Renten-Reform 2014: Wer profitiert? Was ist zu tun?

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Seit heute gelten die drei Kernelemente des Rentenpakets: Rente ab 63, Mütterrente und erhöhte Erwerbsminderungsrente.

1) Rente mit 63 Jahren nach 45 Beitragsjahren

Besonders langjährig Versicherte, die bis zum vollendeten 63. Lebensjahr bereits 45 Beitragsjahre nachweisen können, können seit dem 1.7.2014 mit 63 Jahren abschlagsfrei in Rente gehen. Tatsächlich trifft das aber nur auf die Geburtsjahrgänge 1951 und 1952 zu. Für alle jüngeren Jahrgänge erhöht sich das Zugangsalter für eine abschlagsfreie Rente stufenweise bis auf 65 Jahre ab Jahrgang 1964 (siehe folgende Tabelle).

Zugangsalter für abschlagsfreie Rente mit 63 bis 65 Jahren
nach 45 Versicherungsjahren

Geburtsjahr bzw. -monat

Zugangsalter für abschlagsfreie Rente frühestens mit ....

1951 und 1952

63 Jahren

1953

63 Jahren und 2 Monaten

1954

63 Jahren und 4 Monaten

1955

63 Jahren und 6 Monaten

1956

63 Jahren und 8 Monaten

1957

63 Jahren und 10 Monaten

1958

64 Jahren

1959

64 Jahren und 2 Monaten

1960

64 Jahren und 4 Monaten

1961

64 Jahren und 6 Monaten

1962

64 Jahren und 8 Monaten

1963

64 Jahren und 10 Monaten

ab 1964

65 Jahren

Nutzen Sie die abschlagsfreie Rente, wenn Sie zu den Jahrgängen 1951 bis 1963 gehören und als besonders langjährig Versicherte tatsächlich 45 Beitragsjahre bis zu dem in der Tabelle genannten Zugangsalter nachweisen können. Ab Jahrgang 1964 können Sie mit 65 Jahren abschlagsfrei in Rente gehen, sofern Sie 45 Beitragsjahre (inkl. max. fünf Jahre Arbeitslosigkeit) oder die Wartezeit von 45 Jahren (inkl. Berücksichtigungszeiten für Kinder bis zu zehn Jahre pro Kind, aber ohne Jahre der Arbeitslosigkeit) bis zum vollendeten 65. Lebensjahr erreichen.

Unwiderstehliches Angebot

Laut Anika Rasner, Rentenexpertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), gibt es aktuell für einen 63-Jährigen wenig Anreize, freiwillig doch bis zur Regelaltersgrenze von 65 Jahren und fünf Monaten in vollem Umfang weiterzuarbeiten, wenn er die erforderlichen 45 Beitragsjahre erfüllt hat. Zwar erhielte er für weitere zwei Jahre Gehalt, müsste aber auch voll arbeiten. Doch die zusätzlich erworbenen Rentenansprüche wären so gering, dass er die durch den zweieinhalb Jahre kürzeren Ruhestand verlorenen Rentenzahlungen fast nicht mehr aufholen könnte.

Erst wenn er mehr als 100 Jahre alt würde, bekäme er, über die restliche Lebenszeit gerechnet, nach Steuern und Sozialabgaben mehr Geld aus der Rentenkasse, als wenn er schon mit 63 Jahren abschlagsfrei in Rente gegangen wäre. Die Lebenserwartung eines 63-jährigen Mannes liegt derzeit jedoch lediglich bei 82 Jahren.

Dieses Ergebnis liegt auch an der stufenweisen Anhebung des Besteuerungsanteils für die gesetzliche Rente. Wer im Jahr 2014 mit 63 Jahren in Ruhestand geht, muss während des Ruhestands nur 68 Prozent seiner Rente versteuern, bei Rentenbeginn im Jahr 2016 mit dann 65 Jahren sind es schon 72 Prozent der Rente.

2) Höhere Mütterrente für vor 1992 geborene Kinder

Seit dem 1.7.2014 erhalten Mütter für die Erziehungsleistung ihrer vor dem 1.1.1992 geborenen Kinder pro Kind ein zusätzliches Jahr und damit einen zusätzlichen Entgeltpunkt im Wert von aktuell 28,61 € angerechnet (Ostdeutschland 26,39 €). Diese Neuregelung gilt auch für Mütter, die bereits in Rente sind. Auch Väter, die ausnahmsweise für vor 1992 geborene Kinder bisher Kindererziehungszeiten von nur einem Jahr bzw. einem Entgeltpunkt anerkannt bekamen, profitieren davon.

Dadurch erhöht sich die bisherige gesetzliche Rente bzw. der künftige Rentenanspruch beispielsweise bei zwei vor 1992 geborenen Kindern um monatlich 57,22 € (Ostdeutschland 52,78 €).

