Lohnende Zusatzrente aus der gesetzlichen Rentenversicherung

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Die gesetzliche Rente reicht nicht, daher ist eine Zusatzrente aus privater oder betrieblicher Altersvorsorge unverzichtbar. So lautet das seit über 15 Jahren verkündete Mantra.

Die gerade erschienene Studie Zusätzliche Altersvorsorge für Arbeitnehmer in der gesetzlichen Rentenversicherung, siehe http://www.vers-berater.de/zusaetzliche-altersvorsorge-grv.html läutet möglicherweise einen Umdenkprozess ein. Laut Werner Siepe, Finanzmathematiker und Verfasser dieser Studie, müsste der obige Satz wie folgt ergänzt werden Die gesetzliche Rente aus Pflichtbeiträgen reicht nicht. Eine zusätzliche gesetzliche Rente aus freiwilligen Zusatzbeiträgen ist auch für Arbeitnehmer möglich und oft sinnvoll.

Drei Möglichkeiten für freiwillige Zusatzbeiträge

In der Studie werden drei Möglichkeiten erwähnt, mit denen Arbeitnehmer freiwillige Zusatzbeiträge zur gesetzlichen Rente leisten können. Außer den freiwilligen Beiträgen in Auszeiten für Hausfrauen oder Hausmänner ohne Pflichtbeiträge sind dies zunächst Nachzahlungsbeträge für Ausbildungszeiten bei Zahlung vor Vollendung des 45. Lebensjahres und für eine noch nicht erreichte fünfjährige Wartezeit bei vor 1955 geborenen Müttern mit Zahlung nach Erreichen der Regelaltersgrenze.

Weitgehend unbekannt ist zudem die dritte Möglichkeit: Die Zahlung von Ausgleichsbeträgen zur Abwendung eines Rentenabschlags bei vorzeitiger Altersrente oder beim Versorgungsausgleich.

Ausgleichsbeträge als zusätzliche Altersvorsorge

Alle Arbeitnehmer, die das 55. Lebensjahr vollendet haben und für die rentenrechtliche Zeiten von mindestens 35 Jahren bis zum Alter von 63 aus heutiger Sicht erreichbar sind, können sich eine recht attraktive Zusatzrente aus der gesetzlichen Rentenversicherung aufbauen.

Der Hebel dazu ist die Zahlung eines Ausgleichsbetrages zur Kompensation der im Alter von 63 Jahren anfallenden Rentenabschläge, sofern eine abschlagsfreie Rente ab 63 wegen der nicht mehr erreichbaren 45 Versicherungsjahre nicht möglich ist.

Was viele nicht wissen: Der hohe Ausgleichsbetrag kann auch in Teilzahlungen erfolgen, zum Beispiel über fünf Jahre für einen in 1958 geborenen Arbeitnehmer, der nächstes Jahr 58 Jahre alt wird (58er). Den Ausgleichsbetrag von 40.000 € zum Ausgleich eines Rentenabschlags von 10,8 % bzw. rund 160 € im Monat bei Berücksichtigung der ab 1.7.2016 zu erwartenden kräftigen Rentenerhöhung kann der 58er also über fünf Jahresraten zu jeweils 8.000 € aufbringen.

Die fünf Teilzahlungen sinken auf jährlich 4.000 €, wenn nur die Hälfte des Rentenabschlags ausgeglichen werden soll. Selbstverständlich fällt dann auch nur der halbe Rentenabschlag von 80 € bei der vorgezogenen Altersrente mit 63 Jahren weg. Sofern man nicht mit 63 in Rente geht, erhöhen sich durch die laufenden Teilzahlungen die Entgeltpunkte und damit später auch die Altersrente beim Erreichen der Regelaltersgrenze von 66 Jahren für Jahrgang 1958.

