Geldtipps-Blog: Wie gerecht ist die doppelte Anhebung der Ostrenten?

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(ws) Seit 1989 erhalten Ostdeutsche höhere Renten, weil ihre Löhne hochgewertet werden. Nun soll noch der bislang niedrigere Rentenwert angehoben werden. Rentner und rentennahe Ostdeutsche profitieren. Ist das gerecht? Diskutieren Sie mit!

Durch die obligatorische Höherwertung der Auslöhne liegt die monatliche Brutto-Standardrente in Ostdeutschland um 8 % über der monatlichen Brutto-Standardrente West. Für gleich hohe Beiträge erhält man im Osten eine um 8 % höhere Rente. Der jährliche Rentensatz für einen Durchschnittsbeitrag in 2016 liegt im Osten ebenfalls um 8 % über dem Rentensatz im Osten.

Höherwertung der Ost- Löhne gleich niedrigeren Rentenwert mehr als aus

Die Höherwertung der Ost-Löhne gleicht den niedrigeren aktuellen Rentenwert Ost mehr als aus. Dem um 12,9 % niedrigeren fiktive Durchschnittsentgelt Ost, das einen Entgelt- bzw. Rentenpunkt im Jahr 2016 bringt, steht nur ein um 5,9 % geringerer aktueller Rentenwert Ost gegenüber. Der Nachteil des um 5,9 % niedrigeren Rentenwertes wird also durch die Höherwertung der Ost-Löhne mit 14,8 % auf das Westniveau mehr als ausgeglichen.

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Die Differenz zwischen 14,8 % Höherwertung der Ost-Löhne und 5,9 % niedrigeren aktuellen Rentenwertes Ost macht im Endergebnis ein Plus von 8 % bei der Ost-Rente aus. Nie war dieser Rentenvorteil im Osten so hoch wie im Jahr 2016.

In den Jahren 2002 bis 2012 pendelte das Rentenplus zwischen 2 % und 5 %. In den Jahren 2013 und 2014 erfolgte ein Sprung auf 7,5 %, bevor das Ost-Rentenplus im Jahr 2015 vorübergehend auf 6,5 % sank.

Das Kosten-Nutzen-Verhältnis bzw. hier das Verhältnis von Rentenanwartschaft zu Beitrag fällt für Ost-Rentner mit rund 8 % in 2016 nicht nur günstiger aus im Vergleich zum Westen, sondern war auch so hoch wie nie zuvor.

Höhere Rentenzahlbeträge für 2015 im Osten

Laut Rentenversicherungsbericht2 2016 der Bundesregierung lagen die durchschnittlichen Gesamtrentenzahlbeträge zum 1.7.2016 bei 1.061,99 € im Westen und bei 1.164,45 € im Osten.

Die um fast 10 % höheren Rentenzahlbeträge im Osten sind nicht nur mit den generell höheren Ost-Renten bei gleichem Einkommen zu erklären, sondern insbesondere mit den deutlich höheren Frauenrenten im Osten. Frauen im Osten kamen auf rund 40 Versicherungsjahre, während Frauen im Westen im Durchschnitt nur 28 Versicherungsjahre bis zum Rentenbeginn nachweisen konnten.

Rentenplus bis zu 20 % ab 2025 für Ost-Rentner

Hauptgewinner der Rentenangleichung sind Ost-Rentner, die bereits vor 2016 in Rente waren, im Jahr 2016 in Rente gingen oder 2017 in Rente gehen werden.

Von der Rentenangleichung Ost an West werden alle Ost-Rentner und die älteren, rentennahen Ost-Versicherten profitieren. Nur jüngere, rentenferne Ost-Versicherte könnten zu den Verlierern zählen, sofern ihre Löhne auch ab 2025 mehr oder minder deutlich unter den West-Löhnen liegen.