Mütter (gegebenenfalls auch Väter), bei denen Kindererziehungszeiten für vor 1992 geborene Kinder bereits im Versicherungsverlauf berücksichtigt wurden, müssen vorerst nichts unternehmen. Rentnerinnen sollten aber bei der Rentenanpassungsmitteilung zum 1.7.2014 überprüfen, ob die höhere Mütterrente tatsächlich berücksichtigt wurde. Mütter mit vor 1992 geborenen Kindern, die noch nicht in Rente sind, sollten entsprechend die Renteninformation bzw. die Rentenauskunft daraufhin überprüfen.

Viele Mütter erhalten erstmals einen Rentenanspruch

Mehr als neun Millionen Mütter profitieren von der Rentenreform 2014. Frauen mit zwei vor 1992 geborenen Kindern bekommen künftig vier statt bisher zwei Jahre Erziehungszeit für die Rente gutgeschrieben. Bei den meisten Müttern kommt die Rentenerhöhung automatisch - sie brauchen also nichts dafür zu tun. Viele andere müssen selbst aktiv werden, um sich ihren Rentenanspruch zu sichern, denn für eine Altersrente ist eine Mindestversicherungszeit von fünf Jahren erforderlich. Diese fünf Jahre bekommen jedoch Frauen, die nie oder nur kurze Zeit sozialversicherungspflichtig gearbeitet haben, nicht immer zusammen. Müttern mit zwei Kindern fehlt immer noch ein Jahr, damit der Rentenanspruch aus der »Mütterrente« auch ausgezahlt wird, wenn sie sonst keine Zeiten für die Rente vorweisen können. In diesem Fall lohnt es sich, für das fehlende Rentenjahr freiwillige Rentenbeiträge einzuzahlen, und zwar zwölf Monate lang jeweils 85,05 € oder einmalig 1.020,60 €. Damit sichern sich künftige Rentnerinnen gemäß dem aktuellen Rentenwert eine monatliche Rente in Höhe von 131,95 € im Osten bzw. 143,05 € im Westen. Diese Investition rentiert sich bereits ab dem siebten Monat des Rentenbezugs. Günstiger kommt man selten zu einer Rente.

Auch geschiedene Väter profitieren

Für geschiedene Väter könnte das Rentenplus durch die Mütterrente bei der Ex-Ehefrau zu einer Verringerung der eigenen Belastung durch den Versorgungsausgleich führen. Zum Zeitpunkt der Ehescheidung konnte das Familiengericht schließlich nur die damalige Rechtslage im Rentenrecht berücksichtigen.

Da kein Familienrichter weiß, ob sich später die Ansprüche der geschiedenen Ex-Eheleute aufgrund von Rechtsänderungen verringern werden, sieht das Familienrecht die Möglichkeit einer Abänderung des Versorgungsausgleichs vor, von der geschiedene Väter ab Juli 2014 in Einzelfällen profitieren können (wenn der Gesetzentwurf in der vorliegenden Form bis dahin verabschiedet wird und in Kraft tritt). Bei Ehescheidungen vor dem 1.7.2014 wurde für Kinder, die vor dem 1.1.1992 geboren wurden, nur ein Jahr Kindererziehungszeit angerechnet. Diese führten beim ausgleichsverpflichteten Ehemann dazu, dass er entsprechend Rentenanteile im Versorgungsausgleich abgeben musste. Würde die gleiche Ehe aber nach dem 30.6.2014 geschieden, würden bei der Ex-Ehefrau aufgrund der angekündigten Rechtsänderung (Mütterrente) zwei Jahre für die Kinder, die vor dem 1.1.1992 erzogen wurden, gutgeschrieben. Folglich müsste der Ex-Ehegatte weniger von seiner Rente abgeben, weil ja nun seine Ex-Ehefrau mehr Rente bekommt.

Regelung bei Erwerbstätigkeit während der Kindererziehungszeit

Nun gibt es Eltern, die während der Erziehungsjahre gar keine Baby-Pause eingelegt haben, sondern rentenversichert weitergearbeitet haben. Auch sie erwerben durch die Kindererziehungszeit grundsätzlich zusätzliche Ansprüche bei der Rente. In der Regel bringt die neue Mütterrente auch erwerbstätigen Eltern ein deutliches Rentenplus.

Hat eine Mutter (oder ein erziehender Vater) allerdings recht hohe rentenversicherungspflichtige Einkünfte, so bringt die Kindererziehungszeit unter Umständen wenig. Das gilt allerdings bisher schon und hat überhaupt nichts mit den Neuregelungen zur sog. Mütterrente zu tun. Generell gilt nämlich bei der gesetzlichen Rentenversicherung: Es gibt eine Obergrenze für die Rentenansprüche, die in einem Jahr erworben werden können. Diese Grenze ist von Jahr zu Jahr unterschiedlich, liegt aber ungefähr bei zwei Entgeltpunkten.

