Mütterrente: Vorteile auch bei Erwerbstätigkeit plus Kindererziehung

 - 

Wer Kinder erzieht oder erzogen hat, bekommt mehr Rente. Die Höherbewertung von Erziehungszeiten wirkt sich auch dann rentensteigernd aus, wenn während der Erziehungszeit rentenversicherungspflichtig gearbeitet wurde und dafür bereits Entgeltpunkte gutgeschrieben wurden.

Zum 1.7.2014 werden günstigere Regelungen zu den sog. Kindererziehungszeiten für Elternteile (meist Mütter) eingeführt, deren Kinder vor 1992 geboren wurden. Die Leistung wird mit dem Anspruch aus Erwerbsarbeit verrechnet, hieß es am 27.3.2014 in mehreren Tageszeitungen. Und: Mütterrente benachteiligt Ostdeutsche. Was ist dran an diesen Meldungen? Gibt es für Mütter, die in den ersten Lebensjahren ihres Kindes erwerbstätig waren, tatsächlich weniger Rente?

Ab Juli 2014 sollen Mütter (aber auch erziehende Väter), deren Kinder vor 1992 geboren wurden, bei der gesetzlichen Rente bessergestellt werden. Ihnen sollen künftig nicht nur ein, sondern zwei Versicherungsjahre für die Erziehung eines Kindes anerkannt werden. Für die ersten beiden Erziehungsjahre bis zum zweiten Geburtstag eines Kindes sollen rund zwei Renten-Entgeltpunkte gutgeschrieben werden (genau: 0,0833 Entgeltpunkte pro Monat, was 0,9996 Entgeltpunkte pro Jahr ergibt). Damit ist die Erziehungszeit für die Rente der Mütter (und Väter) mit Kindern, die vor 1992 geboren wurden, künftig doppelt so viel wert wie bisher. Jedes Kind bringt bei der Altersrente dann (2 mal 28,60 € =) 57,20 € im Westen bzw. (2 × 26,38 € =) 52,76 € im Osten (Rentenwerte ab dem 1.7.2014). Eine völlige Gleichstellung mit Müttern bzw. Vätern, deren Kinder ab 1992 geboren wurden und die drei Erziehungsjahre bzw. drei Entgeltpunkte pro Kind anerkannt erhalten, ist zunächst nicht vorgesehen.

Regelung bei Erwerbstätigkeit während der Kindererziehungszeit

Nun gibt es Eltern, die während der Erziehungsjahre gar keine Baby-Pause eingelegt haben, sondern rentenversichert (weiter) gearbeitet haben. Auch sie erwerben durch die Kindererziehungszeit grundsätzlich zusätzliche Ansprüche bei der Rente. Das Gleiche gilt beim Bezug von Arbeitslosengeld I und Krankengeld.

Beispiel:

Eine in Köln lebende Mutter hatte nach der Geburt ihres Kindes 1988 das ganze Jahr über einen Halbtagsjob ausgeübt und dabei 19.448,00 DM brutto verdient. Im Schnitt war das Bruttojahreseinkommen von Rentenversicherten 1988 in der damaligen alten Bundesrepublik mit 38.896,00 DM genau doppelt so hoch. Durchschnittsverdiener erwerben genau einen Renten-Entgeltpunkt (EP) für das jeweilige Jahr. Der Mutter aus Köln wird somit für ihre rentenversicherte Beschäftigung 1988 ein halber EP gutgeschrieben. Addiert wird dazu noch ein EP für die Kindererziehung. Insgesamt kommt sie damit für 1988 auf 1,5 Entgeltpunkte. Das bringt ihr nach heutigem Wert ein Rentenplus von (28,61 € × 1,5 =) 42,91 € (West).

