Gesetzliche Rente oft besser als Riester- und Rürup-Rente

 - 

Da man seine Altersvorsorge-Euros nur einmal anlegen kann, ist es ratsam, sich vorher zu überlegen, welche Vorsorgeform im individuellen Fall die höchste Rendite bringt.

Eine aktuell erschienene Studie der Versicherungsberater-Gesellschaft GmbH (VERS-Berater) belegt, dass die gesetzliche Rente aus freiwilligen Beiträgen in den meisten Fällen sowohl der Riester-Rente in der Rückschau auf 14 Jahre von Anfang 2002 bis Ende 2015 überlegen ist als auch die Rürup-Rente in der Vorschau auf 14 Jahre von Anfang 2016 bis Ende 2029 schlagen wird.

Die vom Finanzmathematiker Werner Siepe verfasste 35-seitige Studie ist unter http://www.vers-berater.de/grv_rente_contra_ruerup_rente.html herunterzuladen.

Freiwillige Beiträge zur gesetzlichen Rente nur für Nicht-Pflichtversicherte

Zurzeit können nur nicht rentenversicherungspflichtige Personen wie Beamte, Freiberufler und Selbstständige regelmäßige freiwillige Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung nach § 7 Abs. 1 SGB VI einzahlen. Der Mindestbeitrag liegt bei monatlich 84,15 € bzw. jährlich 1.009,80 € und der Höchstbeitrag bei monatlich 1.131,35 € bzw. jährlich 13.576,20 € (steigt ab 2016 auf 1.159,40 € pro Monat bzw. 13.912,80 € im Jahr).

Laut Studienautor Siepe wäre es wünschenswert, wenn auch sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer von der Vorteilhaftigkeit der gesetzlichen Rente aus freiwilligen Beiträgen profitieren könnten. Dazu bedarf es lediglich einer Öffnungsklausel in § 7 Abs. 1 SGB.

Rückschau auf 14 Jahre: Gesetzliche Rente oft besser als Riester-Rente

Die gesetzliche Rente wird ab Anfang 2016 monatlich 148 € brutto einbringen für freiwillige Beiträge zur gesetzlichen Rente in Höhe von 2.100 € pro Jahr von Anfang 2002 bis Ende 2015. Diese monatliche Rente ab Erreichen der Regelaltersgrenze schließt zudem den Anspruch auf eine Witwen- bzw. Witwerrente ein.

Ein Riester-Sparer der ersten Stunde könnte als Übersparer mit jährlich 2.100 € inkl. Zulagen über 14 Jahre zwar mit einer Riester-Rente von monatlich brutto 167 € rechnen, wenn man wie in den Rentenversicherungsberichten der Bundesregierung einen Bruttozins von 4 % und Kosten von 10 % der Beitragssumme annimmt. Der Sachverständigenrat der Bundesregierung hielt diese Annahme aber schon im Oktober 2012 für zu optimistisch und ging eher von 3,5 % Bruttozinsen und 15 % der Beitragssumme für Verwaltungskosten aus. In diesem Fall würde die Riester-Rente auf 142 € brutto fallen und damit bereits um 6 € niedriger liegen im Vergleich zur gesetzlichen Rente.

Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass es sich bei dieser Riester-Rente um eine reine Altersrente ohne Hinterbliebenenabsicherung handelt, schneidet die gesetzliche Rente inklusive Hinterbliebenenabsicherung in der Rückschau besser ab.

In allen Rentenversicherungsberichten der Bundesregierung wurde bisher unterstellt, dass der Riester-Sparer jeweils 1 bis 4 % des Durchschnittsentgelts (1 % in 2002–03, 2 % in 2004–05, 3 % ab 2008) inklusive Zulagen in eine klassische Riester-Rentenversicherung einzahlt. Danach liegt die Beitragssumme für 14 Jahre bei knapp 14.000 € und die darauf zu erwartende Riester-Rente ab Rentenbeginn in 2016 nur bei monatlich 79 € brutto für den optimistischen Fall eines Bruttozinses von 4 % und einer Kostenquote von 10 %. Bei Hochrechnung auf 1 bis 4 % des maximal riesterfähigen Entgelts von 52.500 € jährlich errechnet sich eine Beitragssumme von 23.100 € und eine monatliche Riester-Rente von 131 €.

