Rente steigt so kräftig wie seit 23 Jahren nicht

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Sensationelle Rentenerhöhung um 4,35 % (West) und 5,03 % (Ost) möglich.

Den gut 20 Millionen Rentnern in Deutschland steht im Jahr 2016 voraussichtlich die höchste Rentenanhebung seit 23 Jahren bevor. Wegen der guten Wirtschaftslage gehen die Experten der Deutschen Rentenversicherung und des Bundessozialministeriums von einer Anhebung um 4-5 % aus.

Beschlossen wird die zum 1.7.2016 anstehende Rentenerhöhung im Frühjahr 2016. Ende Oktober 2015 legen Deutschen Rentenversicherung und Bundesregierung eine Prognose vor. Die aktuellen Indikatoren weisen eindeutig nach oben.

Nach dem aktuellen Stand könne es ein Plus der Altersbezüge um 4,35 % im Westen und um 5,03 % im Osten Deutschlands geben. Ein West-Ruheständler mit einer Brutto-Standardrente von 1.314 € nach 45 Beitragsjahren käme somit auf einen Zuschlag von rund 57 € im Monat.

Derart kräftige Anhebungen hatte es zuletzt 1993 gegeben. Am 1.7.2015 war die Rente wegen höherer Löhne in den alten Ländern um 2,1 % und in den neuen um 2,5 % gestiegen.

Rücklagen sinken, Beiträge steigen

Die Rücklage der Deutschen Rentenversicherung sank von Juli bis August von 32,6 Milliarden Euro auf 31,8 Milliarden Euro. Die demographische Veränderung im Verhältnis von Beitragszahlern und Rentenempfängern schlägt immer stärker auf die Rentenfinanzen durch.

Die Rentenreserven werden sich in den kommenden Jahren kontinuierlich verringern. Die Rentenbeiträge müssten dementsprechend steigen.

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Unser Kommentar

Die Rekorderhöhung der gesetzlichen Rente um geschätzt 4 bis 5 % ab 1.7.2016 wird nicht nur positiv gesehen. Wirtschaftsforscher befürchten, dass spätestens ab 2020 die Beitragssätze deutlich steigen und die Rentenerhöhungen wegen des Eintritts der Babyboomer in das Rentenalter (z.B. in 1954 nach der Fußball-WM in Bern Geborene werden nun die Regelaltersgrenze erreicht haben) geringer ausfallen. Das muss aber nicht so sein, wenn weiterhin die Zahl der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Arbeitnehmer wie in den letzten Jahren steigt und die Löhne ebenfalls deutlich um rund 3 % steigen.

Die These, dass von der Rekord-Rentenerhöhung nur die jetzigen Rentner profitieren, ist jedoch völlig falsch. Jede Rentenerhöhung bedeutet gleichzeitig eine Erhöhung des aktuellen Rentenwerts, der nach Einführung der Rentengarantie in 2009 niemals sinken kann. Also profitieren auch die jetzigen Versicherten, selbst wenn sie noch relativ jung sind, davon. Die umlagefinanzierte gesetzliche Rente errechnet sich immer aus der Multiplikation von persönlichen Entgeltpunkten mit dem jeweils aktuellen Rentenwert. Steigen die individuellen Löhne und die Pflichtbeitragsjahre, erhöhen sich auch die persönlichen Entgeltpunkte. Wenn dann zusätzlich die aktuellen Rentenwerte steigen, erhöht sich zwangsläufig auch die gesetzliche Rente, die letztlich nichts anderes als ein Produkt aus Zeit (Anzahl der Pflichtbeitragsjahre) und Geld (persönlicher Verdienst und aktueller Rentenwert) ist.

Die der Rheinischen Post gegenüber geäußerte Kritik des 32-jährigen Unternehmers Dr. Hubertus Porschen, seit Anfang September 2009 Vorsitzender des Bundes Junger Unternehmer (BJU), ist daher nicht stichhaltig: Die bevorstehende Rekorderhöhung der Renten offenbart jetzt erneut, wie wenig demografiefest und generationenungerecht unser Rentensystem ist. Mit Blick auf den demografischen Wandel könnte die Politik hier ein Signal setzen und einen Teil der Rentenerhöhung aussetzen. Wenn die Politik die Rente ernsthaft enkelsicher machen und der jungen Generation Rechnung tragen wolle, muss sie endlich das System verändern. Dazu brauchen wir beispielsweise im umlagefinanzierten Rentensystem zusätzlich eine kapitalgedeckte Säule.

Fakt ist: Die bevorstehende Rekorderhöhung der Renten offenbart, wie hoch die Beschäftigung und die Löhne zuletzt gestiegen sind. Mit Demografie und Generationenungerechtigkeit hat das nichts zu tun. Die gesetzliche Rente kann auch für die junge Generation, deren Kinder und somit die Enkel der älteren Generation, ohne eine Veränderung des umlagefinanzierten Rentensystems sicher gemacht werden. Eine zusätzliche kapitalgedeckte Säule in diesem rein umlagefinanzierten System wäre das Letzte, was die gesetzliche Rentenversicherung jetzt bräuchte. Gerade das geringe Leistungsniveau der kapitalgedeckten Renten (Riester-Rente, Rürup-Renten, Betriebsrente aus Entgeltumwandlung, Privatrente aus privater Rentenversicherung) zeigt momentan deutlich, dass die kapitalgedeckte Rente der umlagefinanzierten gesetzlichen Rente nicht grundsätzlich überlegen ist.

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