Ausschlaggebend dafür ist die jeweilige Beitragsbemessungsgrenze. Diese liegt derzeit bei 71.400,00 €. 1988 lag sie in der damaligen Bundesrepublik bei 72.000,00 DM (jeweils Jahreswerte). Das Durchschnittseinkommen (West) lag damals – wie erwähnt – bei 38.896,00 DM. Wer so viel verdient hatte, bekam genau einen EP für seine Rente gutgeschrieben. Teilt man die Beitragsbemessungsgrenze durch das Durchschnittseinkommen, so kommt man auf die Entgeltpunkte, die im jeweiligen Jahr maximal für die Rente gutgeschrieben werden. Für das Jahr 1988 ergibt diese Rechnung (72.000,00 : 38.896,00 =) 1,8511 Entgeltpunkte. Mehr als diese 1,8511 EP können Versicherte für das Jahr 1988 auf ihrem Rentenkonto nicht bekommen. Alles, was darüber hinausgeht, wird gekappt.

Das bedeutet: In den eher seltenen Fällen, in denen bereits durch ein hohes Erwerbseinkommen und entsprechend hohe Rentenversicherungsbeiträge ein Wert von 1,8511 EP erzielt wurde, bringt die Mütterrente den Betroffenen keine zusätzlichen Ansprüche. Ein voller Entgeltpunkt wird Müttern z.B. für das Jahr 1988 nur dann gutgeschrieben, wenn ihr Arbeitseinkommen damals nicht höher war als 85,11 % des Durchschnittseinkommens (was dann 0,8511 EP für die Rente bringt). Dies entspricht 33.104,00 DM. In den in Westdeutschland relativ seltenen Fällen, in denen Mütter von kleinen Kindern damals mehr als 33.104,00 DM verdient haben, wird ihr Rentenanspruch durch die Kindererziehungszeit also gekappt.

Aufgrund der hohen Erwerbsquote bei Frauen in der damaligen DDR dürfte diese Kappung in den neuen Bundesländern allerdings häufiger erfolgen. Für die Ex-DDR gilt: Mütter, die 1988 nicht mehr als Ost-Mark 10.228,00 verdient haben, wird ein voller Entgeltpunkt für ein Kindererziehungsjahr gutgeschrieben. Bei höheren rentenversicherungspflichtigen Einkünften werden die Ansprüche, die sich aus der Kindererziehungszeit ergeben, gekürzt.

Fazit: Tatsächlich bringt die neue Mütterrente Frauen aus den neuen Bundesländern mitunter weniger als Müttern aus den alten Ländern. Dies gilt allerdings nur dann, wenn sie aufgrund ihrer recht hohen Erwerbseinkünfte ohnehin schon bei der Rente besserstehen. Insofern kann hier von einer Benachteiligung ostdeutscher Frauen eigentlich keine Rede sein. Es gibt auch keine generelle Anrechnung der Mütterrenten auf die Altersrenten aus Erwerbsarbeit, sondern es erfolgt eine Kappung der Rentenansprüche immer nur dann, wenn die Obergrenze erreicht ist.

3) Erhöhte Zurechnungszeit bei Erwerbsminderungsrenten

Bisher galt die Regelung, dass eine Zurechnungszeit vom Eintritt der Erwerbsminderung bis zum 60. Lebensjahr berechnet wird, sofern die Erwerbsminderung vor Erreichen der Altersgrenze von 60 Jahren eingetreten ist. Für jedes Jahr der Zurechnungszeit werden Entgeltpunkte angesetzt, die im Rahmen einer komplizierten Gesamtleistungsbewertung ermittelt und somit auf die gesetzliche Rente angerechnet werden. Vereinfacht ausgedrückt: Pro Jahr an Zurechnungszeit wird der jährliche Durchschnitt der Entgeltpunkte aus der gesamten bisherigen Versicherungsdauer zugrunde gelegt.

Ab 1.7.2014 wird die Zurechnungszeit um zwei Jahre erhöht, also bis zum 62. Lebensjahr statt zum 60. Lebensjahr wie bisher. Folge: Die Erwerbsminderungsrenten werden für alle, die vor Vollendung des 62. Lebensjahres wegen voller oder teilweiser Erwerbsminderung in Rente gehen, erhöht. Die durchschnittliche Erhöhung wird auf rund 40,00 € pro Monat geschätzt. Wer vor dem 60. Lebensjahr wegen voller Erwerbsminderung vorzeitig in Rente geht und bis dahin immer so viel verdient hat wie der Durchschnitt der Arbeitnehmer, kann mit rund 56,00 € mehr pro Monat rechnen. Durchschnittsverdiener mit einer Erwerbsminderungsrente ab dem 61. Lebensjahr erhalten monatlich 28,00 € mehr.

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