Mütterrente auch bei Heiratserstattung

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Mütter, die über 65 Jahre alt sind, mehr als ein Kind geboren haben und noch keine Altersrente beziehen, sollten sich sofort bei der Deutschen Rentenversicherung beraten lassen. Auch diese Mütter können ab Juli 2014 von der Mütterente profitieren, wenn sie einen kleinen Betrag einzahlen.

Viele Frauen haben sich anlässlich ihrer Heirat die Rentenbeiträge auszahlen lassen. Nicht selten nutzten sie das Geld von der Rentenkasse, um das Schlafzimmer oder die Waschmaschine davon zu kaufen. Denn was aus heutiger Sicht kaum noch vorstellbar ist, war bis Anfang der 1960er-Jahre vollkommen normal: Ehefrauen bedurften nach den damaligen Wertvorstellungen keiner eigenständigen Alterssicherung – sie waren ja verheiratet und augenscheinlich über den Ehemann abgesichert.

Allerdings war es Schicksal vieler Nur-Hausfrauen in den Versorgerehen, dass sie nach Erziehung der Kinder nicht oder nur sehr schwer wieder Fuß auf dem Arbeitsmarkt fassen konnten. Deshalb beziehen diese Frauen trotz der 1986 eingeführten Kindererziehungszeiten heute meist keine Altersrente – wegen der Heiratserstattung erfüllen sie nicht die allgemeine Wartezeit (= Mindestversicherungszeit in der gesetzlichen Rentenversicherung) von fünf Jahren.

Neue Situation ab Juli 2014

Sich anlässlich der Heirat die Rentenbeiträge auszahlen lassen zu dürfen, darf man durchaus als einen sozialpolitischen Fehler bezeichnen. Die Einsicht folgte: Bis 1996 konnten Frauen durch eine lukrative Nachzahlungsmöglichkeit ihren Fehler wieder ausgleichen. Aber nicht jede Ehefrau hatte auch das Geld dazu.

Auch bei knappem Budget klingelt jetzt die Rentenkasse

Mit der Erhöhung der Entgeltpunkte für vor 1992 geborene Kinder können Mütter jetzt schon mit der Nachzahlung von vergleichsweise geringen freiwilligen Beiträgen einen Anspruch auf gesetzliche Rente begründen, bei mehreren Kindern ist u.U. überhaupt keine Nachzahlung für einen Rentenbezug erforderlich.

Beispiel:

Frau Schmidt hat nach ihrer Heirat drei Kinder geboren. Bislang reichten die drei Jahre, die ihr hierfür auf die Wartezeit angerechnet wurden, nicht für einen Rentenanspruch. Für eine Nachzahlung fehlte der heute 70-Jährigen einfach das Geld. Ab dem 1.7.2014 sind ihre drei Kinder aber sechs Jahre für die Wartezeit wert. Sie muss nichts weiter tun, als im Juli (geht nicht vorher!) einen Rentenantrag bei der Deutschen Rentenversicherung zu stellen.

Mütter, die heute schon eine Altersrente beziehen, erhalten die Mütterrente (= Erhöhung ihrer Rente) übrigens automatisch – alle andern Mütter jenseits der 65 Jahre müssen sie beantragen.

Beispiel:

Frau Müller hat nach ihrer Heirat zwei Kinder geboren. Bislang reichten die zwei Jahre, die ihr hierfür auf die Wartezeit angerechnet wurden, nicht für einen Rentenanspruch. Für eine Nachzahlung fehlte der heute 69-Jährigen das Geld. Ab dem 1.7.2014 sind ihre zwei Kinder aber vier Jahre für die Wartezeit wert. Damit hat sich ihre Wartezeit-Lücke automatisch von drei Jahren auf ein Jahr verkürzt. Für die fehlenden zwölf Monate kann Frau Müller freiwillige Beiträge nachzahlen (§ 282 Abs. 1 SGB VI). Zahlt sie beispielsweise im Juli 2014 den Mindestbetrag (12 ×  85,05 € =) 1.020,60 € ein, so hat sie sofort einen Rentenanspruch von rund 120,00 €. Nach rund neun Monaten Rentenbezug steht sie auf der Gewinnerseite – das eingezahlte Geld hat sie dann schon wieder zurück.

Bezieher von Grundsicherung im Alter sollten beim Sozialamt die Übernahme der Nachzahlungssumme beantragen. Da hierdurch künftig der Bedarf auf Grundsicherung reduziert bzw. ganz entfallen kann, dürfte das Grundsicherungsamt nach den Umständen des Einzelfalles die anfallenden Kosten übernehmen.

Beispiel:

Frau Meier hat nach ihrer Heirat ein Kind geboren. Bislang reichte das eine Jahr, das ihr hierfür auf die Wartezeit angerechnet wurde, nicht für einen Rentenanspruch. Gerne hätte sie nachgezahlt, aber ihre finanzielle Situation ließ es damals einfach nicht zu. Ab dem 1.7.2014 ist ihr Kind aber zwei Jahre für die Wartezeit wert. Damit hat sich ihre Wartezeit-Lücke automatisch von vier auf drei Jahre verkürzt. Allerdings steht hier im Vergleich zu Beispiel 2 einer deutlich höheren Nachzahlungssumme von 3.061,80 € eine geringere Rente von rund 70,00 € gegenüber (= 57,00 € Rente für ein Kind (entspricht 2 Jahren Wartezeit) und 13,00 € Rente für den Mindestbeitrag in Höhe von insgesamt 3.061,80 € für die restlichen 3 Jahre). Der finanzielle Aufwand für die Nachzahlung lohnt sich aber: Nach 44 Monaten hat sie ihr Geld wieder raus. Pro Jahr erzielt sie eine Rente von 840,00 € gleich 28 % des Nachzahlungsbetrags von rund 3.000,00 €.

Bei allen drei Beispielen sind spätere Rentensteigerungen ebenso wenig berücksichtigt wie die Beitragspflicht zur Kranken- und Pflegeversicherung (falls gesetzlich versichert, gehen gut 10 % von der Rente ab, bei privat krankenversicherten Rentnerinnen kommt noch ein Zuschuss von 7,2 % der Rente hinzu).

Mütter, die über 65 Jahre alt sind und noch keine Altersrente beziehen, sollten sich umgehend bei der Deutschen Rentenversicherung beraten lassen, damit sie ggf. mit einer Nachzahlung von freiwilligen Beiträgen ab Juli 2014 von der Mütterrente profitieren.

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