Für pensionsnahe Beamte können sich freiwillige Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung lohnen

 - 

Auch Beamte mit Pensionsansprüchen, die noch nie einen Beitrag in die gesetzliche Rentenversicherung gezahlt haben, können seit einer Änderung der Sozialgesetze freiwillige Beiträge zur gesetzlichen Rente leisten. Das kann sich durchaus lohnen.

Überraschung im Rentenduell – titelte die Zeitschrift Finanztest im Januar 2014 und stellte fest: Die vielgescholtene gesetzliche Rente macht neben Rürup- und Privatrente keine schlechte Figur.

Besonders für pensionsnahe Beamte, die das 50. oder sogar 60. Lebensjahr bereits vollendet haben, kann sich dies rechnen. Sie müssen nicht befürchten, dass die zusätzliche gesetzliche Rente aufgrund von freiwilligen Beiträgen – im Gegensatz zu Pflichtbeiträgen – später zur Kürzung ihrer Pension führen kann. Da über 90 % aller Beamten privat krankenversichert sind, erhalten sie zudem einen Zuschuss von 7,3 % der Bruttorente zu ihrem Krankenversicherungsbeitrag.

Schließlich können die freiwilligen Beiträge zur gesetzlichen Rente nach § 10 Abs. 1 Nr. 2a EStG zum weitaus überwiegenden Teil als Altersvorsorgeaufwendungen steuerlich abgesetzt werden, im Jahr 2014 zu 78 %. Wer beispielsweise noch fünf Jahre lang (von 2014 bis 2018) freiwillige Beiträge zahlt, setzt durchschnittlich 80 % der Beitragssumme bei der Steuer ab. Geht er im Jahr 2018 mit Erreichen der Regelaltersgrenze in Pension, muss er die gesetzliche Rente dann allerdings mit 78 % versteuern.

So rechnen sich freiwillige Einzahlungen für pensionsnahe Beamte

Bei einer Beitragssumme von 24.000,00 €, die sich mit freiwilligen Beiträgen von monatlich 400,00 € über fünf Jahre aufbaut, ist eine anfängliche gesetzliche Rente von monatlich 119,00 € einschließlich eines Zuschusses zur privaten Krankenversicherung in Höhe von 7,3 % der Rente erzielbar, sofern man die Annahmen im Rentenversicherungsbericht 2012 der Bundesregierung über die Entwicklung von Entgelten, Beitragssätzen und aktuellen Rentenwerten zugrunde legt. Die anfängliche Jahresrente von 1.428,00 € macht dann jährlich knapp 6 % der Beitragssumme aus. Eine vergleichbare Rürup-Rente bei einem günstigen Direktversicherer wie CosmosDirekt würde es nur auf 4,7 % bringen bei einem angenommenen Zinssatz von 3,85 % p.a.

Bei einer 10-jährigen Beitragsdauer mit monatlich 200,00 € kommt die gesetzliche Rente auf 6,1 % und die Rürup-Rente auf 5,2 % der Beitragssumme. Der Abstand wird immer geringer, je länger die Beitragsdauer ist. Bei 15 Jahren sind es 6,2 % bei der gesetzlichen und 5,7 % bei der Rürup-Rente. Der Grund: Je länger die Beitragsdauer, umso stärker wirkt der Zinseszinseffekt zugunsten der Rürup-Rente. Wer beispielsweise monatlich 100,00 € über 20 Jahre lang einzahlt, käme bei beiden Renten auf 158,00 € pro Monat, was dann 6,3 % der Beitragssumme entspricht. Die gesetzliche Rente schlägt somit die Rürup-Rente nur bei pensionsnahen Beamten mit einer Beitragsdauer von mindestens 5 und weniger als 20 Jahren.

Garantierte Sofortrente für Pensionäre in Sonderfällen

Beamte können (wie auch Selbstständige, Freiberufler und Hausfrauen/Hausmänner) nach dem neuen § 282 Abs. 2 SGB VI sogar eine Sofortrente aus der gesetzlichen Rentenversicherung erhalten, wenn sie die Regelaltersgrenze erreicht und den Gesamtbeitrag für 5 Jahre auf einen Schlag bis zum 31.12.2015 einzahlen.

