Mütterrente bringt vielen Frauen erstmals Rentenanspruch

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Frauen sind 2014 im Schnitt erst mit 66 Jahren in Rente gegangen, also nach Erreichen des regulären Rentenalters. Grund dafür ist, dass durch die sogenannte Mütterrente viele ältere Frauen, auch im Alter von 80 oder 85 Jahren, erstmals einen Rentenanspruch hatten.

Das trifft nach Schätzungen der deutschen Rentenversicherung auf 64000 Neu-Rentnerinnen des Jahres zu.

Alle Frauen, die – etwa weil sie ganz klassisch als Hausfrauen gelebt haben – keine gesetzliche Rente beziehen, sollten ihre Rentenansprüche überprüfen. Falls es noch nicht zu einem Rentenanspruch reicht, kann sich sogar die Zahlung freiwilliger Beiträge lohnen.

Beispiel:

Eine 80-Jährige, die – was früher nicht selten vorkam – in ihrem Leben keiner Erwerbstätigkeit nachgegangen ist, aber drei Kinder erzogen hat, kann nach den seit Juli 2014 geltenden Regeln eine kleine Altersrente bekommen. Denn sie kann dann (3 Kinder mal 2 Jahre) sechs Versicherungsjahre nachweisen und hat insgesamt (rund) sechs Entgeltpunkte auf ihrem Rentenkonto, was ihr eine Altersrente in Höhe von etwa 175,00 € (alte Bundesländer) beziehungsweise rund 162,00 € (neue Bundesländer) sichert.

Die Rente muss jedoch beantragt werden und vorher muss die Betroffene noch die Anerkennung von Kindererziehungszeiten bei der Deutschen Rentenversicherung beantragen. Das ist, wenn man entsprechende Unterlagen vorlegen kann (Geburtsurkunden oder Familienstammbuch), eine reine Formsache. Für den Antrag gibt es übrigens ein Formblatt V 800, das man im Internet herunterladen kann.

Weitere Tipps zur Mütterrente lesen Sie in unserem Kleinen Rentenratgeber .

Wenn unsere Beispiel-Hausfrau nur zwei Kinder hätte, dann würde das auch nach dem neuen Recht noch nicht für einen Rentenanspruch reichen, weil dann nur vier Versicherungsjahre zusammenkommen. Da fehlt noch ein Jahr. Vielleicht war die Betroffene doch irgendwann ein Jahr sozialversichert beschäftigt. Dann kann sie die gesetzliche Altersrente erhalten. Andernfalls kann sie für ein Jahr freiwillige Beiträge einzahlen. Dabei reicht der Mindestbeitrag. Das sind derzeit 84,155 im Monat, also für ein ganzes Jahr 1.009,86 €. Den Betrag kann sie auf einen Schlag nachzahlen und erhält dann – wenn auf diese Weise fünf Versicherungsjahre zusammenkommen – eine kleine Altersrente.

All das gilt auch für berufsständisch Versicherte. Da sich die berufsständischen Versorgungswerke bislang davor drücken, ihren Versicherten Leistungen für Kindererziehungszeiten zu gewähren, springt hier die gesetzliche Rentenversicherung ein. Die hat ein Herz für alle Kinder, auch für die Kinder von berufsständisch Versicherten. Das betrifft beispielsweise Ärzte, Apotheker, Notare und Architekten – und unter diesen natürlich insbesondere die Frauen.

Dass die Betroffenen nicht gesetzlich rentenversichert sind, spielt im Zusammenhang mit den Kindererziehungszeiten keine Rolle. Der Gesetzgeber hat berufsständisch Versicherten, die eigentlich von der gesetzlichen Rentenversicherungspflicht befreit sind, die Möglichkeit gegeben, Kindererziehungszeiten bei der gesetzlichen Rentenversicherung anerkennen zu lassen. Das geht immer dann, wenn die berufsständische Versicherung weniger bietet als die gesetzliche – und das ist durchweg so.

Für die Betroffenen gibt es daher so etwas wie eine Kinderrente – und seit Juli 2014 funktioniert das viel leichter, weil auch für Kinder, die vor 1992 geboren wurden, dann zwei Jahre Kindererziehungsjahre und zwei Entgeltpunkte anerkannt werden. Eine Ärztin, die ihr Leben lang nie gesetzlich rentenversichert war, aber drei Kinder hat, die – beispielsweise – in den 70er-Jahren geboren wurden, kann nun eine kleine Altersrente erhalten, sobald sie das reguläre Rentenalter erreicht (derzeit: 65 Jahre und drei Monate). Natürlich muss auch sie einen Antrag auf Anerkennung der Kindererziehungszeiten stellen.

Auch freiwillige Rentenbeiträge möglich

Soweit berufsständisch Versicherte allein durch Kindererziehungszeiten noch nicht auf einen Rentenanspruch kommen, erlaubt der Gesetzgeber seit August 2010 ihnen auch die Zahlung freiwilliger Beiträge. Die Betroffenen können freiwillige Beiträge entrichten, um die fünfjährige Wartezeit für die reguläre Altersrente zu erfüllen. Im Prinzip reicht es auch für berufsständisch Versicherte, den Mindestbeitrag einzuzahlen. Aber es kann auch mehr sein. Interessant gerade für gut verdienende berufsständisch Versicherte: Fast vier Fünftel des eingezahlten freiwilligen Beitrags können von der Steuer abgesetzt werden.

Wir raten allen Frauen, die – etwa weil sie ganz klassisch als Hausfrauen gelebt haben – keine gesetzliche Rente beziehen, zum Renten-Check:

  • Welchen Rentenanspruch bringt Ihnen die Mütter-Rente?

  • Reicht das, um die fünfjährige Wartezeit bei der gesetzlichen Rente zu erfüllen?

  • Falls nein: Zahlung freiwilliger Beiträge lohnt sich meist.

Wer jetzt feststellt, dass in seinem Fall bereits seit Juli 2015 ein Rentenanspruch besteht, kann leider rückwirkend keine Rentenansprüche mehr geltend machen. Rückwirkende Zahlungen – und das auch nur für die letzten drei Monate – sind nämlich nur dann möglich, wenn die Rente bis zum Ende des dritten Monats, ab dem ein Rentenanspruch bestand, beantragt wird. Dies regelt § 99 SGB VI.

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