Rente beziehen oder weiterarbeiten?

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Rentiert es sich eigentlich, über das gesetzliche Renteneintrittsalter hinaus zu arbeiten? Die Antwort lautet: Ja – aber nur, wenn man topfit ist.

Die Deutsche Rentenversicherung plant, künftig in der jährlichen Renteninformation auf die Möglichkeit hinzuweisen, den Rentenbezug aufzuschieben und für jeden Monat Mehrarbeit einen Rentenzuschlag von 0,5 % der Rente zu erhalten.

Im Zuge der seit 1.7.2014 geltenden Regeln und der weiteren Pläne zur "Flexi-Rente" ist das für junggebliebene Arbeitnehmer eine Überlegung wert.

Beispielberechnung

Nehmen wir als Beispiel Adam Becker, der am 31.8.1949 geboren wurde und ab 1.9.2014 in Rente gehen könnte. Er hat nach seinem BWL-Studium seit dem 1.9.1974 im mittleren Management von BASF in Ludwigshafen gearbeitet und jedes Jahr doppelt so viel verdient wie der Durchschnitt, aktuell 5.809,50 € im Monat (69.714 € im Jahr).

Für seine 80 Entgeltpunkte (EP) erhält er eine Monatsrente von 2.288,80 €. Das ergibt im Jahr 27.465,60 €.

Würde er ein Jahr länger arbeiten, bekäme er erstens ein höheres Jahresgehalt von netto 47.893 € statt bisher 45.976 €, da keine Beiträge zur Arbeitslosenversicherung mehr zu zahlen sind. Monatlich hätte er 3.991,08 € zur Verfügung.

Zweitens erhielte er ab 1.9.2015 (ohne Rentensteigerungen) eine höhere Monatsrente von 2.346,02 € plus einen sechsprozentigen Zuschlag in Höhe von 140,76 €. Das macht 2.486,78 € im Monat und 29.841,36 € im Jahr.

Wie sich die Werte zusammensetzen, wenn er zwei oder drei Jahre lang weiterarbeiten würden, zeigt folgende Tabelle.

Rente mit Zuschlag

Jahr

Alter

EP

Rente

Zuschlag

Gesamtrente

Jahresrente

2014

65

80

2.288,80 €

0,00 €

2.288,80 €

27.465,60 €

2015

66

82

2.346,02 €

140,76 €

2.486,78 €

29.841,36 €

2016

67

84

2.403,24 €

288,39 €

2.691,63 €

32.299,56 €

2017

68

86

2.460,46 €

442,88 €

2.903,34 €

34.840,08 €

Allein auf die bezogene Rente gesehen (ohne die Gehaltszahlungen), müsste Adam Becker 77 Jahre alt werden, um einen finanziellen Vorteil aus der einjährigen Verlängerung seines Berufslebens zu ziehen (siehe Tabelle 2).

Unberücksichtigt bleibt dabei die steuerliche Seite. Wer im Jahr 2014 in Rente geht, muss 68 % seiner gesetzlichen Rente versteuern. Ein Jahr später sind es bereits 70 % – und so weiter in 2 %-Schritten bis zum Jahr 2020, danach bis 2040 in 1 %-Schritten. Die höhere Steuerbelastung wegen des späteren Renteneintritts verringert den Rentenbonus, vor allem wenn durch weitere Einkünfte, z.B. aus Vermietung, der Steuersatz relativ hoch sein sollte.