Beispiel:

Wer noch im Jahr 2014 nach Erreichen der Regelaltersgrenze von 65 Jahren und 3 Monaten (also Jahrgang 1949) einen Sofortbeitrag in Höhe von 24.000,00 € einzahlt, kann mit einer garantierten gesetzlichen Rente von rund 112,00 € inkl. 7,3 % Zuschuss zur privaten Krankenversicherung rechnen. Bereits die erste garantierte Jahresrente macht immerhin 5,6 % des Sofortbeitrags aus – ohne Berücksichtigung von Zinsen und ggf. Steuern fließt also das eingesetzte Kapital nach knapp 18 Jahren zurück.

Eine vergleichbare garantierte Sofortrente gegen Einmalbeitrag in eine private Rentenversicherung oder eine Rürup-Sofortrente – abgeschlossen beim günstigen Direktversicherer Europa – würde nur 88,00 € im Monat ausmachen bzw. 4,4 % der Beitragssumme. Dabei wurde eine 20-jährige Rentengarantie berücksichtigt.

Auch aus steuerlicher Sicht schneidet die Sofortrente aus der gesetzlichen Rentenversicherung besser ab als eine vergleichbare Sofortrente aus der privaten Rentenversicherung. Während Beiträge zu einer ab 2005 abgeschlossenen privaten Rentenversicherung steuerlich überhaupt nicht abzugsfähig sind, ist der im Jahr 2014 gezahlte Einmalbeitrag zur gesetzlichen Rentenversicherung zu 78 % steuerlich abzugsfähig. Die Privatrenten werden zwar bei einem 65-Jährigen nur mit einem Ertragsanteil von 18 % der Rentenzahlung versteuert gegenüber einer Steuerpflicht von 68 % der gesetzlichen Rente im Jahr 2014. Der Steuervorteil in der Beitragsphase wirkt sich bei der gesetzlichen Rente aber deutlich stärker aus als der Steuernachteil in der Rentenphase im Vergleich zur Privatrente. Das liegt u.a. daran, dass Ruheständler aufgrund ihrer niedrigeren Einkünfte im Vergleich zum aktiven Berufsleben regelmäßig nur mit einem niedrigeren Steuersatz belastet sind.

Wenn sich Neupensionäre des Jahres 2014 oder der beiden Folgejahre überhaupt für eine Sofortrente gegen Einmalbeitrag entscheiden, sollte es daher aus wirtschaftlichen und steuerlichen Gründen die mit freiwilligen Einzahlungen finanzierte Sofortrente aus der gesetzlichen Rentenversicherung sein.

Beispiele für Renten aus freiwilligen Beiträgen von pensionsnahen Beamten

Beispiel:

Monatliche gesetzliche Rente oder Rürup-Rente bei einer Beitragsdauer von 5 bis 25 Jahren und einer Beitragssumme von 24.000,00 €

Beitragsdauer

Beitrag

gesetzliche Rente

Rürup-Rente

Plus/Minus

5 Jahre

400,00 €

119,00 €

94,00 €

+

25,00 €

10 Jahre

200,00 €

122,00 €

103,00 €

+

19,00 €

15 Jahre

133,33 €

124,00 €

114,00 €

+

10,00 €

20 Jahre

100,00 €

127,00 €

126,00 €

+

1,00 €

25 Jahre

80,00 €

133,00 €

141,00 €

8,00 €

Beispiel:

Sofortrente aus der gesetzlichen Rentenversicherung

Berechnungsformel: SR = [NZ : (DE × BS)] × aRw × ZU

Erläuterungen:

SR

=

monatliche garantierte Rente aus der gesetzlichen Rentenversicherung

NZ

=

Nachzahlung gem. § 282 Abs. 2 SGB VI für 5 Jahre, z.B. 24.000,00 € nach
Erreichen der Regelaltersgrenze und bis zum 31.12.2015

DE

=

Durchschnittsentgelt im Nachzahlungsjahr (z.B. 34.857,00 € in 2014)

BS

=

Beitragssatz in % im Nachzahlungsjahr (z.B. 18,9 % in 2014)

aRw

=

aktueller Rentenwert im Nachzahlungsjahr (z.B. 28,61 € ab 1.7.2014)

ZU

=

Zuschuss zur PKV bei privat Krankenversicherten (z.B. 7,3 % in 2014)

