Renten-Reform 2014: Wer profitiert? Was ist neu?

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Die aktuelle Renten-Reform bringt drei wesentliche Neuerungen: Die abschlagsfreie Rente ab 63 Jahren nach einer Wartezeit von 45 Jahren, die höhere Mütterrente für Eltern von vor 1992 geborenen Kindern und die längere Zurechnungszeit für neue Erwerbsminderungsrentner.

Diese Änderungen wirken sich auch bei anderen Leistungen der gesetzlichen Rentenversicherung aus. So kann es aufgrund der nun in stärkerem Maße anerkannten Kindererziehungszeiten für manche Witwer erstmals oder mehr Hinterbliebenenrente geben. Und für ältere Arbeitnehmer, die als schwerbehindert anerkannt sind, kann es günstiger sein, die abschlagsfreie Rente ab 63 statt der eigentlich für sie vorgesehenen Schwerbehindertenrente in Anspruch zu nehmen.

Rente ab 63 Jahren nach 45jähriger Wartezeit

Versicherte, die bereits 45 Beitragsjahre oder Kinderberücksichtigungszeiten nachweisen können, haben das Recht, ab dem Monat nach ihrem 63. Geburtstag abschlagsfrei in Rente zu gehen. Sie können die renovierte Altersrente für besonders langjährig Versicherte in Anspruch nehmen. Die Altersgrenze von 63 Jahren gilt allerdings nur für die Geburtsjahrgänge 1951 und 1952. Für alle jüngeren Jahrgänge erhöht sich das Zugangsalter für eine abschlagsfreie Rente stufenweise bis auf 65 Jahre für Jahrgänge ab 1964.

Zugangsalter für abschlagsfreie Rente mit 63 bis 65 Jahren
nach 45 Versicherungsjahren

Geburtsjahr bzw. -monat

Zugangsalter für abschlagsfreie Rente frühestens mit ....

1951 und 1952

63 Jahren

1953

63 Jahren und 2 Monaten

1954

63 Jahren und 4 Monaten

1955

63 Jahren und 6 Monaten

1956

63 Jahren und 8 Monaten

1957

63 Jahren und 10 Monaten

1958

64 Jahren

1959

64 Jahren und 2 Monaten

1960

64 Jahren und 4 Monaten

1961

64 Jahren und 6 Monaten

1962

64 Jahren und 8 Monaten

1963

64 Jahren und 10 Monaten

ab 1964

65 Jahren

Doch auch für die jüngeren Jahrgänge sieht das Rentenpaket bei Altersrente für besonders langjährig Versicherte Verbesserungen vor. Generell gilt nun nämlich: Zeiten des Bezugs der Versicherungsleistung Arbeitslosengeld I zählen nun ohne zeitliche Obergrenze mit, wenn geprüft wird, ob die 45jährige Wartezeit erfüllt wird. Ausnahmen gibt es dabei lediglich für die letzten beiden Jahre vor dem Renteneintritt.

Die neue Renten-Regelung erspart denjenigen, die vorzeitig in Rente gehen, unter Umständen Rentenabschläge. Diese können sich schon für einen Durchschnittsverdiener auf monatlich 100 € belaufen. Dennoch kann es sich auszahlen, nicht mit 63 in Rente zu gehen, sondern bis zum regulären Rentenalter durchzuarbeiten. Denn jedes zusätzliche Beschäftigungsjahr bringt einem Durchschnittsverdiener immerhin knapp 30 € mehr Rente im Monat. Wer vorzeitig in Rente gehen möchte, sollte genau kalkulieren, ob er diesen Verlust verkraften kann. Zudem gibt es für zahlreiche ältere Versicherte durchaus Alternativen zur Altersrente: So haben ältere Arbeitnehmer im Grundsatz bis zum Erreichen der regulären Altersgrenze der gesetzlichen Rentenversicherung, die 2014 bei 65 Jahren und drei Monaten liegt, Anspruch auf die Versicherungsleistung Arbeitslosengeld I. Dafür müssen sich die Betroffenen allerdings dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stellen.

Höhere Mütterrente für Eltern von vor 1992 geborenen Kindern

Seit dem 1.7.2014 erhalten Mütter für ihre Erziehungsleistung ein zusätzliches Kindererziehungsjahr anerkannt. Dieses ist für die Rente genauso viel wert wie ein Beschäftigungsjahr eines Durchschnittsverdieners: 28,61 € (alte Länder) bzw. 26,39 € (neue Länder). Diese Neuregelung gilt auch für Mütter, die bereits in Rente sind. Auch Väter, die ausnahmsweise bereits nach bisher geltendem Recht Kindererziehungszeiten anerkannt bekommen haben, profitieren hiervon. Dadurch erhöht sich die bisherige Rente bzw. der künftige Rentenanspruch beispielsweise bei zwei vor 1992 geborenen Kindern um monatlich 57,22 € (neue Länder: 52,78 €). Bei Eltern, die seit Juli 2014 erstmals eine Altersrente beantragen, werden die Neuregelungen zur Mütterrente unmittelbar bei der Rentenberechnung berücksichtigt. Bestandsrenten arbeiten die Deutsche Rentenversicherung Bund bzw. die Regionalträger (ehemalige LVA) sowie die Bundesknappschaft bis spätestens November 2014 ab.

Rentenbezieher, die bislang (nach dem Rechtsstand vor Juli 2014) bereits ein Kindererziehungsjahr anerkannt bekommen haben, müssen spätestens bis Dezember 2014 einen Bescheid über eine Rentenerhöhung erhalten. Wer dann noch keine Post von der Rentenversicherung bekommen hat, sollte umgehend einen Termin bei einer Auskunfts- und Beratungsstelle der Deutschen Rentenversicherung vereinbaren.

