung kann Ihnen bei Zahlung eines Einmalbeitrags von 35.000 € eine monatliche Sofortrente von 142 € garantieren. Bei dem besonders kostengünstigen Direktversicherer Europa wären es 125 € ohne Hinterbliebenenabsicherung bzw. 111 € mit Absicherung des hinterbliebenen Ehegatten im Todesfall. Die mit der gesetzlichen Rente vergleichbare Rürup-Rente inklusive Hinterbliebenenabsicherung von höchstens 111 € pro Monat liegt damit um 22 % niedriger im Vergleich zur gesetzlichen Rente.

Mehr als diese 125 bzw. 111 € werden Sie von keinem anderen deutschen Versicherer bekommen – egal, ob Sie sich für die Privat-Rente aus der privaten Rentenversicherung oder für die klassische Rürup-Rente entscheiden. Eins steht unverrückbar fest: Die garantierte gesetzliche Sofortrente schlägt jede andere private und kapitalgedeckte Sofortrente. Wenn Sie also 35.000 € flüssig haben und diese Summe verrenten wollen, dann am besten über die gesetzliche Rentenversicherung. Sie kaufen damit den Rentenabschlag ab und beziehen über den Umweg des Ausgleichsbetrags auch mit 63 Jahren eine abschlagsfreie Rente.

Auch für gesetzlich krankenversicherte Rentner lohnt es sich

Wenn Sie privat krankenversichert sind, können Sie sich noch über einen Zuschuss von 7,3 % der Bruttorente zu Ihrer privaten Krankenversicherung freuen. Ihr garantiertes Rentenplus steigt dann auf rund 152 € pro Monat.

Gesetzlich krankenversicherten Rentnern zieht die Deutsche Rentenversicherung jedoch noch einen Beitrag zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung von bis zu 18,2 % der Bruttorente ab. Nach Abzug dieses Beitrages fällt das Rentenplus auf 127 €. Das ist aber immer noch mehr im Vergleich zur Rürup-Rente inklusive Hinterbliebenenabsicherung von 111 €.

Die gesetzliche Rente schneidet auch künftig besser ab im Vergleich zur Rürup-Rente, sofern die jährlichen Rentensteigerungen in der gesetzlichen Rentenversicherung höher ausfallen im Vergleich zu den jährlichen Steigerungen bei der volldynamischen Rürup-Rente. In der Rentenzukunft des heute 63-Jährigen kommt es also darauf an, ob sich die Lohnzuwächse stärker auswirken als die eventuell wieder ansteigenden Zinsen.

Angesichts der anhaltenden Niedrigzinsphase bestehen erhebliche Zweifel, ob die Privat-Rente oder Rürup-Rente künftig gegenüber der gesetzlichen Rente Punkte gut machen können. Auf einem Presseseminar der Deutschen Rentenversicherung am 15.7.2015 hieß es dazu unmissverständlich: Im Niedrigzinsumfeld erscheinen zusätzliche Beitragszahlungen in die gesetzliche Rentenversicherung – im Vergleich zur kapitalgedeckten Altersvorsorge – grundsätzlich attraktiv.

Ausgleichsbetrag als komplizierter Weg zur abschlagsfreien Rente mit 63

Der Weg zur abschlagsfreien Rente mit 63 über den Ausgleichsbetrag ist völlig legal und in § 187a SGB VI (Zahlung von Beiträgen bei vorzeitiger Inanspruchnahme einer Rente wegen Alters) genau beschrieben, allerdings in dem unvermeidlichen, für Laien meist unverständlichen Juristendeutsch. Sie müssen aber nicht jede Formulierung in diesem Paragrafen und auch nicht die Formel zur Berechnung des Ausgleichsbetrags verstehen (mehr dazu für Wissbegierige ganz am Ende).

Relativ problemlos geht es über den etwas komplizierten Weg: Füllen Sie das amtliche vierseitige Formular V 2010 Antrag auf Auskunft über die Höhe der Beitragszahlung zum Ausgleich einer Rentenminderung bei vorzeitiger Inanspruchnahme einer Rente wegen Alters aus (für diese Formulierung im besten Bürokratendeutsch – auf, über, zum und bei – gibt es ganz gewiss keinen Schönheitspreis). Lassen Sie sich dann den Ausgleichsbetrag von der Deutschen Rentenversicherung ausrechnen. Erst nach Erhalt dieser Berechnung entscheiden Sie, ob Sie den Ausgleichsbetrag zahlen oder nicht. Vorteil: Sie gehen mit dieser bürokratisch anmutenden Methode überhaupt kein Risiko ein. Erst mit Zahlung des Ausgleichsbetrags haben Sie Ihre endgültige Entscheidung getroffen. Selbstverständlich ist das ganze Verfahren gebührenfrei.

Für Wissbegierige: Berechungsformel für Ausgleichsbetrag

Die Deutsche Rentenversicherung gibt selbst folgende Berechnungsformel bekannt:

Ausgleichsbetrag = (Minderung der persönlichen Entgeltpunkte x Durchschnittsentgelt x Beitragssatz) : Zugangsfaktor

Dabei wird die Minderung der persönlichen Entgeltpunkte durch die Multiplikation der erreichten Entgeltpunkte mit dem Rentenabschlag berücksichtigt. Für die Zahlung eines Ausgleichsbetrags im Jahr 2015 mit einem Rentenabschlag von 9 % für die Rente mit 63 ergibt sich dann beispielsweise folgende Berechnungsformel:

Ausgleichsbetrag = (erreichte Entgeltpunkte x 0,09 x 34.999 € x 0,187) : 0,91 = (erreichte Entgeltpunkte x 589 €) : 0,91

Hierzu das Ausgangsbeispiel für 54 Entgeltpunkte:

Ausgleichsbetrag = (54 x 589 €) : 0,91 = 31.806 € : 0,91 = 34.952 € oder aufgerundet 35.000 €

Weitere geldwerte Tipps lesen Sie in unserem Dossier Die gesetzliche Rentenversicherung: So lohnend sind freiwillige Beiträge

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