Beispiel:

Beispiel für eine Nachzahlung von 24.000,00 € ab dem 1.7.2014:

SR

=

[24000 : (34857 × 0,189)] × 28,61 € × 1,073

=

3,643 Entgeltpunkte × 28,61 € × 1,073 = 111,83 €

erste garantierte Jahressofortrente in €: 111,83 € × 12 Monate = 1.342,00 €

erste garantierte Jahressofortrente in %: 1.342,00 € × 100 : 24000 = 5,59 %

Beispiel:

Sofortrente aus privater Rentenversicherung oder Rürup-Rente

Einmalbeitrag 24.000,00 €, Europa Tarif E-R 1 + RG mit 20-jähriger Rentengarantie

monatliche garantierte Sofortrente: 87,93 €

erste garantierte Jahressofortrente in €: 87,93 € × 12 Monate = 1.055,00 €

erste garantierte Jahressofortrente in %: 1.055,00 € × 100 : 24.000,00 € = 4,40 %

Antrag stellen

Wer sich freiwillig versichern will, sollte dazu den Antrag auf Beitragszahlung für eine freiwillige Versicherung stellen. Das Formular trägt die Nummer V060, es findet sich auch im Internet auf den Seiten der Deutschen Rentenversicherung. Das Formular kann man selbst ausfüllen und an die Rentenversicherung schicken. Besser ist es allerdings, einen Termin in einer Auskunfts- und Beratungsstelle der Deutschen Rentenversicherung zu vereinbaren und die Eingaben im Formular gemeinsam mit dem Berater vorzunehmen.

Im Beratungsgespräch wird man auch auf die Klippen bei der freiwilligen Versicherung aufmerksam gemacht. Wichtig ist vor allem Frage 3. Darin werden Tatbestände abgefragt, die eine freiwillige Versicherung unmöglich machen.

Beispiel:

Wenn Sie einen Angehörigen pflegen und als pflegender Angehöriger schon beitragspflichtig sind, können Sie sich nicht zusätzlich noch freiwillig versichern.

Wann die freiwillige Versicherung beginnt, kann man in gewissem Rahmen selbst festlegen. Wer den Antrag bis zum 31.3. des Folgejahres stellt, kann sich rückwirkend noch für das ganze vorherige Jahr freiwillig rentenversichern. Für diese rückwirkende Versicherung brauchen Sie kein gesondertes Formular. Auf die Vorgabe zu Frage 4.1. Der erste freiwillige Beitrag soll gezahlt werden für ... müssen Sie z.B. bei Zahlung bis zum 31.3.2015 nur 01 2014 (also Januar 2014) eintragen.

Einige Wochen, nachdem Sie den Antrag auf die freiwillige Versicherung gestellt haben, schickt die Deutsche Rentenversicherung Ihnen einen Bescheid über die Zulassung zur freiwilligen Versicherung. Darin steht, ab wann Sie berechtigt sind, freiwillige Beiträge zu zahlen. Im Bescheid wird Ihnen auch die Beitragshöhe bestätigt. Wenn Sie – was die Regel ist – vorab in Ihrem Antrag der Rentenversicherung eine Einzugsermächtigung erteilt haben, werden die fälligen Beiträge von Ihrem Konto eingezogen. Natürlich können Sie die Beiträge auch selbst überweisen.

Beitragshöhe frei wählbar

2014 können freiwillig Versicherte ihren Monatsbeitrag frei zwischen 85,05 € und 1.125,55 € wählen. Das entspricht Bruttolöhnen zwischen der Mindestbemessungsgrundlage von 450,00 € und der Beitragsbemessungsgrenze von 5.950,00 € (West). Klar ist: Je mehr eingezahlt wird, desto höher fallen später die Rentenansprüche aus. Die Rendite der GRV kann sich sehen lassen. So stellt Finanztest fest: Die gesetzliche Rente sei konkurrenzfähig. Sie sei in jedem Fall besser als normale private Renten. Nur die über Steuervorteile stark geförderte Basis- oder Rürup-Rente könne mit der gesetzlichen Rentenversicherung mithalten.