Für Mütter aus den neuen Bundesländern sieht die Rechnung ähnlich aus. Im Detail wird sie allerdings komplizierter. Denn die nominell niedrigeren Einkommen von früheren Ost-Beschäftigten werden durch Hochrechnungsfaktoren aufgewertet. Nehmen wir als Beispiel eine Mutter aus Erfurt, die 1988 insgesamt 8.500,00 DM verdient hat. Der Hochrechnungsfaktor beträgt für 1988 genau 3,2381. Das für die Rente zu berücksichtigende Einkommen der Erfurterin beträgt damit (8.500,00 DM × 3,2381 =) 27.523,85 DM. Dieses wird nun ins Verhältnis gesetzt zum Durchschnittseinkommen aller Rentenversicherten in den alten Bundesländern (in 1988 geteilt durch 38.896,00 DM). So werden die Entgeltpunkte der Erfurterin berechnet. Das Ergebnis (27523 : 38896) beträgt 0,709 EP. So viel werden der Erfurterin für ihre Erwerbstätigkeit im Jahr 1988 auf ihrem Rentenkonto gutgeschrieben. Zusammen mit dem Entgeltpunkt für die Kindererziehung kommt sie damit in diesem Jahr auf 1,709 EP.

Zwischenfazit: In der Regel bringt die neue Mütterrente auch erwerbstätigen Eltern ein deutliches Rentenplus.

Rentenkappung bei hohen Erwerbseinkünften

Hat eine Mutter (oder ein erziehender Vater) allerdings recht hohe rentenversicherungspflichtige Einkünfte, so bringt die Kindererziehungszeit unter Umständen wenig. Das gilt allerdings bisher schon und hat überhaupt nichts mit den Neuregelungen zur sog. Mütterrente zu tun. Generell gilt nämlich bei der gesetzlichen Rentenversicherung: Es gibt eine Obergrenze für die Rentenansprüche, die in einem Jahr erworben werden können. Diese Grenze ist von Jahr zu Jahr unterschiedlich, liegt aber ungefähr bei zwei EP.

Ausschlaggebend dafür ist die jeweilige Beitragsbemessungsgrenze. Diese liegt derzeit bei 71.400,00 €. 1988 lag sie in der damaligen Bundesrepublik bei 72.000,00 DM (jeweils Jahreswerte). Das Durchschnittseinkommen (West) lag damals – wie erwähnt – bei 38.896,00 DM. Wer so viel verdient hatte, bekam genau einen EP für seine Rente gutgeschrieben. Teilt man die Beitragsbemessungsgrenze durch das Durchschnittseinkommen, so kommt man auf die Entgeltpunkte, die im jeweiligen Jahr maximal für die Rente gutgeschrieben werden. Für das Jahr 1988 ergibt diese Rechnung (72.000,00 : 38.896,00 =) 1,8511 Entgeltpunkte. Mehr als diese 1,8511 EP können Versicherte für das Jahr 1988 auf ihrem Rentenkonto nicht bekommen. Alles, was darüber hinausgeht, wird gekappt.

Das bedeutet: In den eher seltenen Fällen, in denen bereits durch ein hohes Erwerbseinkommen und entsprechend hohe Rentenversicherungsbeiträge ein Wert von 1,8511 EP erzielt wurde, bringt die Mütterrente den Betroffenen keine zusätzlichen Ansprüche. Ein voller Entgeltpunkt wird Müttern z.B. für das Jahr 1988 nur dann gutgeschrieben, wenn ihr Arbeitseinkommen damals nicht höher war als 85,11 % des Durchschnittseinkommens (was dann 0,8511 EP für die Rente bringt). Dies entspricht 33.120,00 DM. In den in Westdeutschland relativ seltenen Fällen, in denen Mütter von kleinen Kindern damals mehr als 33.120,00 DM verdient haben, wird ihr Rentenanspruch durch die Kindererziehungszeit also gekappt.

Aufgrund der hohen Erwerbsquote bei Frauen in der damaligen DDR dürfte diese Kappung in den neuen Bundesländern allerdings häufiger erfolgen. Für die Ex-DDR gilt: Mütter, die 1988 nicht mehr als Ost-Mark 10.228,00 verdient haben, wird ein voller Entgeltpunkt für ein Kindererziehungsjahr gutgeschrieben. Bei höheren rentenversicherungspflichtigen Einkünften werden die Ansprüche, die sich aus der Kindererziehungszeit ergeben, gekürzt.

Fazit: Tatsächlich bringt die neue Mütterrente Frauen aus den neuen Bundesländern mitunter weniger als Müttern aus den alten Ländern. Dies gilt allerdings nur dann, wenn sie aufgrund ihrer recht hohen Erwerbseinkünfte ohnehin schon bei der Rente besserstehen. Insofern kann hier von einer Benachteiligung ostdeutscher Frauen eigentlich keine Rede sein. Es gibt auch keine generelle Anrechnung der Mütterrenten auf die Altersrenten aus Erwerbsarbeit, sondern es erfolgt eine Kappung der Rentenansprüche immer nur dann, wenn die Obergrenze erreicht ist.