Ausgleichsbetrag lohnt sich im Vergleich zum Einmalbeitrag zur Rürup-Rente

Dass sich die Zahlung des Ausgleichsbetrags in die gesetzliche Rentenversicherung auch finanziell lohnt, zeigt der folgende Vergleich. Wenn der 58jährige Arbeitnehmer 40.000 € als Einmalbeitrag mit einer bis zum 63. Lebensjahr aufgeschobenen Rente in die klassische Rürup-Rentenversicherung einzahlt, erhält er unter Einschluss der Hinterbliebenenabsicherung eine garantierte Rürup-Rente von monatlich 125,90 € bei der Europa Lebensversicherung (mit Beitrags- und Kapitalrückgewähr) und 120,42 € bei der Hannoversche Leben (mit Beitragsrückgewähr und 60 % Hinterbliebenrente für gleichaltrigen Ehepartner).

Die garantierte gesetzliche Rente aus dem Ausgleichsbetrag liegt aber bei 160 € brutto, sofern der 58er bis zum 63. Lebensjahr knapp 49 Entgeltpunkte erreichen kann. Beim privat krankenversicherten Rentner macht sie inkl. 7,3 % Zuschuss zur privaten Krankenversicherung bei 172 € aus. Doch auch die garantierte gesetzliche Rente von 143 € nach Abzug des Beitrags zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung übersteigt die garantierte Rürup-Rente bei den kostengünstigen Direktversicherern Europa und Hannoversche Leben noch um 14 bis 20 %.

Sogar die reinen Altersrenten (ohne Beitragsrückgewähr, Rentengarantiezeit und Hinterbliebenenabsicherung) liegen mit garantierten 140,29 € (Europa Lebensversicherung) bzw. 136,40 € (Hannoversche Leben) unter der garantierten gesetzlichen Rente von 143 € für gesetzlich krankenversicherte Rentner.

Ausgleichsbetrag künftig auch für 50-Jährige möglich

Nach der Einigung zur Flexi-Rente am 10.11.2015 soll die Altersgrenze für die Einmal- oder Teilzahlung von Ausgleichsbeträgen ab 1.7.2016 auf 50 Jahre sinken. Dann wäre dies auch für die bis 1966 geborenen Arbeitnehmer (Gruppe 50plus im Jahr 2016) interessant. Sie könnten dann den Ausgleichsbetrag für den recht hohen Rentenabschlag von 14,4 % bei der Rente mit 63 in Form von Teilzahlungen auf insgesamt 13 Jahre verteilen.

Noch ist es nicht soweit. Der Gesetzentwurf zur Flexi-Rente soll Anfang des Jahres 2016 auf den Tisch kommen. Wenn das Gesetz dann ab 1.7.2016 tatsächlich in Kraft tritt, eröffnen sich im nächsten Jahr für die Jahrgänge 1953 bis 1966 ganz neue Möglichkeiten, um ihre gesetzliche Rente aus Pflichtbeiträgen mit freiwilligen Zusatzbeiträgen aufzubessern.

Aktuelle Diskussion um freiwillige Zusatzbeiträge und Höherversicherungsbeiträge

Die Studie weist darauf hin, dass es über die Ausgleichsbeträge hinaus künftig vom Alter unabhängige freiwillige Zusatzbeiträge geben könnte, wie dies bereits seit dem Jahr 2011 von Vertretern der Deutschen Rentenversicherung vorgeschlagen wird und bereits Eingang in zwei Gesetzentwürfen aus dem Jahr 2012 gefunden hat.

Außerdem wird die Wiedereinführung der bis Ende 1998 möglichen Höherversicherungsbeiträge ins Gespräch gebracht, zuletzt am 20.11.2015 über Saskia Wollny, Geschäftsführerin der DRV Rheinland-Pfalz. Eine solche Wiederbelebung der Höherversicherung müsste jedoch laut Studienautor Siepe auf einem deutlich niedrigeren Leistungsniveau erfolgen, damit dies für die Deutsche Rentenversicherung nicht zu teuer wird.

Alle geförderten und nicht-geförderten Formen der Altersvorsorge stellen Ihnen unsere Vorsorge-Experten in einem neuen Ratgeber vor: So schließen Sie Ihre Rentenlücke: Zusätzliche Altersvorsorge für 50plus .

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