Fiskus schöpft Rentenerhöhung ab

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Mehr als 20,6 Millionen Rentner können im kommenden Jahr mit der größten Steigerung ihrer Bezüge seit der Jahrhundertwende rechnen. Das Rekord-Plus könnte nach jüngsten Schätzungen vier bis fünf Prozent ausmachen. Doch leider träufelt das Finanzamt einige Wermutstropfen in diesen kräftigen Schluck aus der Pulle.

Nach den Zahlen des Renten-Schätzerkreises würden die Alters- und Hinterbliebenenrenten der deutschen Rentenversicherung im Juli kommenden Jahres um 4,35 % in den alten und um 5,03 % in den neuen Bundesländern steigen. Der aktuelle Rentenwert würde damit im Westen auf 30,48 € und im Osten auf 28,41 € steigen.

Doch heute schon befürchten manche Senioren, dass vom Rentenplus vor allem der Fiskus profitiert. Doch hier kann Entwarnung gegeben werden. Durch die Rentenerhöhung werden nur wenige Senioren in die Steuerpflicht rutschen. Klar ist allerdings: Jeder Euro Rentenzuwachs von Juli 2016 an bedeutet bei allen, die bereits jetzt Rente erhalten, auch eine Erhöhung des steuerpflichtigen Einkommens um einen Euro.

Die für Mitte 2016 erwartete Rentenerhöhung führt nach Einschätzung der Bundesregierung zu Mehreinnahmen für den Fiskus von knapp 1,5 Milliarden Euro in zwei Jahren. Durch diese Rentenanhebung müssen im Jahr darauf voraussichtlich 128.000 Senioren erstmals Steuern zahlen.

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Fiskus sahnt ab

Die Rentenbesteuerung funktioniert dabei folgendermaßen: Nach dem Alterseinkünftegesetz, das die Rentenbesteuerung völlig umgekrempelt hat, sind für diejenigen, die schon 2005 Rentner waren oder 2005 in den Ruhestand getreten sind, 50 % der 2005 bezogenen Rente steuerfrei. Für Neurentner des Jahres 2006 lag der steuerfreie Anteil nur noch bei 48 %, 2010 waren es nur noch 40 % und 2015 nur noch 30 %. Für Neurentner des Jahres 2040 wird die volle Rente steuerpflichtig sein.

Praktisch funktioniert dies so, dass das Finanzamt jeweils einmalig einen Rentenfreibetrag errechnet. Dieser Freibetrag gilt dann auf Dauer. Der individuelle Rentenfreibetrag wird immer aus der ersten vollen Jahresbruttorente ermittelt. Da die meisten Renten im ersten Jahr für weniger als zwölf Monate gezahlt werden, wird der endgültige Rentenfreibetrag erst aus der vollen Jahresbruttorente des zweiten Rentenbezugsjahres ermittelt.

Wenn Sie beispielsweise im November 2014 in Rente gegangen sind, liegt der maßgebliche Prozentsatz zur Ermittlung des Rentenfreibetrags bei 32 %. Dieser Prozentsatz wird auf Ihre Jahresbruttorente des Jahres 2015 angelegt. Nehmen wir an, diese beträgt 14.000,00 €. Dann kommen Sie auf einen Freibetrag von 4.480,00 €. Dieser (feste) Freibetrag gilt für Sie lebenslang. Steuerpflichtig sind damit 2015 zunächst 9.520,00 €. Wenn sich Ihre gesetzliche Rente im Juli 2016 um 4,35 % erhöht, werden Sie in der zweiten Jahreshälfte 2016 ein Rentenplus von 304,50 € haben. Dieser Betrag ist voll steuerpflichtig. Der steuerpflichtige Teil Ihrer Rente steigt damit auf 9.824,50 €.

Steuerlichen Grundfreibetrag berücksichtigen

Das bedeutet allerdings nicht, dass Sie tatsächlich Steuer zahlen müssen. Denn vom steuerpflichtigen Anteil der Rente wird 2016u.a. der steuerliche Grundfreibetrag von 8.652,00 € abgezogen. Weiterhin können Sie Ihre vollen Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung absetzen. Bei einer Rente von 14.304,50 € werden diese 2015 – bei gewissen Unterschieden je nach Krankenkasse – bei gut 1.500,00 € liegen. Darüber hinaus wird die Werbungskostenpauschale für Rentner von 102,00 €, der Sonderausgabenpauschbetrag von 36,00 € und die Beiträge zu bestimmten Versicherungen abgezogen. De facto wird unser Beispielrentner damit – wenn keine weiteren Einkünfte hinzukommen – auch 2016 noch keine Steuern zahlen müssen.

Abgaben ans Finanzamt müssen derzeit noch vor allem diejenigen entrichten, die neben ihrer gesetzlichen Rente noch weitere Einkünfte etwa aus Betriebsrenten, Vermietungen oder Kapitalanlagen erzielen. Für künftige Rentnerjahrgänge – die niedrigere Freibeträge geltend machen können – wird der Zugriff des Fiskus auf einen (kleinen) Teil der Rente allerdings zur Normalität werden.

Auch Rentner können Teile ihrer Ausgaben von der Steuer absetzen. Als Sonderausgaben können beispielsweise Spenden und Kirchensteuer berücksichtigt werden. Auch Werbungskosten können anfallen. Dazu zählt insbesondere das Honorar für einen privaten Rentenberater. Im ersten Rentenbezugsjahr können ggf. auch freiwillige Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung bzw. Beiträge zum Ausgleich einer Rentenminderung (wg. vorzeitigen Renteneintritts) geltend gemacht werden. Entsprechende Ausgaben können 2015 zu 80 % steuerlich geltend gemacht werden. 2016 sind es 82 %.

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