Flexirente kann Minijobbern neue Rentenansprüche bringen

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Fast eine Million Rentner übt einen Minijob aus – und zahlreiche weitere Ruheständler überlegen, einen solchen Job aufzunehmen. Seit Jahresbeginn können sie zusätzliche Rentenansprüche erwerben. Die neue Flexirente machts möglich.

Bis Ende 2016 waren Minijobs von Vollrentnern niemals versicherungspflichtig. Zwar besteht seit 2013 für Minijobs im Prinzip Rentenversicherungspflicht. Doch davon waren Bezieher einer Vollrente ausgenommen. Denn das Gesetz regelte bislang eindeutig, dass sie versicherungsfrei waren.

Dennoch führten die Arbeitgeber der Jobber pauschal 15 % des Gehalts der Betroffenen als Rentenversicherungsbeitrag an die Minijob-Zentrale ab. Das gilt jedenfalls im gewerblichen Bereich, also bei mehr als 95 % der Minijobber. Bei einem vollen Minijob gehen damit (15 % × 450,00 € =) 67,50 € an die Rentenversicherung. Aufs Jahr gesehen sind das immerhin 810,00 €.

Diesen Abgaben standen aber bei den Rentner-Jobbern (und nur bei diesen) keine Rentenansprüche gegenüber. Die Arbeitgeberbeiträge für Minijobber, die bereits eine volle Altersrente beziehen – egal ob eine vorgezogene oder die reguläre Altersrente –, gingen bislang immer in die allgemeine Rentenkasse und wurden nicht dem Rentenkonto der Jobber gutgeschrieben. Für die Betroffenen wurden also beträchtliche Abgaben abgeführt. Diese selbst hatten aber nichts davon.

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Neue Regeln

Seit Anfang 2017 gelten die neuen Regelungen zur Flexirente. Sie sorgen dafür, dass die Grenze zwischen Job und Ruhestand fließender wird. Und das betrifft auch die Senior-Minijobber. Neue Regelungen gibt es sowohl für diejenigen, die neben ihrer Rente einen neuen Minijob aufnehmen (Neufälle), als auch für diejenigen, die heute bereits einen Minijob ausüben (Bestandsfälle).

Diese Jobber haben nun das Recht, sich in die Rentenversicherung einzuwählen. Egal wie alt sie sind. Das nennt sich dann auf Neudeutsch Opting-in – also Einwahl. Das geht ziemlich einfach durch eine formlose schriftliche Erklärung dem Arbeitgeber gegenüber. Ab dem Zeitpunkt, an dem ein Minijobber eine solche Erklärung abgibt, ist er rentenversicherungspflichtig. Ausgenommen von dieser Möglichkeit sind nur diejenigen, die ihren Minijob bereits – ggf. vor einigen Jahren – vor dem Renteneintritt ausgeübt haben und bei der Aufnahme des Jobs auf die Rentenversicherungspflicht verzichtet haben.

Die Einwahl in die Rentenversicherung hat zunächst einmal zur Folge, dass der Arbeitgeber den Jobbern 3,7 % von ihrem Gehalt abzieht. Bei einem vollen 450-Euro-Job sind das 16,65 € im Monat. Statt 450,00 € zahlt ihnen der Arbeitgeber nur 433,35 € aus. Diese 3,7 % führt der Arbeitgeber zusammen mit seinem 15 %-Pauschalbeitrag an die Minijobzentrale ab.

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Höhere Rentenansprüche

Dieser Einzahlung entsprechen dann aber auch Rentenansprüche. Ein volles Jahr mit einem Minijob bringt dann für einen West-Rentner mindestens eine Erhöhung der Monatsrente um 4,43 €. Für einen Ost-Rentner ist es sogar etwas mehr. Es sind mindestens 4,66 €. Die neu erworbenen Rentenansprüche werden übrigens jeweils zum 1. Juli gutgeschrieben.

Das sind – wie erwähnt – allerdings nur die Mindestansprüche. Tatsächlich sind die Ansprüche, die durch den Minijob erworben werden, durchweg mehr wert. Denn mit zunehmendem Alter der Jobber steigt der Wert der Ansprüche. Für Versicherungsansprüche, die nach dem regulären Rentenalter erworben werden, gibt es pro Monat des verspäteten Rentenbezugs nämlich einen Zuschlag von 0,5 %. Nehmen wir als Beispiel einen 70-Jährigen, der ab Juli dieses Jahres ein Jahr lang einen vollen Minijob aufnimmt. Sein reguläres Rentenalter lag noch bei 65. Wenn die neuen Rentenansprüche gutgeschrieben werden, ist er 71 Jahre alt, also sechs Jahre – bzw. 72 Monate – über dem regulären Rentenalter. Die neu gutgeschriebenen Rentenansprüche werden dann nochmals um (72 × 0,5 % =) 36 % erhöht. Aus den oben genannten 4,43 € werden dann beispielsweise gut 6,00 €.

Minijobbern, die sich bereits im regulären Rentenalter befinden und einigermaßen fit sind, kann man zur Beitragszahlung nur raten. Denn nur so können sie erreichen, dass der 15 %-Beitrag des Arbeitgebers ihrem Rentenkonto gutgeschrieben wird. Den relativ geringen Eigenbeitrag hat man – je nach Alter – schon nach drei bis vier Jahren wieder heraus. Und nach den aktuellen Daten des Statistischen Bundesamtes kann ein 65-jähriger Mann im Schnitt noch mit 18 weiteren Lebensjahren rechnen. Bei Frauen sind es 21 Jahre.

Bei Frührentnern fällt die Rendite allerdings weniger positiv aus. Denn seit Anfang 2017 bringt für sie bereits der pauschale 15 %-Beitrag ihres Arbeitgebers ein Rentenplus. Dieses Plus geht für Frührentner auch dann nicht verloren, wenn sie sich gegen die Rentenversicherungspflicht entscheiden.

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Neufälle

Vom Ergebnis her – also was Beiträge und Rentenansprüche betrifft – gibt es zwischen Neu- und Altfällen keinen Unterschied. Das Verfahren sieht aber anders aus, weil man hier zwischen Frührentnern und denjenigen, die bereits das reguläre Rentenalter erreicht haben, unterscheiden muss.

Reguläre Rentner

Wer bereits die reguläre Altersrente bezieht, ist im Prinzip rentenversicherungsfrei. Das war bisher schon so. Neu ist aber, dass er sich in die Versicherungspflicht einwählen kann (Opting-in). Das funktioniert wiederum durch eine Erklärung dem Arbeitgeber gegenüber. Wer eine solche Erklärung abgibt, wird umgehend versicherungspflichtig und erwirbt durch den Job neue Rentenansprüche. Gibt er eine solche Erklärung nicht ab, landet der 15 %-Beitrag des Arbeitgebers in der allgemeinen Rentenkasse und nicht auf dem Rentenkonto des Betroffenen.

Frührentner

Nehmen wir einen 64-Jährigen, der ein vorzeitiges Altersruhegeld bezieht. Jetzt nimmt er einen Minijob auf. Der Job ist in diesem Fall versicherungspflichtig. Wenn der Rentner nichts unternimmt – also die Versicherungspflicht nicht abwählt –, dann läuft alles so ab, wie oben geschildert. Sein Lohn verringert sich um die Beiträge zur Rentenversicherung (also um 3,7 %) und er erwirbt volle Rentenansprüche. Würde er die Versicherungspflicht abwählen, so würde er immerhin durch den 15 %-Beitrag seines Arbeitgebers Rentenansprüche erwerben – allerdings nur bis zum regulären Rentenalter.

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