Neue Hinzuverdienstgrenzen für Rentner durch Flexi-Rente

Neue Hinzuverdienstgrenzen für Rentner durch Flexi-Rente

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(verpd) Ende Oktober hat der Deutsche Bundestag das Gesetz für einen flexiblen Übergang in den Ruhestand, kurz Flexirentengesetz, beschlossen, das voraussichtlich zum 1. Januar 2017 in Kraft treten wird.

Enthalten sind hier Änderungen für alle, die vor Erreichen der Regelaltersgrenze in Rente gehen sowie eine gesetzliche Altersrente beziehen und zudem teilweise erwerbstätig bleiben.

Laut Bundesregierung soll die Flexi-Rente den gesetzlich Rentenversicherten helfen, den Übergang vom Erwerbsleben in die Rente selbstbestimmter zu gestalten. Dazu werden unter anderem ab dem 1. Juli 2017 die Hinzuverdienstregelungen für alle jene geändert, die Anspruch auf eine gesetzliche Rente haben und die vor der Regelaltersgrenze, also dem Alter, ab dem Anspruch auf eine Regelaltersrente besteht, in Altersrente gehen.

Grundsätzlich gilt: Nur Bezieher einer Altersrente, die bereits die Regelaltersgrenze erreicht haben, können unbegrenzt hinzuverdienen, ohne dass die gesetzliche Rente gekürzt wird.

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Was noch bis zum 1. Juli 2017 gilt

Bis zum 1. Juli 2017 haben Bezieher einer vorzeitigen Altersrente oder einer Rente wegen Erwerbsminderung, die jünger sind, als es die Regelaltersgrenze vorgibt, nur dann keine Rentenabzüge, wenn der Hinzuverdienst bei maximal 450 Euro brutto monatlich liegt. Diese Hinzuverdienstgrenze darf zudem zweimal pro Kalenderjahr bis zum doppelten Wert überschritten werden. Pro Jahr sind das also 14 mal 450 Euro und damit insgesamt maximal 6.300 Euro.

Bezieher einer Altersrente, die mehr verdienen, erhalten je nach Hinzuverdiensthöhe eine Teilrente in Höhe von einem Drittel, der Hälfte oder zwei Dritteln der bisherigen Vollrente. Ab einer bestimmten Hinzuverdiensthöhe entfällt die Rente komplett.

Die Höhe der Hinzuverdienstgrenze, ab der eine Teilrente bezahlt wird, errechnet sich unter anderem aus der Bezugsgröße und den individuellen Faktoren des Rentners. So spielen die erreichten Entgeltpunkte in den letzten drei Jahren vor Beginn des Rentenbezugs und für ehemalige Erwerbstätige in Ostdeutschland auch der aktuelle Rentenwert in Ostdeutschland eine Rolle. Da die Bezugsgröße und der aktuelle Rentenwert immer zum 1. Januar und zum 1. Juli eines jeden Jahres angepasst werden, ändert sich auch die Hinzuverdienstgrenze.

Wie die neuen Hinzuverdienstgrenzen bei der Altersrente funktionieren

Wer vor Erreichen der Regelaltersgrenze seine Arbeit verringern und eine Teilrente beantragen will, dem eröffnen sich durch die Veränderungen der Hinzuverdienstgrenzen nun mehrere Varianten. Beim Bezug einer Altersrente vor der Regelaltersgrenze wird nach der neuen Regelung bei einem Hinzuverdienst von maximal 6.300 Euro kein Rentenabzug erfolgen. Es gibt also nur noch eine jährliche und keine monatliche Begrenzung beim Hinzuverdienst – die Höhe der jährlichen Hinzuverdienstgrenze, nämlich 6.300 Euro, bleibt die selbe wie bisher.

Ein über 6.300 Euro hinausgehender Verdienst wird ab dem 1. Juli 2017 zu 40 Prozent auf die Rente angerechnet beziehungsweise die Rente gekürzt. Die bisherigen starren Teilrentenstufen mit den jeweiligen Verdienstgrenzen entfallen somit. Der Rentenanspruch entfällt, wenn der von der Rente abzuziehende Hinzuverdienst den Betrag der Vollrente erreicht. Eine Teilrente muss außerdem mindestens zehn Prozent der Vollrente betragen.

Zudem ist ein sogenannter Hinzuverdienstdeckel zu berücksichtigen. Die Summe aus dem Teilrentenbetrag und einem Zwölftel des kalenderjährlichen Hinzuverdiensts darf den Hinzuverdienstdeckel nicht überschreiten. Der Hinzuverdienstdeckel berechnet sich, indem die monatliche Bezugsgröße mit den persönlich erreichten Entgeltpunkten des Kalenderjahres mit den höchsten Entgeltpunkten der letzten 15 Kalenderjahre vor Beginn der vorgezogenen Altersrente multipliziert wird. Dieser Hinzuverdienstdeckel, der jährlich zum 1. Juli neu berechnet wird, beträgt mindestens die Summe aus einem Zwölftel von 6.300 Euro und dem Monatsbetrag der Vollrente.

Fallbeispiel für die neue Regelung der Hinzuverdienstgrenze

Im Gesetzentwurf zur Flexi-Rente ist unter anderem folgendes Fallbeispiel genannt, um die komplexen Regelungen zur Teilrente anschaulich zu machen: Ein Rentner erhält eine monatliche Altersvollrente von 1.200 Euro. Der berechnete Hinzuverdienstdeckel beläuft sich auf 3.000 Euro. Der Rentner hat einen Hinzuverdienst von 18.000 Euro im Kalenderjahr.

Der kalenderjährliche Hinzuverdienst übersteigt damit die Freigrenze um 11.700 Euro (18.000 Euro minus 6.300 Euro), dadurch setzt die 40-Prozent-Anrechnung ein: Der Hinzuverdienst von 11.700 Euro im Jahr entspricht (11.700 Euro geteilt durch 12) 975 Euro im Monat. Davon werden 40 Prozent (40 Prozent von 975 Euro) also 390 Euro von der Vollrente abgezogen, das heißt, im Fallbeispiel werden von der Rente in Höhe von 1.200 Euro 390 Euro abgezogen, sodass eine Teilrente in Höhe von 810 Euro bleibt.

Zudem wird überprüft, ob der Hinzuverdienstdeckel überschritten wird. Die Summe aus dem Teilrentenbetrag plus einem Zwölftel des kalenderjährlichen Hinzuverdienstes – Teilrente 810 Euro plus monatlicher Hinzuverdienst (18.000 Euro geteilt durch 12 = 1.500 Euro) = 2.310 Euro – liegt in diesem Fall unter dem Hinzuverdienstdeckel von 3.000 Euro. Damit bleibt es bei dem Fallbeispiel bei einer Teilrente von 810 Euro im Monat.

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