Neuer Trend: Erwerbstätig bis ins hohe Alter

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(verpd) Immer mehr Menschen bleiben nach Erreichen des Rentenalters erwerbstätig, wie aktuelle Studien des Deutschen Instituts für Altersvorsorge GmbH (DIA) und des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Köln e.V. zeigen. Die Gründe dafür sind vielfältig.

Obwohl sie eine Rente aus der gesetzlichen Rentenversicherung beziehen, arbeiten immer mehr Menschen im Alter. Die Deutsche Institut für Altersvorsorge GmbH (DIA) hat dieses Phänomen näher untersucht. Für die Studie waren die Daten von knapp 70.000 Fällen ausgewertet worden, in denen Personen im Alter ab 60 Jahre Leistungen der gesetzlichen Rentenversicherung bezogen und mindestens 52 Stunden im Jahr erwerbstätig waren.

Die Datenbasis lieferte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Die Auswertungen haben ergeben, dass die Erwerbsquote der Rentenbezieher nicht unbedingt von der Rentenhöhe abhängt.

Mehr als jeder elfte Rentenbezieher bleibt erwerbstätig

Die Studie zeigt, dass der Anteil derer, die über das Rentenalter hinaus erwerbstätig bleiben, über alle Renteneinkommen fast gleich hoch ist. Der Anteil der erwerbstätigen Rentner mit einer gesetzlichen Rente von unter 6.000 € im Jahr ist nur geringfügig höher als jener der Rentenbezieher mit einer Jahresrente von über 15.000 €. Hingegen ist die Erwerbsquote der Rentner mit einem Vermögen von über 250.000 € deutlich höher als derjenigen, die kein oder ein kleineres Vermögen haben.

Auch das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Köln e.V. hat sich in der Studie „IW Trends: Fachkräfte 65 plus – Erwerbstätigkeit im Rentenalter“ mit dem Thema der erwerbstätigen Rentner beschäftigt. Sie hatten dazu die Daten des Forschungsdatenzentrums der Statistischen Ämter der Länder, des Statistischen Bundesamtes (Destatis), des Statistischen Amts der Europäischen Union (Eurostat) und des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) ausgewertet.

Im Jahr 2013 waren demnach 8,7 Prozent der 65- bis 74-Jährigen erwerbstätig. Damit liegt Deutschland leicht über dem EU-Durchschnitt von 8,5 Prozent, aber weit unter den Spitzenreitern der Tabelle: Im Vereinigten Königreich sind noch 15,5 Prozent in der Altersklasse erwerbstätig, bei den Schweden sind es 14,5 Prozent. Der Studie zufolge gibt es zudem verschiedene Faktoren, die die Entscheidung für das Weiterarbeiten im Rentenalter beeinflussen. Dazu gehören die Qualifikation und die bisherige berufliche Position, berichten die Autoren.

Viele Selbstständige arbeiten auch im Rentenalter weiter

Was die Erwerbsbeteiligung im Alter betrifft, ist beispielsweise der Unterschied zwischen Selbstständigen und abhängig Beschäftigten enorm. Während in der Altersklasse von 65 bis 74 Jahren 2012 noch 35,4 Prozent der aktuell oder zuletzt Selbstständigen erwerbstätig waren, traf dies nur auf 5,2 Prozent der aktuell oder zuletzt Angestellten (inklusive Arbeitern) und 1,3 Prozent der Beamten zu. Dafür sehen die Autoren mehrere Ursachen.

So erschwere der arbeitsrechtliche Rahmen bei abhängig Beschäftigten eine Weiterbeschäftigung im Alter, da die Arbeitsverhältnisse mit dem Erreichen der gesetzlichen Rentenaltersgrenze regulär enden. Auch sei die Unternehmensnachfolge der Selbstständigen nicht immer mit dem Erreichen des 66. Lebensjahrs geklärt.

Das DIA kommt bei diesem Thema zu einem ähnlichen Ergebnis und erklärt: „Selbstständige führen ihr Unternehmen häufig auch dann in gewohnter Weise weiter, wenn sie die Regelaltersgrenze überschritten haben und eine gesetzliche Rente beziehen.“

Mehr als 30 Prozent der Mediziner bleiben im Beruf

Differenziert nach den vor der Rente ausgeübten Berufsgruppen findet sich laut IW Köln der höchste Erwerbstätigenanteil bei den ehemaligen Fachkräften in der Landwirtschaft und Fischerei (15,6 Prozent), gefolgt von akademischen Berufen wie Ingenieuren, Ärzten und Juristen (14,9 Prozent).

Bei den Medizinern liegt der Anteil der Erwerbstätigen mit 30,6 Prozent gegenüber einem Durchschnitt aller Akademiker von 14,6 Prozent sogar besonders hoch. „Der Grund hierfür dürfte sein, dass ein großer Teil der Mediziner als niedergelassene Ärzte selbstständig ist und Selbstständige sehr viel öfter im Alter noch erwerbstätig sind als abhängig Beschäftigte“, so die Autoren des IW Köln.

Die niedrigste Quote findet sich dagegen mit 2,5 Prozent in den Handwerksberufen. Die DIA-Studie kommt zu einem leicht abweichenden Ergebnis: Ihr zufolge waren 2012 die meisten erwerbstätigen Rentner in der Dienstleistungsbranche anzutreffen, gefolgt von Transport und Handel sowie der Fertigungsbranche.

Teilzeitjobs sind am beliebtesten

Fast zwei Drittel der erwerbstätigen 65- bis 74-Jährigen arbeitet weniger als 20 Stunden pro Woche, 41,1 Prozent sogar unter zehn Stunden. Etwas mehr als ein Viertel ist dagegen noch in Vollzeit tätig. Selbstständige, Akademiker und Männer üben im Vergleich zu Frauen und ehemaligen Angestellten häufiger eine zeitlich umfassendere Erwerbstätigkeit aus. Laut DIA arbeiten jedoch insbesondere männliche Rentner mit einem Haushaltseinkommen von weniger als 10.000 € im Jahr in Vollzeit. In allen anderen Einkommensgruppen überwiege die geringfügige Beschäftigung.

Auch wenn Altersarmut nur einer von vielen Gründen ist, warum Rentner weiter erwerbstätig bleiben, ist es dennoch wichtig, frühzeitig eine sinnvolle Altersvorsorge aufzubauen. Zum einen erreicht die gesetzliche Altersrente bei Weitem nicht die Höhe des bisherigen Einkommens. Dadurch besteht die Gefahr, dass man seinen bisherigen Lebensstandard im Alter nicht halten kann. Zum anderen ist man ohne finanzielle Nöte im Rentenalter in seiner Entscheidung freier, ob und in welchem Umfang man weiter erwerbstätig sein möchte.

Es gibt diverse Möglichkeiten einer sinnvollen Altersvorsorge, wie beispielsweise über eine betriebliche, staatlich geförderte und/oder private Anlageform. Informationen darüber, wie hoch die voraussichtliche Differenz zwischen dem bisherigen Einkommen und der zu erwartenden gesetzlichen Rente sein wird und welche individuell passenden Altersvorsorgeformen infrage kommen, gibt es beim Versicherungsexperten.

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