Rente oder Weiterarbeit

Jahr

Alter

Rente ab 65

Rente ab 66

Rente ab 67

Rente ab 68

2014

65

27.465,60 €

2015

66

54.931,20 €

29.841,36 €

2016

67

82.396,80 €

59.682,72 €

32.299,56 €

2017

68

109.862,40 €

89.524,08 €

64.599,12 €

34.840,08 €

2018

69

137.328,00 €

119.365,44 €

96.898,68 €

69.680,16 €

2019

70

164.793,60 €

149.206,80 €

129.198,24 €

104.520,24 €

2020

71

192.259,20 €

179.048,16 €

161.497,80 €

139.360,32 €

2021

72

219.724,80 €

208.889,52 €

193.797,36 €

174.200,40 €

2022

73

247.190,40 €

238.730,88 €

226.096,92 €

209.040,48 €

2023

74

274.656,00 €

268.572,24 €

258.396,48 €

243.880,56 €

2024

75

302.121,60 €

298.413,60 €

290.696,04 €

278.720,64 €

2025

76

329.587,20 €

328.254,96 €

322.995,60 €

313.560,72 €

2026

77

357.052,80 €

358.096,32 €

355.295,16 €

348.400,80 €

2027

78

384.518,40 €

387.937,68 €

387.594,72 €

383.240,88 €

2028

79

411.984,00 €

417.779,04 €

419.894,28 €

418.080,96 €

2029

80

439.449,60 €

447.620,40 €

452.193,84 €

452.921,04 €

2030

81

466.915,20 €

477.461,76 €

484.493,40 €

487.761,12 €

2031

82

494.380,80 €

507.303,12 €

516.792,96 €

522.601,20 €

2032

83

521.846,40 €

537.144,48 €

549.092,52 €

557.441,28 €

2033

84

549.312,00 €

566.985,84 €

581.392,08 €

592.281,36 €

2034

85

576.777,60 €

596.827,20 €

613.691,64 €

627.121,44 €

2035

86

604.243,20 €

626.668,56 €

645.991,20 €

661.961,52 €

2036

87

631.708,80 €

656.509,92 €

678.290,76 €

696.801,60 €

2037

88

659.174,40 €

686.351,28 €

710.590,32 €

731.641,68 €

2038

89

686.640,00 €

716.192,64 €

742.889,88 €

766.481,76 €

2039

90

714.105,60 €

746.034,00 €

775.189,44 €

801.321,84 €

2040

91

741.571,20 €

775.875,36 €

807.489,00 €

836.161,92 €

2041

92

769.036,80 €

805.716,72 €

839.788,56 €

871.002,00 €

2042

93

796.502,40 €

835.558,08 €

872.088,12 €

905.842,08 €

2043

94

823.968,00 €

865.399,44 €

904.387,68 €

940.682,16 €

2044

95

851.433,60 €

895.240,80 €

936.687,24 €

975.522,24 €

2045

96

878.899,20 €

925.082,16 €

968.986,80 €

1.010.362,32 €

2046

97

906.364,80 €

954.923,52 €

1.001.286,36 €

1.045.202,40 €

2047

98

933.830,40 €

984.764,88 €

1.033.585,92 €

1.080.042,48 €

2048

99

961.296,00 €

1.014.606,24 €

1.065.885,48 €

1.114.882,56 €

2049

100

988.761,60 €

1.044.447,60 €

1.098.185,04 €

1.149.722,64 €

Diese Tabelle zeigt, dass es zwölf Jahre dauert, bis der Rentenvorsprung von einem Jahr ausgeglichen ist. Daher sollte man kerngesund sein, wenn man plant, allein wegen des persönlichen Rentenvorteils länger zu arbeiten – die Hinterbliebenen profitieren in jedem Fall.

Konsultieren Sie vor der Entscheidung Ihren Hausarzt. Verzichten Sie weitgehend auf Tabak, Alkohol und rotes Fleisch und treiben Sie regelmäßig Sport .

Alternative: Rente plus Weiterarbeit

Würde Adam Becker auf Nummer sicher gehen und die Rente plus das Gehalt beziehen, müsste er 88.380 € versteuern, er würde jedoch die Beiträge zur Renten- und Arbeitslosenversicherung sparen. Netto kämen für ihn monatlich 5.356 € netto heraus (64.272 € im Jahr). Das sind monatlich 1.364,92 € mehr (16.379 € im Jahr), als wenn er ohne Rente weiterarbeiten würde. Von seiner Rente müsste er also per Saldo monatlich auf 923,88 € verzichten.

Zu dieser News hat uns folgender Leserbrief erreicht (Auszug)

Ihre Darstellung ist super. Ich will kein Besserwisser sein, aber zwei Dinge muss ich doch richtigstellen bei Adam Becker (geb. 31.8.1949, Rente ab 1.9.2014, gesetzliche Rente mit 2.288,80 € für 80 Entgeltpunkte).

1. Wenn Adam Becker am 31.8.1949 geboren ist, kann er erst am 1.12.2014 abschlagsfrei mit der dann erreichten Regelaltersgrenze von 65 Jahren und 3 Monaten in Rente gehen, da er ja nur 40 Pflichtbeitragsjahre mit dauerndem Verdienst oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze hat. Empfehlung: Verlegen Sie das Geburtsdatum einfach drei Monate vor, also auf den 31.5.1949, dann stimmt es wieder.

2. Adam Becker kann nicht auf 80 Entgeltpunkte kommen, wenn er am 1.9.1974 in den Beruf eingetreten ist und ununterbrochen bis zum 31.8.2014 mindestens so viel verdient hat wie die Beitragsbemessungsgrenze in der GRV ausmacht. Richtig wären 75,051 Entgeltpunkte, da es beispielweise in den Jahren 1997 bis 2002 weniger als 1,9 Entgeltpunkte maximal pro Jahr gab (Tiefpunkt waren max. 1,4719 EP in 1974). Also liegt die Höchstrente für Adam Becker nur bei 2.147,21 € (= 28,61 € x 75,051 EP), also rund 142 € weniger als angegeben. Empfehlung: Ersetzen Sie die 80 EP durch 75,051 und multiplizieren Sie sämtliche Tabellenwerte einfach mit 0,9381375 (= 75,051 : 80 EP), dann stimmt es wieder. Dann wären alle neuen Tabellenwerte um rund 6,2 % niedriger, da ja auch 2.147,21 € um rund 6,2 % unter den 2.288,80 € liegt.

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