Jede Rentenerhöhung erhöht die Anzahl besteuerter Rentner

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Für rund 70.000 Bestandsrentner führt die jüngste Rentenerhöhung erstmals zu einer Steuerlast.

Das Bundesfinanzministerium rechnet durch die zum 1.7.2015 erfolgte Rentenerhöhung mit Steuermehreinnahmen in Höhe von rund 310 Millionen Euro. Insgesamt werden im kommenden Jahr 2016 bereits rund 3,9 Millionen Rentner steuerpflichtig sein. Das ist etwa jeder fünfte Rentner. Im Jahr 2011 waren erst 3,5 Millionen Rentner steuerlich belastet.

Das Bundesfinanzministerium verweist darauf, dass ein zusammen veranlagtes Paar als ein Steuerpflichtiger zählt, sodass auch die Renteneinkünfte steuerlich belastet werden. Zugleich betont das Ministerium, dass die Steuerlast nicht allein davon abhängt, ob der steuerpflichtige Teil der Rente den Grundfreibetrag übersteigt. Ausschlaggebend könne auch die Höhe weiterer Einkünfte sein – etwa Kapitalerträge oder Mieteinnahmen.

Hintergrund

Rentenerhöhungen sind seit 1.1.2005 voll steuerpflichtig. Deshalb rutschen durch Rentenerhöhungen Zehntausende von Bestandsrentnern – selbst wenn sie bislang keine Steuern zu zahlen hatten – in die Besteuerung, weil ihre Einkünfte dann über den steuerlichen Freibeträgen liegen (Grundfreibetrag 8.472 €, Werbungskostenpauschbetrag 102 €, Sonderausgabenpauschbetrag von 36 € und die abzugsfähigen Vorsorgeaufwendungen, z.B. für die Kranken- und Pflegeversicherung).

Während die Beitragszahler zunehmend steuerfrei in die Rentenkasse einzahlen, muss jeder Neurentnerjahrgang einen jährlich steigenden Anteil seiner gesetzlichen Rente versteuern. Im Jahr 2005 wurde der zu versteuernde Rentenanteil abrupt auf 50 Prozent festgelegt und damit nahezu verdoppelt. In diesem Jahr liegt der steuerpflichtige Anteil bei 70 Prozent der Bruttorente, 2016 werden es 72 Prozent sein. Ab dem Renteneintrittsjahr 2040 ist die gesetzliche Rente zu 100 Prozent zu versteuern.

Der bei Renteneintritt festgeschriebene Rentenfreibetrag führt dazu, dass Erhöhungsbeträge aus regelmäßigen Rentenanpassungen in voller Höhe (nicht nur mit dem Besteuerungsanteil) das zu versteuernde Einkommen erhöhen. Das betrifft somit auch Bestandsrentner.

Für das kommende Jahr 2016 geht die Bundesregierung von einer Rentenanhebung um 4,3 Prozent im Westen und um 5,0 Prozent im Osten aus. In den beiden folgenden Jahren 2017 und 2018 soll das Renten-Plus dann bei jährlich durchschnittlich 2,5 Prozent liegen. Dann werden weitere Bestandsrentner von der Rentenbesteuerung belastet sein.

Welche Werbungskosten können Rentner steuermindernd geltend machen?

Als Rentner mit Einnahmen von mehr als rund 8.500 € im Jahr (Verheiratete das Doppelte) müssen Sie eine Einkommensteuererklärung abgeben und die Anlage R ausfüllen. Dort machen Sie Ihre Werbungskosten nach dem gleichen Prinzip wie bei den Einkünften aus nichtselbstständiger Arbeit geltend. Welche Ausgaben dazu gehören und was Rentner besonders beachten müssen, erfahren Sie im Folgenden.

In die Anlage R Ihrer Steuererklärung tragen Sie nicht nur die gesetzliche Rente ein, sondern auch Renten aus privaten Versicherungen, Zusatzversorgungsrenten nach dem öffentlichen Dienst, bestimmte Betriebsrenten und Leistungen aus einer Riester-Rente oder Rürup-Rente.

Ihre Werbungskosten können Sie nachweisen oder Sie erhalten auf jeden Fall einen Pauschbetrag (§ 9a Nr. 3 EStG). Machen Sie keine Eintragungen in den Zeilen Werbungskosten auf der Rückseite der Anlage R, berücksichtigt das Finanzamt zur Ermittlung Ihrer steuerpflichtigen Renteneinkünfte zumindest den Werbungskosten-Pauschbetrag von 102 €. Dazu sollten Sie Folgendes wissen:

  • Der Werbungskosten-Pauschbetrag ist ein Jahresbetrag. Er wird nicht gekürzt, wenn die Rente erst im Laufe des Jahres beginnt.

  • Beziehen Sie mehrere Renten, erhalten Sie den Pauschbetrag nicht für jede Rente, sondern insgesamt nur einmal. Er erhöht sich auch dann nicht, wenn Sie eine Rentennachzahlung für mehrere Jahre erhalten.

  • Ehepartner erhalten den Pauschbetrag jeweils gesondert, wenn beide eine Rente beziehen.

  • Der Pauschbetrag kann Ihre Renteneinkünfte allenfalls auf 0 € reduzieren, er kann aber niemals zu negativen Einkünften führen.

Kosten im Zusammenhang mit Renten sind eher die Ausnahme. Gleichwohl kann es lohnenswert sein, die Werbungskosten einzeln nachzuweisen. Denn der Werbungskosten-Pauschbetrag von nur 102 € ist schnell überschritten. Was aber sind das für Kosten, die Sie bei den Renteneinkünften steuermindernd geltend machen können?

Unter Werbungskosten versteht man alle Aufwendungen zum Erwerb, zur Sicherung und Erhaltung Ihrer Renteneinnahmen. Dazu zählen im Wesentlichen:

  • Gewerkschaftsbeiträge, die Sie als Rentner entrichten;

  • Steuerberatungskosten wie zum Beispiel die Kosten für die SteuerErklärung für Rentner und Pensionäre ;

  • Schuldzinsen für einen Kredit, den Sie aufgenommen haben, um freiwillige Beiträge an die gesetzliche Rentenversicherung nachzuentrichten;

  • Kosten im Zusammenhang mit der Beantragung einer Rente sowie in diesem Zusammenhang evtl. entstandene Rechtsberatungskosten und Prozesskosten;

  • Kosten für einen Rentenberater bzw. Versicherungsberater, die im Zusammenhang mit Ansprüchen aus der gesetzlichen Rentenversicherung oder aus privaten Rentenversicherungen stehen;

  • Unseres Erachtens können Rentner – wie aktive Arbeitnehmer auch – eine pauschale Kontoführungsgebühr von 16 € im Jahr ansetzen.

Übrigens: Auch wenn Sie Ihre Rente nur mit dem Besteuerungsanteil bzw. Ertragsanteil versteuern, können Sie Ihre Werbungskosten in voller Höhe absetzen.

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