Die Kritik der Sozialverbände und der beiden Oppositionsparteien an der in sieben Schritten erfolgende Rentenangleichung und damit der bis auf 35 Jahre nach der Wiedervereinigung aufgeschobene Renteneinheit ist nicht gerechtfertigt. Ost-Rentner und rentennahe Ost-Versicherte werden durch diese Kritik in die Irre geführt und glauben, dass sie Verlierer der Rentenangleichung Ost an West würden.

Das Gegenteil ist aber der Fall. Insbesondere Ost-Rentner werden die Gewinner der Rentenangleichung sein. Wie anders ist es sonst zu erklären, dass die Rentenangleichung rund 3,9 Mrd. € jährlich ab 2025 kosten soll, die von allen Beitragszahlern und/oder Steuerzahlern aufgebracht werden müssen?

Die Kosten der Beitrags- und Steuerzahler können nur durch die Gewinne für Ost-Rentner und rentennahe Ost-Versicherte entstehen. Eine sofortige Rentenangleichung in einem Schritt und ohne Abbau der Höherwertung von Ost-Löhnen wäre nicht nur zu teuer, sondern würde Ost-Rentner und rentennahe Ost-Versicherte überproportional begünstigen gegenüber den West- Rentnern und West-Versicherten.

Weitere Informationen zur Rentenangleichung Ost lesen Sie in unserer Nachricht Angleichung der Ostrenten kostet fast vier Milliarden Euro im Jahr.

Mit Rentengerechtigkeit hätte dies nichts zu tun. Eigentlich wäre noch eine längere Streckung der Rentenangleichung in zwölf Schritten bis zum Jahr 2029 geboten, um die Renteneinheit dann ab 2030 zu vollenden. Dadurch würden die Gewinne für Ost-Rentner und rentennahe Ost- Versicherte zum Teil reduziert und die möglichen Verluste für rentenferne Ost- Versicherte abgemildert.

Sicherlich hätte man die Rentenangleichung schon in vorherigen Legislaturperioden anpacken und verwirklichen können. Vorschläge dazu gab es genug. Da dies aber versäumt wurde und die Zeit nun drängt, erscheint die geplante Rentenangleichung Ost an West als ein gangbarer Kompromiss.

WERNER SIEPE

Kommentare (bitte per E-Mail an: michael.santak@wolterskluwer.com )

Reinhard Herrmann: "Ein einheitliches Rentensystem setzt ein einheitliches Lohnsystem voraus, sonst erhalten die mit regional hohen Löhnen auch höhrere Renten. Da die Löhne in Ostdeutschland niedriger sind (und bleiben werden) als im Westen, sollte weiterhin ein gerechter Ausgleich erfolgen."

Martin Gerhard: "Freiwillige Rentenbeiträge und Ausgleichsbeträge zum Rückkauf von Rentenabschlägen bescheren den rentennahen Ost- Versicherten in den Jahren 2017 bis 2021 eine attraktive Zusatzrente, die man durchaus als Windfall Profit bezeichnen kann."

Tim-Uwe Rakowski: "Wenn man die beiden Rentengeschenke von Andrea Nahles – Rentenangleichung (4 Mrd. €) und Mütterrente (6 Mrd. €) – kostenmäßig addiert, kommt man auf schlappe 10 Mrd. € pro Jahr. Aber wir haben’s ja und können damit den Mütter-Rentnerinnen mit durchschnittlich zwei vor 1992 geborenen Kindern (darunter meiner Frau) und den Ost-Rentnern eine Freude machen. Zumindest die mir bekannten Mütter-Rentnerinnen haben sich gefreut und freuen sich noch immer. Die Ost-Rentner wagen sich wohl nicht so richtig zu freuen, da sie sich wieder mal benachteiligt fühlen und lieber den postfaktischen Gerüchten von DIE LINKE, Gewerkschaften und Sozialverbänden glauben wollen, dass sie schon wieder reingelegt worden sind."

