Flexi-Rente: Drei-Tage-Woche für 60-Jährige?

 - 

Eine Drei- oder Vier-Tage-Woche für Beschäftigte ab 60 Jahren gehört in der kommenden Chemie-Tarifrunde zu den zentralen Forderungen der Arbeitnehmer. Bis zum Jahresende will die Bundesregierung weitere Vorschläge für den flexibleren Renteneintritt vorlegen.

In interner Sitzung nahm eine Arbeitsgruppe der Koalition am gestrigen Dienstag in Berlin ihre Debatte über einen flexibleren Renteneintritt wieder auf. Die Koalitions-Arbeitsgruppe soll nach einem ersten Treffen vor der Sommerpause nun bis Ende dieses Jahres tagen.

Ziel der Arbeitsgruppe ist es auch, Hürden für die Erwerbstätigkeit über das gesetzliche Rentenalter hinaus abzubauen.

Die Meinungen zwischen Union und SPD gehen bei den Zielen der Flexi-Rente und den dafür erforderlichen Maßnahmen deutlich auseinander. Daher zweifeln Beobachter an weitgehenden Reformen.

Der Grünen-Rentenexperte Markus Kurth warf Union und SPD vor, auf politische Geländegewinne aus zu sein statt auf eine Lösung von Problemen älterer Beschäftigter. Dabei müsse die Rente mit 67 gerade für jene vernünftig gestaltet werden, die nicht bis 67 im Beruf Vollgas geben könnten. "Es deutet sich bereits an: Die Koalitionsfraktionen werden sich bloß auf Detailänderungen bei den Hinzuverdienstgrenzen verständigen und den Teilrentenbezug einige Monate früher als bisher möglich machen", sagte Kurth.

Der Rentenexperte Matthias W. Birkwald der Partei "Die Linke" forderte deutlich mehr Arbeitsplätze, die zum Älterwerden der Beschäftigten oder für bereits Ältere passten. Ungerechtigkeiten und soziale Härten sollten durch deutliche Reformschritte angegangen werden. "Abschläge bei der Erwerbsminderungsrente müssen entfallen", forderte Birkwald.

Annelie Buntenbach vom DGB-Vorstand sagte: "Es geht dabei nicht um eine neue Frühverrentungswelle, sondern darum, die Menschen mit einer geringeren Arbeitszeit und geringerer Arbeitsbelastung in Arbeit zu halten."

Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer erteilte den Gewerkschaftsforderungen eine klare Absage: "Es darf auf keinen Fall zur Senkung der Altersgrenze für den Bezug einer Teilrente von 63 auf 60 Jahre kommen. Eine Teilrente ab 60 ist angesichts der demographischen Entwicklung verfehlt." Nach Meinung der Arbeitgeber droht damit eine neue Frühverrentungswelle. Sie befürworten allerdings die Beseitigung rechtlicher Hemmnisse für eine Vollzeitbeschäftigung älterer Arbeitnehmer.

Eine Senkung des Anspruchsalters für den Bezug einer Teilrente von derzeit 63 auf 60 Jahre würde laut einer Studie des Bundessozialministeriums rund 900 Millionen Euro kosten. Die Bundesministerin für Arbeit und Soziales, Andrea Nahles (SPD), sieht deshalb eine Ausweitung der Teilrenten äußerst kritisch.

Weitere News zum Thema

  • Seit 1.1.2017: Änderungen in der gesetzlichen Rentenversicherung

    [] (verpd) In der gesetzlichen Rentenversicherung änderte sich zum 1. Januar 2017 einiges. So wurden die reguläre Altersgrenze und diejenige für die abschlagsfreie Rente ab 63 Jahre weiter angehoben. Auch die Beitragsbemessungs-Grenzen sind seit Jahresanfang höher, wodurch Arbeitnehmer mit einem Verdienst oberhalb der neuen Grenzen mehr Rentenbeitrag zahlen müssen. mehr

  • Seit 1.1.2017: Rentenbeginn flexibilisiert

    [] Am 1.1.2017 ist die Flexirenten-Reform in Kraft getreten. Sie soll dafür sorgen, dass künftig mehr Arbeitnehmer auch im (vorgezogenen) Ruhestand noch arbeiten oder sogar über die Regelaltersgrenze hinaus noch ihrem Betrieb erhalten bleiben. mehr

  • Worauf Rentner bei einem Wohnortwechsel achten sollten

    [] (verpd) Wer als Rentner den Wohnort dauerhaft wechselt und seine neue Postanschrift nicht dem für ihn zuständigen Rentenversicherungsträger mitteilt, muss damit rechnen, dass die Auszahlung seiner Altersbezüge eingestellt wird. Können nämlich Briefe des Rentenversicherungsträgers nicht zugestellt und die neue Adresse nicht ermittelt werden, wird die Rente nicht mehr überwiesen. mehr

  • So niedrig ist die Erwerbsminderungsrente

    [] (verpd) Ist ein gesetzlich Rentenversicherter aufgrund eines Unfalles oder einer Krankheit nicht mehr oder nur im eingeschränktem Maße fähig, irgendeiner Erwerbstätigkeit nachzugehen, bekommt er unter Umständen eine Erwerbsminderungsrente. Insgesamt beziehen knapp 1,8 Millionen Betroffene derzeit eine Erwerbsminderungsrente. Trotz einer vollen Erwerbsminderung erhielten die Betroffenen letztes Jahr im Durchschnitt jedoch keine 750 Euro Erwerbsminderungsrente. In den meisten Fällen ist das zu wenig, um das durch die verminderte Erwerbsfähigkeit entgangene Einkommen zu kompensieren. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.