Unmittelbarer Handlungsbedarf besteht für alle erziehenden Elternteile (also meist Mütter), die bislang noch gar keine Altersrente erhalten haben, weil sie die für eine Altersrente erforderliche Mindestversicherungszeit von fünf Jahren nicht erfüllt haben. Diese fünf Jahre bekommen Frauen, die nie oder nur kurze Zeit sozialversicherungspflichtig gearbeitet haben, auch nach der jüngsten Gesetzesänderung häufig nicht zusammen. Müttern mit zwei Kindern fehlt z.B. immer noch ein Jahr, damit der Rentenanspruch aus der Mütterrente auch ausgezahlt wird, wenn sie sonst keine Zeiten für die Rente vorweisen können. In diesem Fall lohnt es sich, für das fehlende Rentenjahr freiwillige Rentenbeiträge einzuzahlen, und zwar zwölf Monate lang mindestens jeweils 85,05 € oder einmalig 1.020,60 €. Damit sichern sich künftige Rentnerinnen gemäß dem aktuellen Rentenwert eine monatliche Rente in Höhe von 109,61 € im Osten bzw. 118,83 € im Westen. Berücksichtigt wurden bei dieser Rechnung vier Jahre Kindererziehungszeiten und ein Jahr freiwilliger Mindestbeitrag. Diese Investition rentiert sich bereits ab dem zehnten Monat des Rentenbezugs. Günstiger kommt man selten zu einer Rente.

Auch geschiedene Väter profitieren

Für geschiedene Väter könnte das Rentenplus durch die Mütterrente bei der Ex-Ehefrau zu einer Verringerung der eigenen Belastung durch den Versorgungsausgleich führen. Zum Zeitpunkt der Ehescheidung konnte das Familiengericht schließlich nur die damalige Rechtslage im Rentenrecht berücksichtigen. Da kein Familienrichter weiß, ob sich später die Ansprüche der geschiedenen Ex-Eheleute aufgrund von Rechtsänderungen verringern werden, sieht das Familienrecht die Möglichkeit einer Abänderung des Versorgungsausgleichs vor, von der geschiedene Väter ab Juli 2014 in Einzelfällen profitieren können.

Die Rechnung ist dabei im Grundsatz ganz einfach: Wenn sich der Rentenanspruch, den eine Ex-Ehefrau in der Ehezeit erworben hat, nachträglich erhöht, muss der meist ausgleichspflichtige Ehemann unter Umständen weniger als zunächst gerichtlich entschieden von seinen Rentenansprüchen abgeben. Er kann also mehr Rente bekommen. Doch Vorsicht: Ein Abänderungsantrag lohnt sich in der Regel nur, wenn der Ausgleichswert eine bestimmte absolute Mindesthöhe erreicht. Diese wird erst erreicht, wenn mindestens für zwei vor dem 1.1.1992 geborene Kinder zusätzliche Ansprüche für die Zeit der Kindererziehung angerechnet werden. Zudem kommen bei einem Abänderungsantrag auch weitere Ansprüche auf den Prüfstand – etwa aus einer Betriebsrente. Ggf. kann die Sache für den Antragsteller negativ ausgehen.

Im Zweifelsfall sollten geschiedene Väter sich bei einem Fachanwalt für Familienrecht beraten lassen, bevor sie beim Familiengericht einen Abänderungsantrag stellen. Ggf. kann auch ein privater Rentenberater helfen.

Längere Zurechnungszeit bei Erwerbsminderungsrenten

Bislang galt: Wer gesundheitlich angeschlagen ist und deshalb kaum noch arbeiten kann und in Erwerbsminderungsrente gehen muss, bekommt in etwa eine Rente, als hätte er noch bis zum 60. Geburtstag weiter mit dem alten Durchschnittsverdienst gearbeitet. Für diejenigen, die vor dem 1.7.2014 bereits nach altem Recht Erwerbsminderungsrente erhalten haben, bleibt es hierbei.

Für Neurentner gibt es dagegen seit Juli 2014 eine Verbesserung. Die sogenannte Zurechnungszeit ab dem Beginn der Erwerbsminderung wird künftig um zwei Jahre bis zum 62. Geburtstag verlängert.

Beispiel:

Wer mit 30 schon nicht mehr arbeiten kann, hat bis dahin durch seine eingezahlten Beiträge nur geringe Rentenansprüche erworben. Bei seiner EM-Rente wird künftig so getan, als ob er bis zum 62. Geburtstag (bislang: 60. Geburtstag) mit seinem bisherigen Durchschnittsverdienst weiter gearbeitet und Versicherungsbeiträge an die Rentenkasse abgeführt hätte.

Im Beispielfall werden künftig die 32 fehlenden Rentenbeitragsjahre zwischen 30 und 62 ähnlich bewertet wie die tatsächlichen Beitragsjahre bis zum 30. Lebensjahr. Folge: Die Erwerbsminderungsrenten werden für alle, die vor Vollendung des 62. Lebensjahres wegen voller oder teilweiser Erwerbsminderung in Rente gehen, erhöht. Die durchschnittliche Erhöhung wird auf rund 40,00 € pro Monat geschätzt. Wer vor dem 60. Lebensjahr wegen voller Erwerbsminderung vorzeitig in Rente geht und bis dahin immer so viel verdient hat wie der Durchschnitt aller Arbeitnehmer, kann mit rund 56,00 € mehr pro Monat rechnen.

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