Hans Peter Göhlich: "Nicht nur die Ostrenten, auch die Bezüge müssen an das Westniveau angepasst werden. Und wenn wir schon dabei sind: Auch keine Unterscheidung zwischen weiblichen und männlichen Bezügen bei gleicher Arbeit. Bin Wessi :-))"

Renate Heitel: "Ich finde mich als Westrentnerin ungerecht behandelt, dass die Frauen im Osten eine wesentlich höhere Rente erhalten. Fakt ist doch, dass z. B. in den 80er Jahren eine Kleinkinderbetreuung im Westen mit erheblichen Kosten verbunden war bzw. keine Betreuung geboten wurde. Kindergartenplätze in der Regel ab 4 Jahre. Nach Schulschluss war Ende! Keine Betreuungsmöglichkeit, kein Schulessen. Im Osten war alles staatsfinanziert und geregelt. Da war es ein Leichtes, Vollzeit zu arbeiten! Dann muss man noch berücktsichtigen, dass die Wohnungspreise (Miete/Kauf) stark abweichen. Im Osten bekomme ich noch ein Haus mit Riesengrundstück für ca. 200.000 Euro. Im Westen zahle ich für eine kleine ETW teilweise schon deutlich mehr!"

Stefanie Berghahn: "Mir geht nicht in den Kopf, warum die Politiker diese Ungerechtigkeit übersehen können. Sie sollten während einer Übergangsphase die Höherbewertung der Ostrenten stufenweise abschmelzen."

Herr Scherz aus Ludwigsfelde: "Meine Frau bekommt nach 45 Arbeitsjahren im Osten schlappe 700 Euro ausgezahlt. Unsere Mieten sind dem Bundesgebiet angeglichen und an Betriebs-Renten ist gleich gar nicht zu denken! Das ist noch keinem aufgefallen. Die Löhne sind ebenfalls am unterem Ende, aber seit 26 Jahren ist das nun schon so. Lasst mal die Kirche im Dorf - wir jammern viel zu viel auf hohem Niveau. Wer fleißig arbeitet, soll auch gut bezahlt werden."

Heinz Streng: "Die doppelte Anhebung der Ostrenten ist so was von ungerecht, wie auch eindeutig aus dem Blog-Beitrag hervorgeht. Haarsträubend sind die deutlich höheren Frauenrenten im Osten insbesondere aufgrund des unterschiedlichen, durchschnittlichen Versicherungsjahr-Verhältnisses 40/28 Ost/West. Dies ergibt sich doch eindeutig aus der Tatsache, dass den Westmüttern die Möglichkeit der Berufsausübung nicht wie im Osten zur Verfügung stand. Dort war wegen des eklatanten Materialmangels auch die Arbeitsleistung stark eingeschränkt und private Besorgungen deshalb während der Arbeitszeit gang und gäbe."

Helga Schromm: "Das mit der höheren Ostrente ist zwar ungerecht, aber es trifft ja nicht unbedingt die Falschen. Auch der Sozialbeirat der Bundesregierung hält die Renten in Ostdeutschland für zu hoch. Es gebe eine systematische Begünstigung der ostdeutschen Versicherten, schrieb der Sozialbeirat bereits im Jahr 2015 in einem Gutachten. Die Rentenansprüche der Beschäftigten in Ostdeutschland seien im Vergleich zu denen im Westen derzeit um 8,5 Prozent zu hoch. Der Grund dafür, dass sich die ostdeutschen Renten überhaupt von denen in Westdeutschland unterscheiden, liegt darin, dass nach der Wiedervereinigung eine entsprechende Sonderregelung eingeführt wurde. Diese Regelung sollte verhindern, dass in der ehemaligen DDR Beschäftigte wegen der dort niedrigeren Löhne im Ruhestand zu geringe Renten erhalten. Bei gleichem Lohn und gleichem Rentenbeitrag erwerben Beschäftigte in Ostdeutschland daher nun aber höhere Rentenansprüche als es Beschäftigte in Westdeutschland tun. Die Experten des Sozialbeirats kritisieren diese Regelung und warnen sogar vor einer steigenden Ungleicheit, je stärker sich die Ost-Löhne denen im Westen angleichen. Dennoch lehnen die Gutachter der Regierung eine Reform ab, weil damit die Versicherten in Ost-Deutschland schlechter gestellt würden."

