Renten- und Steuersparhit für Beamte

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Freiwillige Rentenbeiträge bringen eine gesetzliche Rente und eine hohe Steuerersparnis.

Kaum bekannt, aber höchst attraktiv: Beamte können seit einer Rechtsänderung vom 11.8.2010 ebenso freiwillige Beiträge zur gesetzlichen Rente leisten wie Freiberufler und nicht pflichtversicherte Selbstständige. Das geht auch, wenn sie bisher überhaupt noch keine Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt haben.

Steigende Anzahl von freiwillig Versicherten seit 2014

Offensichtlich nutzen angesichts der anhaltenden Niedrigzinsphase und dem Comeback der gesetzlichen Rente immer mehr Beamte und Freiberufler die Möglichkeit, sich nach § 7 Abs. 1 SGB VI freiwillig zu versichern. Im Jahr 2014 waren es immerhin 340.400 und damit 26 Prozent mehr im Vergleich zum Vorjahr.

Damit ist die Zahl der in der gesetzlichen Rentenversicherung freiwillig Versicherten zum ersten Mal seit einem jahrzehntelangen Rückgang wieder gestiegen. Und es ist davon auszugehen, dass die Zahl in 2015 und 2016 weiter deutlich steigen wird.

Unter den 340.400 freiwillig Versicherten waren insgesamt 2.783 Höchstbeitragszahler, die also den damaligen Höchstbeitrag von 13.949,60 € gezahlt haben.

1.074 Höchstbeitragszahler waren im Alter von 60 bis 64 Jahren, darunter 779 Männer und 295 Frauen.

Monatliche Zusatzrente von 370 € für einen heute 61-jährigen Beamten

Das Musterbeispiel für einen am 1.4.1955 geborenen Beamten, der vor einigen Tagen seinen 61. Geburtstag gefeiert hat und als Lediger auf ein Jahresbruttogehalt von rund 47.000 € im Jahr 2016 kommen wird, verdeutlicht die Attraktivität einer freiwilligen Versicherung zum Höchstbeitrag.

Da dieser heute 61-jährige Beamte vorher überhaupt nicht in der gesetzlichen Rentenversicherung versichert war, muss er nun fünf Jahresbeiträge einzahlen, damit ab dem 1.1.2021 seine Regelaltersrente bekommt. Ansprüche auf eine gesetzliche Rente entstehen bekanntlich nur nach Erfüllung der allgemeinen Wartezeit von fünf Jahren.

Er zahlt also beispielsweise für die Jahre 2016 bis einschließlich 2020 immer den jeweiligen Höchstbeitrag ein. Im Jahr 2016 sind dies 13.576,20 € und in den folgenden vier Jahren zusammen noch 59.802,60 €, sofern sich die Beitragsbemessungsgrenzen in der gesetzlichen Rentenversicherung West und die Gesamtbeitragssätze so entwickeln wie im Rentenversicherungsbericht der Bundesregierung von November 2015 vorausgesagt.

Insgesamt zahlt er also 73.378,80 € freiwillig in die gesetzliche Rentenversicherung West ein. Dafür erhält er 10,2426 Entgeltpunkte und bei einem aktuellen Rentenwert von 33,70 € ab 1.1.2021 eine monatliche gesetzliche Rente von 345,18 €, die sich durch einen Zuschuss in Höhe von 7,3 Prozent zu seiner privaten Krankenversicherung auf insgesamt 370,38 € pro Monat erhöht.

Bereits die erste volle Jahresrente macht über 6 Prozent der Beitragssumme von 73.378,80 € aus. Das kann eine Rürup-Rente bei gleich hohen Beitragszahlungen nicht bieten. Selbst kostengünstige Direktversicherer wie Hannoversche Leben oder Europa Leben können da bei weitem nicht mithalten.

Der Einwand, auch die gesetzliche Rente aus freiwilligen Beiträgen müsse auf die Beamtenpension angerechnet werden, ist falsch. Die Beamtenversorgungsgesetze sehen eine Anrechnung in ganz bestimmten Fällen nur bei der auf Pflichtbeiträgen beruhenden gesetzlichen Rente vor.

Da nahezu jeder Beamte privat krankenversichert ist, kann er auch vom Zuschuss in Höhe von 7,3 % der gesetzlichen Rente profitieren. Die Steuerregeln für gesetzliche Rente und Rürup-Rente sind identisch. Daher erhält er bei gleich hohen Beitragszahlungen auch eine identische Steuerersparnis.

