Kinderrente: Höhere Rente für Kinderreiche und Vorsorgepflicht für Kinderlose

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Für die Einführung einer Kinderrente plädieren das Münchner ifo-Institut für Wirtschaftsforschung (www.cesifo-group.de) und das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (www.iwkoeln.de). Ziel sei es, die Geburtenrate in Deutschland zu erhöhen.

Ifo-Chef Hans-Werner Sinn will den Beitragssatz und den Bundeszuschuss zur gesetzlichen Rentenversicherung einfrieren, um den künftigen Rentenanstieg zu drosseln. In 30 Jahren sinkt dadurch das Rentenniveau auf die Hälfte. Kinderreiche sollten deutliche Rentenzuschläge erhalten, während Kinderlose 6-8 % ihres Arbeitseinkommens für die private Altersvorsorge anlegen müssten (siehe: Kinderrente soll Rentensystem revolutionieren.

Erst vom dritten Kind an soll es weiterhin die volle Altersrente geben. "Wer keine Kinder hat, kann das bei der Kindererziehung eingesparte Geld am Kapitalmarkt anlegen, um sich so die Rente zu sichern, deren Zahlung er den Kindern anderer Leute in voller Höhe nicht mehr zumuten kann," schreibt Sinn in seinem Konzept unter dem Titel "Das demographische Defizit".

Dass der Staat die Leistungen von Familien im Hinblick auf die Stabilität der Sozialversicherungen nicht ausreichend honoriert, kritisiert auch das Bundesverfassungsgericht. Der frühere Bundesverfassungsrichter Paul Kirchhof weist laut FAZ darauf hin, dass die Politik die einschlägigen Urteile ignoriere.

Dagegen hält Bert Rürup, Rentenexperte und ehemaliger Regierungsberater, eine gesetzliche Rente, die Kinderreiche begünstigt und Kinderlose bestraft, für unnötig, weil es keinen Beleg dafür gebe, dass die deutsche Rentenversicherung die Ursache für die seit über 40 Jahren sehr niedrig liegende Geburtenrate sei, wie er im Handelsblatt schreibt. Der Staat müsse eltern- und damit kinderfreundliche Rahmenbedingungen schaffen. Familienpolitik sei keine Aufgabe der Rentenversicherung.

Hintergrund

Um die seit langem absehbare demographische Krise des deutschen Rentensystems zu bewältigen, müssen laut ifo-Institut die Leistungen der gesetzlichen Rentenversicherung stärker als bisher nach der Kinderzahl der Versicherten differenziert werden. Gleichzeitig ist eine kompensierende Vorsorgepflicht für Versicherte mit geringer Kinderzahl erforderlich. "Das ifo Institut hat in den vergangenen Jahren einen konkreten Lösungsvorschlag entwickelt, der das deutsche Rentensystem während der Phase des akuten demographischen Wandels bis zum Jahr 2035 stabilisiert und auch für seine weitere Entwicklung mit neuen, langfristig tragfähigen Rahmenbedingungen versieht", erläutert Martin Werding, Leiter des Bereichs Sozialpolitik und Arbeitsmärkte des Münchner ifo-Instituts.

Das ifo Modell besteht aus mehreren Komponenten, die in ihrer Summe bei niedrigeren Beiträgen das aktuelle Rentenniveau langfristig erhalten. "Nach den bereits heute beschlossenen Reformen wird sich das Bruttostandardrentenniveau, das gegenwärtig bei knapp 48 Prozent liegt, bis 2035 auf 37,5 % reduzieren", rechnet Werding vor. Gleichzeitig steigt der Beitragssatz von 19,5 auf 24 %. Ohne den gleichfalls stark steigenden Bundeszuschuss müsste er sogar auf 28 % steigen.

Reformvorschlag 1: Gesetzliche Rentenversicherung

Der Beitragssatz der gesetzlichen Rentenversicherung (GRV) wird auf dem derzeitigen Niveau eingefroren. Der Bundeszuschuss wird in Relation zu den Beiträgen ebenfalls fixiert (und bis 2035 sukzessive in das ergänzende System der "Kinderrente" übergeleitet). Der demographische Wandel führt unter diesen Bedingungen langfristig zu einer noch deutlicheren Senkung des allgemeinen Rentenniveaus als nach derzeitigem Recht. Durch eine Heraufsetzung des gesetzlichen Rentenalters auf 67, die, wie derzeit bereits geplant, von 2011 bis 2030 Schritt für Schritt wirksam wird, wird dieser Effekt spürbar gemildert. Trotzdem sind daneben zwei weitere Rentensäulen erforderlich, um eine insgesamt adäquate Altersvorsorge zu gewährleisten.

Reformvorschlag 2: Kinderrente

Neben die herkömmliche GRV tritt eine Umlagerente für alle Bürger, die aus Beiträgen aller Erwerbstätigen finanziert wird und Leistungen an alle Eltern gewährt. Diese werden als einheitlicher Betrag je Kind bemessen und so abgestuft, dass sie bei durchschnittlichen GRV-Versicherten, die drei und mehr Kinder aufgezogen haben, die langfristig zu erwartende Absenkung des Rentenniveaus unter das heutige Niveau exakt ausgleichen.

Reformvorschlag 3: Ergänzende Vorsorgepflicht

Alle Versicherten werden verpflichtet, eine ergänzende, kapitalgedeckte Altersvorsorge aufzubauen, die für kinderlose und kinderarme Personen den Rückgang des Rentenniveaus gleichfalls kompensiert. Ab dem Eintritt ins Erwerbsleben müssen sie dafür einen bestimmten Anteil ihres Bruttolohnes sparen. Bei der Geburt von bis zu drei Kindern wird jeweils ein Drittel des bis dahin angesammelten Vorsorgevermögens zur sofortigen Verwendung frei. Der maßgebliche Satz für die weitere Vorsorge reduziert sich ebenfalls um ein Drittel.

Quellen: ifo, F.A.Z. und Handelsblatt vom 18.11.2013

Weitere Informationen zur Kinderrente finden Sie in der Geldtipps-News "Kinderrente soll Rentensystem revolutionieren".

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