Walter Müller: "Es stehen Wahlen an! Was läuft hier in unserem Land noch normal ab? Wir Bürger sind nicht so dumm, wie von vielen Politikern und Lobbyisten angenommen. Diese Ostrenten-Anpassungen sind Streicheleinheiten für die Rentner und die gesamte Bevölkerung in der ehemaligen DDR. Sie soll sie davon abhalten, die AfD zu wählen. Es geht also nicht um das Wohl der Ost-Rentner, sondern um das Wohl der an der jetzigen Regierung Beteiligten. Das ist der Versuch, durch Bestechung die Wahlen zu beeinflussen, und diejenigen die davon profitieren, merken gar nichts davon, wollen sie ja auch nicht! "

Kurt Steiner: "Ich finde eine Rentenanpassung ungerecht gegenüber den Rentnern West, und zwar aus einem einfachen Grund: Wir haben Bekannte im Osten, die sich immer wieder darüber wundern, wie teuer die Lebensmittel bei uns sind. Einfaches Beispiel: 1 kg Pute kostet im Osten 4,00 €, bei uns, je nach Gewicht ab 5,00 € aufwärts. Thüringer Bratwürste sind bei uns fast doppelt so teuer wie dort. Brot, Gemüse ... usw. Die Beispiele ließen sich beliebig fortsetzen. Wenn Anpassung Ostrenten, dann sollen sie auch unsere Preise zahlen."

Horst-H. Schützdeller: "Ihrer Aktion kann ich vollumpfänglich zustimmen. Ich habe 51 Jahre und 2 Monate Rentenbeiträge entrichtet, aber was aus den neuen Ländern an Forderungen kommt, geht gar nicht. Nichts für die Kasse getan, aber mehr als die Leistungsträger bekommen wollen. Dazu noch der AfD zujubeln. Ich habe unseren geplanten Usedom-Urlaub nach Norderney verlegt und die 1-wöchige Müritzrundfahrt wird jetzt auf der Mosel stattfinden."

Helmut Eggle: "Sicherlich ist es gut, wichtig und richtig, dass wir in Deutschland das Rentensystem zwischen Ost und West angleichen. Dies ist sicherlich nicht sofort möglich. Eine faire Anpassung ist auch sehr schwierig. Ich finde, dass unser Rentensystem mit dem Generationenvertrag richtig aufgestellt ist. Leider wird diese Rentenproblematik von Politkern und sonstigem Personenkreis bestimmt. Hier liegt meinens Erachtens ein großes Problem. Es stehen Wahlen an, und um Stimmen zu gewinnen, wird Vieles schöngeredet. Nach der Wahl stellen die Personen die Frage: Was geht mich mein Geschwätz von vor der Wahl an? Deshalb bin ich der Meinung, dass diese Änderungen von den Betroffenen Bürgern durch Bürgerbefragung geregelt werden sollte und nicht von der Politik und den Politikern, die sicherlich meistens ihr Schäfchen im Trockenen haben. Diese Entscheidungen sollten generell von den Bürgern bzw. den Einzahlern nach deren Befragung getroffen werden. Dazu ist es allerdings nötig, dass hier Tatsachen bekannt gemacht werden. Wichtig wäre doch zu wissen, was hat der Osten in die Rentenkasse eingebracht bei der Wiedervereinigung? Ferner wäre zu klären, wie werden Frauen gestellt, die im Westen mehrere Jahre zu Hause waren bei den Kindern? Wenn ich hier Umfragen glauben darf, gab es damals im Osten bereits Tagesstätten und die Frauen konnten weiterarbeiten und haben somit nun eine höhere Rente. Ferner sollte man sich überlegen, ob eine Witwe nur 60 % der Rente des Ehemanns bekommen soll. Denke, hier wären 80 % angebracht. Die Kinderrente ist hier kein Ausgleich. Generell sollte jeder Rentenzahler so viel bekommen, dass er damit leben kann. Auch sollte man die Rentenkasse nicht mit fremden Leistungen belasten. Hier wäre es angebracht, den Bürgern jährlich eine Bilanz der Rentenkasse zugänglich zu machen. Ganz einfach Verhältnis Einzahlungen zu Auszahlungen und Verwendung (Personalkosten u.dgl.). Politik und Politiker aus dem Thema raushalten. Keine zusätzlichen Altersversorgungsverträge (Pensionskasse, Riesterrente usw.) anbieten, denn hier verdienen nur die Anbieter, Versicherungen und ähnliches Geldgewerbe. Der Verwaltungskostenaufwand bei der gesetzlichen Rentenversicherung ist sicherlich geringer. Hier gäbe es sicherlich noch Einiges anzumerken, aber vielleicht haben Sie die Möglichkeit hier den Rentenzahlern klaren Wein einzuschenken, um hier eine sachliche faire Entscheidung zu erreichen."