Bestandsrentnerinnen sind von der Kappung nicht betroffen

All dies soll künftig nur für Mütter (oder Väter) gelten, die am 1.7.2014 (geplantes Inkrafttreten des neuen Gesetzes) oder später in Rente gehen. Wer derzeit bereits eine Altersrente erhält, kann also alles vergessen, was bisher beschrieben wurde. Bestandsrentnerinnen, die vor 1992 ein Kind bekommen haben, sollen nämlich nach dem neuen Gesetz pauschal einen weiteren Entgeltpunkt für die Zeit der Kindererziehung gutgeschrieben bekommen. Dies soll auch dann gelten, wenn sie neben der Kindererziehung hohe Erwerbseinkünfte hatten. Diese Regelung dürfte gerade für Rentnerinnen aus den neuen Bundesländern vorteilhaft sein. Denn sie haben – anders als ihre Rentnerkolleginnen aus dem Westen – oft auch in den ersten beiden Lebensjahren ihres Kindes gearbeitet.

Versicherte müssen bei der Zuordnung der Kindererziehungszeit zu Mutter oder Vater aufpassen. Heute ist es längst nicht in jedem Fall mehr klar, dass eine Mutter in den ersten Lebensjahren ihres Kindes wenig verdient. Hat sie ohnehin überdurchschnittliche Einkünfte, so bringt ihr die Kindererziehungszeit unter Umständen wenig. Die Zuschläge an Entgeltpunkten werden dann gekappt oder fallen ganz weg. In einem solchen Fall sollten die Eltern eine Kontrollrechnung anstellen und prüfen, ob die Kindererziehungszeit dem Vater nicht mehr bringen kann. Dann können Sie frei entscheiden, welchem Elternteil die Kindererziehungszeit zugeordnet wird.

Quelle: "Der GeldBerater", Juni 2014

Aktuelle Anlage-Empfehlungen finden Sie monatlich in den "Geldtipps konkret!".

Weitere News zum Thema

  • Erwerbsminderungsrente wegen fehlender Wegefähigkeit

    [] Ein Urteil des Landessozialgerichts Baden-Württemberg rückt einen speziellen Fall der Erwerbsunfähigkeit in den Vordergrund: die nicht (mehr) vorhandene Fähigkeit, den Arbeitsweg zu bewältigen (Wegefähigkeit). mehr

  • Ohne Antrag keine gesetzliche Rente

    [] (verpd) Je nach Rentenart müssen diverse Voraussetzungen erfüllt sein, um einen Anspruch auf eine Rente zu haben. Grundsätzlich erhält zudem jeder nur eine entsprechende Rente, wenn er diese vorher beantragt hat. Um eine Verzögerung der Rentenbewilligung zu vermeiden, ist es für den Antragsteller wichtig zu wissen, wo, wann und mit welchen Angaben sowie Unterlagen ein Antrag zu stellen ist. Eine Broschüre der Deutschen Rentenversicherung hilft dabei. mehr

  • Fehlgeleitete Überweisung der Rente

    [] Ein Stück aus dem Leben: In Zeiten von IBAN haben viele Menschen – nicht nur Senioren – Schwierigkeiten mit den ellenlangen Kontonummern. Ein Opfer der Zahlenvielfalt war ein Rentner aus Rheinland-Pfalz, der der deutschen Rentenversicherung eine falsche IBAN mitgeteilt hatte. Der Rentenversicherungsträger überwies das Geld daraufhin an den unbekannten Kontoinhaber und wollte die Rente auch nicht wiederbeschaffen. mehr

  • Keine Lohngleichheit zwischen Männern und Frauen

    [] (verpd) Obwohl letztes Jahr die Lohnungleichheit hierzulande zwischen Männern und Frauen im Vergleich zu vorhergehenden Jahren leicht abgenommen hat, liegt deren Brutto-Stundenverdienst immer noch um mehr als ein Fünftel unter dem der Männer. Innerhalb Europas gehört Deutschland beim Thema gleicher Lohn für Männer und Frauen seit Jahren zum Schlusslicht im Vergleich zu den anderen EU-Ländern. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.