Hohe Abzüge von der gesetzlichen Rente?

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Für Irreführung haben verschiedene Medienberichte über die hohen Abzüge bei der gesetzlichen Rente gesorgt. Gleichzeitig wurden die jährlich versandten Renteninformationen der Deutschen Rentenversicherung scharf kritisiert, weil dort auf diese hohen Abzüge (Beiträge zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung sowie Steuern) angeblich nicht hingewiesen würde.

Richtig ist aber: In jeder Renteninformation findet sich gleich auf der Vorderseite der Satz: Bitte beachten Sie, dass von der Rente auch Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge sowie gegebenenfalls Steuern zu zahlen sind. Weiter heißt es in der Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung: Sollten bis zur Regelaltersgrenze Beiträge wie im Durchschnitt der letzten fünf Kalenderjahre gezahlt werden, bekämen Sie ohne Berücksichtigung von Rentenanpassungen von uns eine monatliche Rente von ..... €.

Die auf diese Weise hochgerechnete gesetzliche Rente pro Monat ist nichts anderes als eine Bruttorente. Davon gehen bei gesetzlich krankenversicherten Rentnern aktuell Beiträge in Höhe von 10,25 % für die gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung ab (bei Rentnern ohne Kinder 10,5 %). Beispiel: Bei einer Bruttorente von 1.266,00 € (sog. Standardrente, entspricht einer Rente nach 45 Beitragsjahren mit Beitragszahlung bei einem Durchschnittsverdienst) bleibt nach Abzug dieser Beiträge noch eine Nettorente vor Steuern in Höhe von 1.133,00 € bis 1.136,00 € übrig.

Eine solche Klarstellung in der aktuellen Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung wäre wünschenswert, damit künftige Rentner eine ungefähre Vorstellung über die Höhe der Nettorente vor Steuern (sog. Rentenzahlbetrag) haben. Hinzu sollte der Hinweis treten, dass Steuern auf die gesetzliche Rente von der Höhe der Bruttorente, der Beiträge zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung, dem Renteneintrittsjahr sowie dem Familienstand (alleinstehend bzw. verheiratet, also Grund- oder Splittingtabelle bei der Einkommensteuer) abhängen.

Alleinstehende Neurentner im Jahr 2014 müssen beispielsweise 68 % ihrer Bruttorente versteuern, können aber davon noch die Beiträge zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung sowie die Werbungskosten- und Sonderausgabenpauschale von zusammen 138,00 € pro Jahr abziehen (bei höheren nachgewiesenen Beträgen entsprechend mehr). Das zu versteuernde Einkommen des alleinstehenden Standardrentners läge mit jährlich rund 8.600,00 € im Jahr 2014 gerade einmal um 246,00 € über dem ab 2014 geltenden steuerlichen Grundfreibetrag von 8.354,00 €, sodass nur eine minimale Steuer von 35,00 € jährlich bzw. rund 3,00 € monatlich anfällt. Die Nettorente nach Steuern würde daher mindestens noch 1.130,00 € bzw. rund 89 % der Bruttorente ausmachen.

Nur im steuerlich denkbar ungünstigsten Fall (einer hochgerechneten monatlichen gesetzlichen Rente in Höhe von 2.200,00 € ohne Berücksichtigung von Rentensteigerungen, Rentenbeginn in 2040 mit voller Besteuerung der Rente, Einkommensteuer-Grundtabelle für Alleinstehende ohne weitere Alterseinkünfte) beläuft sich die Steuer auf 3.800,00 € jährlich bzw. rund 317,00 € monatlich. In diesem Sonderfall (hohe Bruttorente, volle Besteuerung in 2040, alleinstehend) macht die Steuerbelastung 14,4 % der monatlichen Bruttorente aus. Zusammen mit den Beiträgen zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung von zurzeit 10,5 % wären dies dann rund 25 %. Nur in diesem völlig untypischen Fall macht die Nettorente nach Steuern 1.652,00 € und damit nur 75 % der Bruttorente von 2.200,00 € aus.

Warum die in den Medien genannten Experten ausgerechnet diesen in weiter Zukunft liegenden Rentenbeginn und/oder Höher- bzw. Spitzenverdiener mit entsprechend hoher Bruttorente für ihre plakative Aussage Abzüge von bis zu 25 Prozent bei der gesetzlichen Rente zugrunde legen, bleibt ihr Geheimnis. Der in Plusminus (ARD) zitierte Experte rechnete fälschlicherweise auch noch die Kürzung des Rentenniveaus mit ein. Eine ohne Berücksichtigung von Rentensteigerungen hochgerechnete monatliche Bruttorente kann aber nach der im Jahr 2009 beschlossenen Rentengarantie gar nicht sinken. Auch die im Musterfall beim ehrlichen Renten-Rechner der Bild-Zeitung angegebene monatliche Bruttorente von 2.499,00 € für einen Rentenbeginn in 2014 ist schlicht und einfach von keinem einzigen Neurentner des Jahres 2014 in Deutschland erzielbar.

Lassen Sie sich nicht durch Horrormeldungen in den Medien über hohe Abzüge von 25 % bei der gesetzlichen Rente verunsichern. Maßgeblich für Sie ist nur Ihre individuelle gesetzliche Rente, bei der die Abzüge für Beiträge und Steuern mit Sicherheit deutlich niedriger als 25 % der Bruttorente ausfallen. Privat krankenversicherte Rentner erhalten zudem einen Zuschuss zu ihrer privaten Krankenversicherung in Höhe von 7,3 % der Bruttorente und werden von Beiträgen für die gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung bei der gesetzlichen Rente verschont.

Quelle: "Der GeldBerater", März 2014

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