Gerd Schlaffke: "Die vorgeschlagene Anpassung der Ostrenten ist falsch und ungerecht. Hierdurch werden Ostrentner gegenüber Westrentnern viel zu hoch begünstigt! Das ist wieder ein Wahlgeschenk, das sich Politiker erdacht haben, die selbst von diesem Rentensystem nicht betroffen sind. Eine Besserstellung von Ostrentnern ist u. a. schon aus Gründen der niedrigeren Lebenshaltungskosten in den neuen Bundesländern nicht gerechtfertigt. Das Rentensystem sollte besser generell reformiert werden, sodass auch Beamte, Ärzte, Rechtsanwälte, Politiker etc. in dieses System integriert werden (siehe ähnliche Lösungen in der Schweiz und in Österreich!). Dann könnte das allgemein zu niedrige Rentenniveau deutlich angehoben werden."

Lenny Misgeiski: "Hier kommt ein sehr schönes Beispiel, wie man mit viel Zahlen-Brimborium einen Keil zwischen Ost und West treiben kann."

Alexander Witte: "Ihren Newsletter vom 15.12.2016 finde ich meiner Meinung nach nicht so toll. Um es freundlich auszudrücken. Grundsätzlich unterschreibe ich Ihre Aussage, dass eine Angleichung der Rente viele Beitragszahler zur Kasse bitten wird. Aber nicht nur die westdeuschen Beitragszahler, sondern auch die ostdeutschen Beitragszahler werden dieses tragen müssen, da wir alle in den Topf einzahlen. Und meiner Meinung nach ist Ihr Beitrag nicht förderlich. Meiner Meinung nach würde es helfen, wenn Pensionen (Beamte) auf ein ähnliches Nivau, wie die der Arbeitnehmer (Angestellte) angeglichen werden. Der enstandene Mehrbetrag würde den Ausgleich abfedern. Dieses wird aber nicht mehr in meinem Leben passieren."