Vorschau auf 14 Jahre: Gesetzliche Rente oft besser als Rürup-Rente

Der Vergleich von gesetzlicher Rente und Rürup-Rente in der Vorschau auf 14 Jahre von Anfang 2016 bis Ende 2029 bietet sich wegen der völlig identischen Steuerregeln geradezu an. Darüber hinaus wäre eine Rückschau auch nur für 11 Jahre möglich, da es die Basis- bzw. Rürup-Rente erst ab dem Jahr 2005 gibt. Ein fairer Vergleich zwischen gesetzlicher Rente und Rürup-Rente ist darüber hinaus möglich, wenn man bei beiden Rentenarten eine annähernd gleichwertige Hinterbliebenenabsicherung mit berücksichtigt.

Bei jährlich 2.100 € Beitrag über 14 Jahre und einer Beitragssumme von 29.400 € liegt die garantierte gesetzliche Rente mit Rentenbeginn in 2030 bei monatlich 116 € unter Berücksichtigung der geplanten Steigerungen des Beitragssatzes und Kürzungen des Rentenniveaus. Im Vergleich dazu fällt die garantierte Rürup-Rente beim kostengünstigsten Anbieter von Rürup-Rentenversicherungen (Europa Lebensversicherung) mit monatlich 107 € bereits um 9 € niedriger aus. Wenn man statt des Jahresbeitrags einen monatlichen Rürup-Beitrag von 175 € einzahlt, sinkt die garantierte Rürup-Rente infolge des Ratenzuschlags für die monatliche Zahlungsweise weiter auf monatlich 99 €.

Die mögliche gesetzliche Rente steigt auf monatlich brutto 138 €, sofern man eine jährliche Lohnsteigerung von 3 % und eine Rentensteigerung von durchschnittlich 2,2 % annimmt. Bei Annahme einer durchschnittlichen Verzinsung von 3,5 % steigt die dynamische mögliche Rürup-Rente im Tarif Europa inklusive Hinterbliebenenabsicherung auf monatlich 131 € brutto bei jährlich vorschüssiger Zahlung des Beitrags oder 123 € bei monatlicher Ratenzahlung.

Die Vorteilsrechnung fällt noch deutlicher zugunsten der gesetzlichen Rente aus, wenn der Rentner privat krankenversichert ist. In diesem Fall zahlt die Deutsche Rentenversicherung einen Zuschuss zur privaten Krankenversicherung in Höhe von 7,3 % der Bruttorente. Die garantierte gesetzliche Rente steigt dadurch auf 124 € und die mögliche gesetzliche Rente sogar auf 148 € inkl. Zuschuss. An diese Werte kann eine klassische Rürup-Rentenversicherung nicht herankommen.

Rentenplusrechner: Vergleich von gesetzlicher Rente und Rürup-Rente für eine beliebige Anzahl von Beitragsjahren und beliebig hohe Beiträge

Die gesetzliche Rente schlägt die Rürup-Rente insbesondere bei privat krankenversicherten Beamten, Freiberuflern und Selbstständigen mit einer Beitragsdauer von bis zu rund 20 Jahren. Bei sehr langen Beitragslaufzeiten liegt die Rürup-Rente vorn, weil sie nun vom Zinseszinseffekt profitiert. Auch bei gesetzlich krankenversicherten Rentnern mit einer Beitragsdauer ab 14 Jahren kann die Rürup-Rente besser abschneiden im Vergleich zur gesetzlichen Rente, da von der gesetzlichen Rente brutto noch ein Beitrag zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung in Höhe von bis zu 10,8 % abgezogen wird.

