Höhere Rente durch Kindererziehung

 - 

(verpd) Normalerweise erhält man von der gesetzlichen Rentenversicherung (GRV) nur dann eine Rente, wenn man selbst Beiträge, beispielsweise einen bestimmten Einkommensanteil, in die GRV einbezahlt hat. Der Elternteil, der ein Kind selbst erzogen hat, hat unter Umständen einen Rentenanspruch, auch ohne dass er Beiträge an die GRV geleistet hat.

Ein Vater oder eine Mutter, aber auch ein Pflegeelternteil, das ein Kind hauptsächlich erzieht, gilt in der gesetzlichen Rentenversicherung automatisch als pflichtversichert. Das Elternteil selbst muss dafür keine Rentenversicherungs-Beiträge bezahlen. Diese übernimmt nämlich der Bund. Dadurch ergibt sich für den erziehenden Elternteil ein höherer Rentenanspruch.

Dieser Elternteil wird automatisch rentenrechtlich so gestellt, als hätte er bis maximal drei Jahre jeweils das Durchschnittseinkommen aller in der gesetzlichen Rentenversicherung Versicherten – das sind in 2013 beispielsweise rund 34.071 € – verdient.

Auswirkung auf die Rentenhöhe

Für diese Zeit, die sogenannte Kindererziehungszeit, zahlt der Bund Beiträge an die gesetzliche Rentenversicherung entsprechend dem angenommenen Durchschnittseinkommen ein. Damit erhöht sich der Rentenanspruch des Elternteils, selbst wenn er in dieser Zeit nichts verdient. Nach Angaben des Deutschen Rentenversicherung Bund ergibt sich für ein Jahr Kindererziehung aktuell eine monatliche Rentensteigerung von 28,14 € in den alten und 25,74 € in den neuen Bundesländern.

Ist der erziehende Elternteil neben der Kindererziehung erwerbstätig, profitiert er trotzdem von der Kindererziehungszeit. Er bekommt zu seinem Rentenanspruch aus seinem Einkommen auch den Rentenanspruch aus dem Durchschnittseinkommen aller in der gesetzlichen Rentenversicherung Versicherten angerechnet. Höchstens jedoch, bis beide Einkommen zusammen die aktuelle Beitragsbemessungs-Grenze der Rentenversicherung nicht überschreiten – für 2013 sind das monatlich 5.800 € in den alten und 4.900 € in neuen Bundesländern.

Zwei Kinder – doppelte Berücksichtigung

Die Kindererziehungszeit beginnt mit dem Monat nach der Geburt des Kindes und endet 36 Monate danach. Eltern, deren Kinder vor dem 1.1.1992 geboren wurden, erhalten maximal zwölf Kalendermonate als Kindererziehungszeiten angerechnet. Ist beispielsweise das Kind am 20.12.2012 geboren, steht dem Erziehenden eine Anrechnung der Kindererziehungszeit vom 1.1.2013 bis 31.12.2016 zu.

Werden mehrere Kinder von einem Elternteil erzogen, multipliziert sich die angerechnete Zeit um die Anzahl der Kinder. Bei zwei Kindern, die nach dem 1.1.1992 geboren wurden, werden also bei den Rentenansprüchen des erziehenden Elternteils 72 Monate Kindererziehungszeiten berücksichtigt.

Nur einer hat Anspruch auf die Kindererziehungszeit

Prinzipiell steht die Kindererziehungszeit nur einem Elternteil zu, und zwar demjenigen, der das Kind überwiegend erzogen hat. Wird ein Kind von beiden Elternteilen gemeinsam erzogen, erhält in der Regel die Mutter die Kindererziehungszeit. Sollte diese jedoch für den Vater gelten, muss eine entsprechende gemeinsame Erklärung von beiden Elternteilen abgegeben werden. Diese kann maximal zwei Kalendermonate rückwirkend gestellt werden.

Wer für die angerechneten Kindererziehungszeiten eine Rente bekommen möchte und bisher selbst nie in die GRV eingezahlt hat, beispielsweise in Form von Arbeitnehmerabgaben, benötigt bis zum Erreichen der Regelaltersgrenze insgesamt mindestens 60 Monate an Beitragszeiten.

Mit freiwilligen Beträgen die Rentenvoraussetzung erfüllen

Werden diese alleine durch die Kindererziehungszeiten nicht erreicht, können die fehlenden Monate mittels freiwilliger monatlicher Beiträge ausgeglichen werden. Die monatliche Beitragshöhe ist frei wählbar zwischen dem Mindestbeitrag von 85,05 € und dem Höchstbeitrag von 1.096,20 €.

Nur wer vor dem 1.1.1955 geboren ist, kann jedoch die erforderliche fünfjährige Mindest-Versicherungszeit durch eine einmalige Nachzahlung erreichen. Allerdings muss dafür der Antrag frühestens sechs Monate vor Erreichen des Regelalters gestellt werden.

Individuelle Berechnungen

Detaillierte Informationen, wie sich die Kindererziehung auf die Rente auswirkt, bietet die aktualisierte, herunterladbare Broschüre „Kindererziehung: Ihr Plus für die Rente“, herausgegeben vom Deutschen Rentenversicherung Bund. Persönliche Fragen werden unter der kostenlosen Servicetelefonnummer 0800 10004800 der Deutschen Rentenversicherung (DRV) sowie bei den Beratungsstellen des DRV beantwortet.

Weitere News zum Thema

  • Die gesetzliche Altersrente alleine reicht nicht

    [] (verpd) Alles in allem wird das Rentensystem in Deutschland, das aus der gesetzlichen, betrieblichen und privaten Altersvorsorge besteht, auch künftig funktionieren. Allerdings sollten je nach Region insbesondere Jüngere vermehrt für das Rentenalter privat vorsorgen, da bei vielen die Höhe der gesetzlichen Rente weniger als 39 Prozent ihres letzten Bruttoeinkommens sein wird. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie. mehr

  • Altersarmut ist überproportional weiblich

    [] (verpd) Nach einer offiziellen Statistik mussten im März 2017 über eine halbe Million Bürger, die die Altersgrenze für die gesetzliche Altersrente überschritten haben, mit der Grundsicherung im Alter vom Staat finanziell unterstützt werden, um ihren Lebensunterhalt zu sichern. Der Großteil davon waren Frauen. mehr

  • Bei Jobverlust sinkt die gesetzliche Altersrente

    [] (verpd) Wer seinen Job verliert und während der Arbeitslosigkeit von der Agentur für Arbeit Arbeitslosengeld I erhält, ist grundsätzlich in der gesetzlichen Rentenversicherung abgesichert. Dennoch mindert sich durch die Arbeitslosigkeit die künftige Rentenhöhe. mehr

  • Riester- und Rürup-Rente: Produktinformationsblatt ist Pflicht

    [] Seit Anfang dieses Jahres gilt für Anbieter zertifizierter Altersvorsorgeverträge (sogenannte Riester-Renten) sowie Basisrentenverträge (sogenannte Rürup-Rentenverträge) eine neue Pflicht: Sie müssen jedem Kunden vor Abschluss des Vertrags ein Produktinformationsblatt (PIB) aushändigen. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.