Rawe Becker: "Ich finde diesen Artikel nicht objektiv geschrieben, sondern subjektiv und stark richtungsweisend eingefärbt. Es ist skandalös, dass die Einkommen und Renten im Osten der BRD über 25 Jahre nach der Wiedervereinigung immer noch nicht an die übrigen Teile der Republik angepasst sind! Eine Diskussion zu den Renten der Frauen im Osten ist vollkommen ungerechtfertigt. Von wem sprechen wir. Es sind die heute 85-jährigen Frauen, die evtl. 40 Jahre zusammenbringen. Der Großteil der ostdeutschen Bevölkerung ist nach dem Zusammenbruch der DDR-Betriebe arbeitslos geworden. Die wenigsten bringen 40 Arbeitsjahre zusammen. Die Frauen in der DDR sind nicht aus Freude arbeiten gegangen, sondern weil sie es mussten, weil das Einkommen der Männer ebenfalls meist so gering war, dass die Familien auf das zweite Einkommen angewiesen waren. Und auch mit zwei Einkommen waren keine großen Sprünge möglich. Meine Mutter hat fünf Kinder geboren und musste immer voll mitarbeiten. Und trotz Mangel an Waren konnten nicht alle ihre Arbeitsplätze einfach verlassen, um einzukaufen, wie es oben von einer Westfrau geschrieben wurde. Im Gegenteil, die Umstände, unter denen gearbeitet wurde, waren unmodern, körperlich belastend, an veralteten Maschinen, körperlich schwer und zum Teil gesundheitsschädlich, was den Staat und die Verantwortlichen nicht interessierte. Der nutzte die Arbeitskraft der Bevölkerung skrupellos und gewissenlos aus, um z. B. Waren auch in die BRD zu Dumpingpreisen zu liefern gegen Devisen. Meine Mutter wurde 1991 in den Vorruhestand geschickt, da war sie 55 Jahre alt und hatte ca. 40 Arbeitsjahre, in denen sie im Durchschnitt monatlich 480,00 Ostmark monatlich verdient hat. Denken Sie wirklich, dass man das nicht hochrechnen sollte auf Westniveau? Wie viel hätte sie wohl im kaufmännischen Beruf im Westen verdient? Dass es im Westen keine Kinderbetreuung gab, ist schade. Die Frauen hätten sich da aber wehren können, sich zusammenfinden und äußern und Forderungen stellen. In der DDR wäre man bei Kritik am System ins Gefängnis gegangen. Weil Westfrauen nicht arbeiten konnten, sollen Ostfrauen nicht für ihre Muss-Arbeit auch eine angemessene Rente erhalten? Und auch die Männer im Osten hatten so kleine Einkommen, dass eine Hochwertung nur gerechtfertigt ist. Mein Vater hat durchschnittlich 750,00 Ostmark monatlich verdient. Ich finde, eine Hochwertung der Renten ist vollkommen in Ordnung und eine Gleichstellung schon lange überfällig - genauso bei den Einkommen. Sonst wird es nie wieder EIN Deutschland sein."

Britta Richter: "Das ist eine politische Frage. Wenn wir wollen, dass die ostdeutschen Rentner gut leben, dann kann man das machen. Dass sie allerdings mehr Rente als die westdeutschen Rentner bekommen sollen, finde ich nicht nachvollziehbar, schließlich ist dort alles billiger. Nicht vergessen sollten wir, dass diese Ungleichheit irgendwann beendet sein wird. Dann werden die Ostrenten niedriger sein als die Westrenten, und zwar entsprechend den niedrigeren Löhnen. Dann wird es keine Ungerechtigkeit mehr geben - also: Augen zu und durch!"

Michael Goede: "Hallo, ihr Populisten, eure Polemik hat nichts mit objektiver Berichterstattung zu tun. Das Eröffnen einer Diskussion unter diesen Voraussetzungen ist scheinheilig. Sie sollten, um glaubhaft zu bleiben, immer schön objektiv sein. Nur mit Prozentzahlen um sich zu werfen, ohne konkrete Zahlen zu nennen, ist pure Stimmungsmache. Mein Anfangsgehalt als Diplomingenieur (FH) war 720 Mark. Als Abteilungsleiter habe ich max. 1.300 Mark bekommen. Nach der Wende sah es nicht viel anders aus. Als Bauüberwacher an der Autobahn bekam ich 2.850 € brutto und kein Weihnachtsgeld, während die Kollegen aus Hessen bereits 3.725 € für die gleiche Tätigkeit erhielten, plus Urlaubs- und Weihnachtsgeld."

Karina Kamuscha: "Der Teil der Rentenwertangleichung, der über die Lohnangleichung bei den Arbeitnehmern hinausgeht, muss aus Steuern bezahlt werden. Andernfalls würden die Rentenbeiträge über 22 Prozent des Bruttolohns ansteigen."

Marius Kunz: "Die Rentensysteme in der Schweiz und in Österreich verteilen viel stärker um als das deutsche. Denkbar wäre eine Übernahme des Prinzips einer Mindestrente und einer Höchstrente. Dann dürfte es jedoch keine Beitragsbemessungsgrenze geben. Das wäre zwar ungerecht, doch sozial (um nicht zu sagen: sozialistisch oder gar kommunistisch)."