Für am Vergleich von gesetzlicher Rente und Rürup-Rente Interessierte gibt es über die VERS-Studie hinaus noch einen speziellen Rentenplusrechner, der nach Eingabe von nur zwei Daten (Anzahl der Beitragsjahre und Höhe des jährlichen Beitrags) außer der Beitragssumme auch die Höhe der garantierten und möglichen Renten (gesetzlich oder Rürup), Rentensätze und Rentensummen für eine Rentendauer von 20 bis 22 Jahren ermittelt. Dieser Rechner ist unter http://joerg-masuch.de/index.php/rentenplusrechner-2015 herunterzuladen.

Die Berechnungen für die garantierte und mögliche gesetzliche Rente fußen auf den aktuellen Zahlen der Deutschen Rentenversicherung (Höhe des Beitragssatzes, des Durchschnittsentgelts, der Beitragsbemessungsgrenze und des aktuellen Rentenwertes West) sowie auf dem Rentenversicherungsbericht 2014 der Bundesregierung.

Für den Vergleich mit der garantierten und möglichen Rürup-Rente wurden Tarife zur klassischen Rürup-Rentenversicherung der besonders kostengünstigen Europa Versicherung ausgewählt, die auch eine Hinterbliebenenabsicherung (Witwen- bzw. Witwerrente bei Tod des Versicherten vor und nach Rentenbeginn) enthalten.

Nutzen Sie diesen Rentenplusrechner, um die Höhe der gesetzliche Rente und Rürup-Rente bei gleich langer Beitragsdauer und gleich hohen jährlichen Beiträgen miteinander zu vergleichen. Die in Ihrem konkreten Fall richtige Entscheidung für die gesetzliche Rente aus freiwilligen Beiträgen oder für die Rürup-Rente wird Ihnen dann wesentlich leichter fallen. Allgemeine Informationen und weitere Ratschläge zu allen Formen der Altersvorsorge finden Sie in unserem Finanzratgeber Ruhestandsplanung .

Weitere News zum Thema

  • Erwerbsminderungsrente wegen fehlender Wegefähigkeit

    [] Ein Urteil des Landessozialgerichts Baden-Württemberg rückt einen speziellen Fall der Erwerbsunfähigkeit in den Vordergrund: die nicht (mehr) vorhandene Fähigkeit, den Arbeitsweg zu bewältigen (Wegefähigkeit). mehr

  • Ohne Antrag keine gesetzliche Rente

    [] (verpd) Je nach Rentenart müssen diverse Voraussetzungen erfüllt sein, um einen Anspruch auf eine Rente zu haben. Grundsätzlich erhält zudem jeder nur eine entsprechende Rente, wenn er diese vorher beantragt hat. Um eine Verzögerung der Rentenbewilligung zu vermeiden, ist es für den Antragsteller wichtig zu wissen, wo, wann und mit welchen Angaben sowie Unterlagen ein Antrag zu stellen ist. Eine Broschüre der Deutschen Rentenversicherung hilft dabei. mehr

  • Fehlgeleitete Überweisung der Rente

    [] Ein Stück aus dem Leben: In Zeiten von IBAN haben viele Menschen – nicht nur Senioren – Schwierigkeiten mit den ellenlangen Kontonummern. Ein Opfer der Zahlenvielfalt war ein Rentner aus Rheinland-Pfalz, der der deutschen Rentenversicherung eine falsche IBAN mitgeteilt hatte. Der Rentenversicherungsträger überwies das Geld daraufhin an den unbekannten Kontoinhaber und wollte die Rente auch nicht wiederbeschaffen. mehr

  • Keine Lohngleichheit zwischen Männern und Frauen

    [] (verpd) Obwohl letztes Jahr die Lohnungleichheit hierzulande zwischen Männern und Frauen im Vergleich zu vorhergehenden Jahren leicht abgenommen hat, liegt deren Brutto-Stundenverdienst immer noch um mehr als ein Fünftel unter dem der Männer. Innerhalb Europas gehört Deutschland beim Thema gleicher Lohn für Männer und Frauen seit Jahren zum Schlusslicht im Vergleich zu den anderen EU-Ländern. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.