Attraktive Steuerersparnis bei Beachtung aller Steuerregeln

Nach § 10 Abs. 3 Satz 1 EStG können Ledige im Jahr 2016 grundsätzlich bis zu 22.766,40 € steuerlich geltend machen, wovon dann 82 Prozent steuerlich abzugsfähig sind. Die steuerlich geförderten Altersvorsorgeaufwendungen von 22.766,40 € entsprechen dem Höchstbeitrag in der knappschaftlichen Rentenversicherung, wo die Beitragsbemessungsgrenze bei 92.800 € und der Gesamtbeitragssatz bei 24,8 Prozent im Jahr 2016 liegt.

Bei Beamten gibt es aber eine wichtige steuerliche Besonderheit. Nach § 10 Abs 3 Satz 3 Nr. 1 Buchst. a EStG wird der Höchstbeitrag von 22.766,40 € gekürzt um den fiktiven Gesamtbeitrag, den ein Beamter von seinem Jahresbruttogehalt zu zahlen hätte.

Im Musterbeispiel mit einem Jahresbruttogehalt von 47.000 € wären das bei einem Beitragssatz von 18,7 Prozent also 8.789 €, die von 22.766,40 € abzuziehen sind. Da nach Abzug noch 13.977,40 € verbleiben und dieser steuerlich relevante Restbetrag noch über dem Höchstbeitrag von 13.576,20 € in der gesetzlichen Rentenversicherung West liegt, ist steuerlich soweit alles okay.

Bei einem steuerlich abzugsfähigen Betrag von 11.132,48 € gleich 82 Prozent des Höchstbeitrags von 13.576,20 € und einem Grenzsteuersatz von 37 Prozent inklusive Solidaritätszuschlag läge die Steuerersparnis im Jahr 2016 bei immerhin 4.129 €.

In den folgenden vier Jahren wird die jährliche Steuerersparnis infolge der steigenden Höchstbeiträge gemäß § 10 Abs. 3 Satz 1 EStG und der bis auf 90 Prozent steigenden abzugsfähigen Sätze weiter steigen. Insgesamt ist mit einer Steuerersparnis von rund 23.400 € zu rechnen, wenn in jedem Jahr der Höchstbeitrag eingezahlt wird. Der Gesamtbeitrag nach Steuern sinkt dann auf rund 50.000 €.

Vorsicht, Steuerfalle bei höher verdienenden Beamten

Aufpassen müssen jedoch Beamte, deren Jahresbruttogehalt die Beitragsbemessungsgrenze in der gesetzlichen Rentenversicherung Ost übersteigt. Laut BMF-Schreiben vom 19.8.2013 ist diese Grenze von beispielsweise 64.800 € in 2016 aus Vereinfachungsgründen auch für West-Beamte zugrunde zu legen.

Der fiktive Höchstbeitrag in der gesetzlichen Rentenversicherung Ost läge dann bei 12.117,60 €, der dann wiederum vom Höchstbeitrag in Höhe von 22.766,40 € nach § 10 Abs. 3 Satz 1 EStG abzuziehen wäre. Nach Abzug verbleiben dem ledigen West-Beamten mit Höherverdienst nur förderfähige Altersvorsorgeaufwendungen von 10.648,80 €. Wenn dieser aber dennoch den Höchstbeitrag von 13.576,20 € freiwillig in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen würde, fielen fast 3.000 € steuerlich unter den Tisch.

Unser Tipp für Beamte

Konfrontieren Sie nicht die Berater der Deutschen Rentenversicherung mit dieser speziellen Steuertechnik. Fast allen dort tätigen Rentenberatern ist der fiktive Abzug von 18,7 Prozent des Jahresbruttogehalts (maximal 18,7 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze Ost) gar nicht bekannt. Sie haben nach eigenem Bekunden davon noch nie gehört.

Fragen Sie besser einen Steuerberater, der sich in den Fallstricken des § 10 Abs. 3 EStG genauestens auskennt. Es soll jedoch sogar vereinzelt Steuerberater geben, die angesichts der Fülle von zu beachtenden Höchstbeiträgen bei West-Beamten (in Abhängigkeit von der Beitragsbemessungsgrenze West, der Beitragsbemessungsgrenze Ost in der allgemeinen gesetzlichen Rentenversicherung sowie der Beitragsbemessungsgrenze in der knappschaftlichen Rentenversicherung) schier verzweifeln.

Der Gesetzgeber und die Ministerialbeamten im Bundesfinanzministerium verdienen für diese von ihnen ausgetüfelte Kompliziertheit ganz gewiss keinen Schönheitspreis.

Weitere wertvolle Expertentipps zu allen fünf Formen der staatlich geförderten Altersvorsorge lesen Sie in unserem aktuellen Ratgeber So schließen Sie Ihre Rentenlücke .

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