Peter Gärtner: "Eigentlich stehe ich nicht auf so auf diese Art "Fliegenfänger"-Artikel und eigentlich versuche ich mich nicht wirklich über die dann (zu erwartenden) Kommentare aufzuregen... ABER: Wer zum Teufel hat diese schwachsinnige Aktion genehmigt? Vielleicht war diesem Redakteur (oder der möglicherweise schlechter bezahlten Redakteurin) gar nicht bewusst, in welchem Teich sie fischen gehen! Was haben Sie mit diesem Thema überhaupt zu tun?! Sie sollten Ihren Lesern ausschließlich mit Fakten und Ratschlägen behilflich sein. Ich finde es unverschämt, auf Kosten einzelner Gruppen der Gesellschafft erst Stimmung zu machen und dann noch zum Rundumschlag gegen vornehmlich Ost-Rentner aufzurufen. Man könnte fast meinen, da macht jemand Wahlkampf und sucht verzweifelt nach Gleichgesinnten. Okay, bevor ich mich jetzt noch um Kopf und Kragen schreibe, beherrsche ich mich besser und denke mir meinen Teil. Denken hätte im Übrigen so manchem (offensichtlich unwissenden) Kommentarschreiber ganz gut getan. Und ja – ich bin im Osten geboren und aufgewachsen, und ja, ich habe das Begrüßungsgeld damals angenommen - es tut mir heute noch leid... Hätte ich fast vergessen: Seit mehr als 25 Jahren lebe ich im Westen der Republik, ich fühle mich von Ost-Rentnern weder betrogen noch bestohlen. Mir liegen ganz andere Gruppen schwer im Magen (für die Hochbegabten: ich meinte nicht die Flüchtlinge...). Ich war bisher immer zufrieden mit der Akademischen Arbeitsgemeinschaft, aber das ist erst einmal vorbei. Schade..."

Magda Pfefferle: "Die Kritik von Herrn Gärtner an den Informationen von Werner Siepe und an den Kommentaren finde ich ungerecht. Die Nachricht schildert objektiv, was geplant ist, und die Einleitung des Blogthemas ist offensichtlich die subjektive Meinung des Herrn Siepe. Wenn das "Fliegenfängerei", "Schwachsinn" und "Stimmungsmache" sein soll, dann dürften wir keinerlei Diskussionen mehr führen. Ich bin für Meinungspluralismus und Offenheit, aber gegen Beschimpfungen und Drohungen. Bitte bleiben Sie fair!"

Dietmar Willme: "Hallo Leute! Nur keinen Neid aufkommen lassen! Als es um die Bankenrettung ging, die wesentlich mehr gekostet hat als die eventuelle Angleichung der Ostrenten - nach wie vielen Jahren dazu -, herrschte bei Ihren Spezialisten großes Schweigen, da es ja staatstragende Maßnahmen waren. Nun aber Keule raus, das Abendland ist in Gefahr. Ich bin Rentner, zahle Steuern, sogar in Vorauskasse. Wenn die Entwicklung so weiter geht, dann droht trotz einer sogenannten Angleichung immer mehr Rentnern Altersarmut, nicht nur im Osten."

Dieter Klemm: "Ich habe von der andauernden Bevorzugung unserer ostdeutschen Schwestern und Brüder gestrichen die Nase voll. Auch wenn sich diese häufig und lautstark als Verlierer der Wiedervereinigung sehen, ist meine Sicht eine andere:

• Nach der Wende habe ich einige Jahre lang freiwillig, ohne zusätzliche Bezahlung und mit der teilweisen Opferung meiner Freizeit eine Genossenschaftsbank im Osten vor Ort beratend unterstützt. Bis auf den Vorstandsvorsitzenden waren alle Beschäftigten weiblich und in Vollzeit tätig.

• Eine Putzfrau war fünf Tage in der Woche den ganzen Tag beschäftigt, die Räumlichkeiten (geschätzte 350 bis 400 m²) zu putzen.