Wer sich für eine freiwillige Beitragszahlung in die gesetzliche Rentenversicherung entscheidet, bindet sich hierdurch nicht. Die freiwilligen Beiträge können jederzeit erhöht oder gesenkt werden. Die Zahlung der freiwilligen Beiträge kann sogar beliebig lange gestoppt und später wieder aufgenommen werden. Und die gesetzliche Rente hat noch eine Reihe weiterer Vorteile: Anders als bei privaten Renten gibt es bei der GRV auch für Zeiten der Kindererziehung oder Angehörigenpflege ein Rentenplus. Zudem ist hier die Hinterbliebenenrente ohne Leistungskürzung mitversichert.

Quelle: "Der GeldBerater", Juni 2014

Aktuelle Anlage-Empfehlungen finden Sie monatlich in den "Geldtipps konkret!".

Beginn der Beitragszahlung in 2014, Ende je nach Beitragsdauer zum Schluss des Jahres 2018 (bei 5 Jahren) bis 2038 (bei 25 Jahren)

monatlicher konstanter Beitrag

monatliche gesetzliche Rente brutto vor Steuern inkl. Zuschuss von 7,3 % bei privater Krankenversicherung (Entwicklung der Entgelte, Beitragssätze und aktuellen Rentenwerte in der gesetzlichen Rentenversicherung wie im Rentenversicherungsbericht 2012 der Bundesregierung)

monatliche Rürup-Rente brutto vor Steuern inkl. Absicherung des hinterbliebenen Ehegatten bei Tod des Versicherten bis zum Ende der ersten 10 Rentenjahre (möglicher Zinssatz 3,85 %, jährliche Rentensteigerung 2,1 %, Tarif der Cosmos Lebensversicherung)

gesetzliche Rente minus Rürup-Rente

Weitere News zum Thema

  • Hinterbliebenenrente: Die Probleme einer kurzen Ehedauer

    [] (verpd) Wenn ein Paar jahrelang unverheiratet zusammenlebt und erst dann heiratet, wenn bei einem Partner eine unheilbare Krankheit festgestellt wurde, müssen bei der Beantragung einer Hinterbliebenenrente gute Gründe vorgebracht werden, warum erst zu diesem Zeitpunkt geheiratet wurde. Gelingt dies nicht, gilt die Ein-Jahres-Frist. Dies hat der 21. Senat des Landessozialgerichts Berlin-Brandenburg in einem Urteil entschieden (Az. L 27 R 135/16). mehr

  • Die Lebenserwartung steigt weiter

    [] (verpd) Im Jahr 2017 neugeborene Jungen haben eine statistische Lebenserwartung von 84 bis fast 90 Jahren, neugeborene Mädchen von 88 bis rund 93 Jahren. Dies zeigen die kürzlich vorgelegten Modellrechnungen des Statistischen Bundesamtes (Destatis). mehr

  • Immer mehr werden ein hohes Alter erreichen

    [] (verpd) Wie die Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung vor Kurzem bekannt gaben, wird aller Voraussicht nach ein hoher Anteil der Neugeborenen, aber auch der heute 25- oder 50-Jährigen, mindestens 85 Jahre alt werden. Hält der Trend der letzten Jahrzehnte bezüglich der Lebenserwartung an, werden von jeweils aktuell 100 neugeborenen Mädchen 28 und von 100 neugeborenen Jungen sieben 100 Jahre alt oder älter. mehr

  • Durchschnittliche Altersrente unter 860 Euro

    [] (verpd) Die vor Kurzem veröffentlichte Statistik der Deutschen Rentenversicherung belegt, dass die durchschnittliche Altersrente letztes Jahr nicht einmal 860 Euro pro Monat betrug. Ein Großteil, unter anderem die Bezieher der Regelaltersrente und Frauen, bekamen im Durchschnitt sogar noch erheblich weniger. mehr

  • Hohe Skepsis beim Thema Alterseinkommen

    [] (verpd) Die meisten Bürger sind der Ansicht, dass die gesetzliche Rente alleine nicht ausreichen wird, um ihren Lebensstandard zu halten. Im Durchschnitt rechnen die Bürger damit, das sie nur knapp über die Hälfe ihres Einkommens, dass sie im Alter benötigen werden, auch tatsächlich zur Verfügung haben werden, wie aus einer jüngst veröffentlichten Umfrage hervorgeht. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.