Gesetzliche Rente schlägt Rürup-Rente

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Viele wollen es nicht glauben, aber es ist längst Tatsache: Freiwillige Beiträge zur gesetzlichen Rente lohnen sich mehr als Beiträge zur Rürup-Rente, sofern der Beitragszahler und künftige Rentner heute zwischen 43 und 60 Jahren alt ist.

Das ist das Ergebnis einer Vorteilsrechnung des Finanzmathematikers Werner Siepe, Autor bei der Akademischen Arbeitsgemeinschaft.

Noch gibt es einen Wermutstropfen: Von dieser Vorteilhaftigkeit können nach § 7 SGB VI (Gesetzliche Rentenversicherung) bisher nur nicht rentenversicherungspflichtige Personen (zum Beispiel Beamte, Freiberufler und Selbstständige) profitieren, die freiwillige Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen. Mittlerweile gibt es jedoch erste zaghafte Pläne, die Möglichkeit der freiwilligen Versicherung auch auf rentenversicherungspflichtige Arbeitnehmer auszuweiten.

Vergleichsrechnung sieht gesetzliche Rente vorne

Bei den Garantierenten liegt die gesetzliche Rente sogar immer vorne. Das ist die Folge des auf nur 1,25 % gesunkenen Garantiezinses bei Neuabschlüssen ab 2015 für die klassische Rürup-Rentenversicherung mit Hinterbliebenenabsicherung.

Bei kapitalgedeckten privaten Renten wie der Rürup-Rente hängt die garantierte und mögliche Leistung ganz entscheidend vom jeweiligen Zinsniveau ab. Für die Höhe der umlagefinanzierten gesetzlichen Rente spielt hingegen die Beschäftigungs- und Lohnentwicklung eine entscheidende Rolle. Steigen die Löhne, werden auch die gesetzlichen Renten steigen, wenn auch nicht in der gleichen prozentualen Höhe.

Trotz dieser systembedingten Unterschiede bietet sich ein Vergleich von gesetzlicher Rentenversicherung und klassischer Rürup-Rentenversicherung mit Witwen- bzw. Witwerrente aus wirtschaftlicher Sicht der Beitragszahler und späteren Rentenempfänger geradezu an, da für beide Versicherungen die exakt gleichen Steuerregeln gelten. So sind beispielsweise die im Jahr 2015 gezahlten Beiträge zu 80 % und ab 2025 zu 100 % steuerlich abzugsfähig. Auch der vom Rentenbeginn abhängige Besteuerungsanteil von gesetzlicher Rente und Rürup-Rente ist völlig identisch.

Die folgende Tabelle vergleicht die jeweiligen Bruttorenten vor Steuern und vor Beiträgen zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung, aber einschließlich eines Zuschusses von 7,3 % zur privaten Krankenversicherung bei der gesetzlichen Rente miteinander. Dabei wird eine Beitragssumme von 30.000 € angenommen. Für eine Beitragssumme von beispielsweise 60.000 € liegen die Bruttorenten doppelt so hoch. Freiwillige Beiträge zur gesetzlichen Rente können zwischen 1.010 € (Mindestbeitrag) und 13.576 € (Höchstbeitrag) pro Jahr geleistet werden. Ansprüche auf eine gesetzliche Rente entstehen nur bei einer Beitragsdauer von mindestens fünf Jahren (Wartezeit). Daher könnten heute 60-Jährige, die bisher nicht rentenversicherungspflichtig waren, für fünf Beitragsjahre noch insgesamt 67.880 € einzahlen. Ihre garantierte gesetzliche Rente brutto läge dann bei 3.835 € im Jahr oder 320 € im Monat. Bei Berücksichtigung von Rentensteigerungen sind im ersten Rentenjahr sogar 4.100 € drin bzw. monatlich 342 € brutto.

Vergleich mit folgenden Annahmen: Beitragssumme 30.000 €, jährlicher Beitrag bis zur Regelaltersgrenze, mit Hinterbliebenenabsicherung

Beitragsjahre

jährlicher Beitrag

garantierte Rente p.a.

dynamische Rente p.a.