• Mittags marschierte die ganze Mannschaft in eine riesige Kantine, um dort für sehr wenig Geld ein gutes Essen zu erhalten.

• Bis zur Wende bekam jede Frau pro Monat einen freien Tag als sogenannten Hausarbeitstag. War mal ein Kind krank, konnte die Mitarbeiterin problemlos zu Hause bleiben.

• Bis zur Wende war es üblich, dass täglich eine Frau unterwegs war, um für alle Kolleginnen günstige oder nur schwer zu bekommende Ware (Fleisch, Südfrüchte und vieles Andere) einzukaufen. Aufgeteilt und abgerechnet wurde natürlich während der Arbeitszeit.

• In der Hauptstelle waren etwa 15 Personen beschäftigt. In unserer Bank wäre die Arbeit von maximal sieben Personen bewältigt worden.

• Ich übernachtete während meiner dortigen Tätigkeit für viel Geld im Kinderzimmer eines Privathauses in einem sehr kleinen Dorf. Morgens um 6.00 h begann die Anfahrt einiger Trabbis, um schon die kleinsten Kinder in die Tagesbetreuung der Kindergrippe zu bringen. Spätestens um 18.00 h mussten die Kinder wieder abgeholt werden. Da war problemlos eine Vollzeitbeschäftigung auszuüben.

• Die Zentralheizung des Hauses wurde von einem Heizer bedient, der gegen 5.00 h den Heizkessel mit Braunkohle beschickte und das Feuer entfachte.

• Ein westdeutscher Kollege berichtete mir von seinem Onkel, der Bauarbeiter in der Nähe von Dresden war, dass er und seine Kollegen häufig nicht arbeiteten, weil keines oder nur ein Teil des Baumaterials (Steine, Zement, Sand) vor Ort waren. Ich gehe mal davon aus, dass dies nicht zu einer Kürzung der Rentenpunkte beitrug.

Dies ist nur ein kleiner Ausschnitt dessen, was ich erlebt, gesehen und gehört habe. Wir wohnen in einem kleinen Ort, in dem es keine Kindergrippe gab. Der Kindergarten hatte nur von 8.00 h bis 12.00 h und Nachmittags von 13.00 h bis 16.00 h geöfnnet. Wer keine Oma hatte, die die Kinder in den Kindergarten brachte und dort auch wieder abholte, konnte nicht berufstätig sein, weil der Kindergarten auch über die jeweiligen Schulferien geschlossen war. Für uns bedeutete das konkret, dass meine Frau zu Hause blieb, um die Kinder zu betreuen. Dass sie dabei so ganz nebenbei auch viel ehrenamtliche Arbeit im Kindergarten und in der Schule leistete, sei noch am Rande erwähnt. Rentenpunkte waren auf diese Weise jedenfalls nicht zu erwerben. Meine Frau erhält deshalb lediglich rund 200,00 € Rente monatlich. Es gäbe noch einiges zu berichten, um unseren Frust und unseren Ärger über die Bevorzugung unserer ostdeutschen Landsleute zu verdeutlichen. Zusätzlich wäre auch noch zu erwähnen, dass unsere russland- und rumäniendeutschen Mitbewohner ebenfalls üppige Renten beziehen, obwohl sie niemals etwas in unser Rentensystem einbezahlt haben. Das alles ist ungerecht. Wer aus meinen Ausführungen Neid herauslesen will, soll dies tun. Mir und meiner Frau geht es ausschließlich um Gerechtigkeit, die wir bei der Rente in keiner Weise erkennen können."

Roland Rontke: "Es hilft hier gar nichts, diese Tatsache mit Ost- und Westrente zu zerreden. Damit kommt man nicht weiter. Leider hilft hier nur der Weg zum Sozialgericht und ordentlicher öffentlicher Wirbel. Für Beides sind nur wenige zu begeistern. Ich werde mich in 2017 aber intensiv damit beschäftigen, nachdem ich das mit der Rentenungerechtigkeit bereits in 2015 festgestellt habe. "

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