GRV I

Rürup I

GRV II

Rürup II

5

6.000 €

1.695 €

1.193 €

1.812 €

1.261 €

6

5.000 €

1.677 €

1.197 €

1.817 €

1.283 €

7

4.286 €

1.661 €

1.201 €

1.819 €

1.307 €

8

3.750 €

1.645 €

1.205 €

1.822 €

1.330 €

9

3.333 €

1.629 €

1.210 €

1.825 €

1.356 €

10

3.000 €

1.614 €

1.214 €

1.830 €

1.382 €

11

2.727 €

1.599 €

1.249 €

1.833 €

1.445 €

12

2.500 €

1.584 €

1.253 €

1.839 €

1.474 €

13

2.308 €

1.569 €

1.257 €

1.845 €

1.503 €

14

2.143 €

1.554 €

1.260 €

1.851 €

1.534 €

15

2.000 €

1.539 €

1.264 €

1.856 €

1.567 €

16

1.875 €

1.524 €

1.269 €

1.863 €

1.599 €

17

1.765 €

1.512 €

1.272 €

1.870 €

1.634 €

18

1.667 €

1.497 €

1.276 €

1.878 €

1.669 €

19

1.579 €

1.488 €

1.279 €

1.887 €

1.706 €

20

1.500 €

1.478 €

1.283 €

1.899 €

1.743 €

21

1.429 €

1.470 €

1.287 €

1.911 €

1.782 €

22

1.364 €

1.460 €

1.291 €

1.924 €

1.825 €

23

1.304 €

1.452 €

1.294 €

1.935 €

1.865 €

24

1.250 €

1.443 €

1.298 €

1.950 €

1.909 €

25

1.200 €

1.437 €

1.301 €

1.967 €

1.995 €

26

1.154 €

1.431 €

1.306 €

1.983 €

2.001 €

27

1.111 €

1.424 €

1.309 €

1.999 €

2.050 €

28

1.071 €

1.419 €

1.312 €

2.016 €

2.100 €

29

1.035 €

1.413 €

1.317 €

2.034 €

2.153 €

30

1.000 €

1.407 €

1.320 €

2.052 €

2.204 €

GRV I = garantierte gesetzliche Rente aus freiwilligen Beiträgen nach § 7 SGB VI (Gesetzliche Rentenversicherung) inkl. 7,3 % Zuschuss zur privaten Krankenversicherung unter Berücksichtigung des aktuellen Rentenwerts West von 29,21 €, des aktuellen Durchschnittsverdienstes West von jährlich 34.999 € sowie der künftigen Beitragssatzsteigerungen und Senkungen des Rentenniveaus laut Rentenversicherungsbericht 2014 der Bundesregierung

Rürup I = garantierte Rürup-Rente aus klassischer Rürup-Rentenversicherung unter Berücksichtigung einer Hinterbliebenenabsicherung (im Todesfall des Versicherten wird aus dem verbleibenden Kapital eine Hinterbliebenenrente an den überlebenden Ehegatten gezahlt), Tarif Europa Versicherung

GRV II = dynamische gesetzliche Rente unter Berücksichtigung des aktuellen Rentenwerts von 29,21 € inkl. 7,3 % Zuschuss zur privaten Krankenversicherung, einer jährlichen Rentensteigerung um 2 % sowie der künftigen Beitragssatzsteigerungen und Senkungen des Rentenniveaus laut Rentenversicherungsbericht 2014 der Bundesregierung

Rürup II = dynamische Rürup-Rente mit jährlichen Rentensteigerungen aufgrund der erzielten Überschüsse, Tarif Europa Versicherung

Laut Tabelle liegt die dynamische Rürup-Rente beim kostengünstigen Direktversicherer Europa nur ab einer Beitragsdauer von 25 Jahren über der dynamischen gesetzlichen Rente brutto. Ist der gesetzliche Rentner jedoch privat krankenversichert, erhält er noch einen Zuschuss zu seiner privaten Krankenversicherung (PKV) in Höhe von 7,3 % der gesetzlichen Rente. In diesem Fall läge die dynamische Rürup-Rente erst nach 30 Jahren gerade einmal zwei Euro über der dynamischen gesetzlichen Rente inkl. 7,3 % Zuschuss zur PKV.

Schlechter schneiden gesetzliche Rentner ab, die in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) sind und denen zurzeit bis zu 10,8 % der Bruttorente für Beiträge zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung abgezogen werden. Aber auch nach Abzug dieser Beiträge schlägt die gesetzliche Rente eine vergleichbare Rürup-Rente noch bis zu einer Beitragsdauer von 23 Jahren (bei der Garantierente) bzw. 19 Jahren (bei der dynamischen Rente).

Zahlen Sie freiwillige Beiträge zur gesetzlichen Rente, falls Sie nicht rentenversicherungspflichtig sind und Ihre Regelaltersgrenze erst in 5 bis 20 Jahren erreichen. Sofern Sie privat krankenversichert sind, schneidet die gesetzliche Rente auch bei einer Beitragsdauer von 30 Jahren besser ab als die Rürup-Rente. Weitere geldwerte Tipps enthält unser Dossier So lohnend sind freiwillige Beiträge .

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