Fast 1,5 Millionen Menschen gingen 2015 in Rente

 - 

Das sind rund 105.000 mehr als 2014. Die aktuelle Statistik der Deutschen Rentenversicherung nennt die Gründe dafür.

Das wichtigste Ergebnis der Rentenstatistik vorweg: Von 888.500 Altersrenten (rund 60 % aller Neurenten) entfielen 247.000 auf die neue abschlagsfreie Rente mit 63 (also 28 % der Altersrenten, Anstieg bei Männern um rund 48 % und bei Frauen um rund 57 % gegenüber 2014) und immerhin 141.000 auf die abschlagspflichtige Rente mit 63 (also 16 % der Altersrenten, Anstieg bei Männern um 5 % und bei Frauen um 214 % gegenüber 2014).

Diese 141.000 Neurentner hätten ihre Rentenabschläge abkaufen können, wenn sie das Geld dazu oder das Wissen über diese Möglichkeit gehabt hätten. Wahrscheinlich haben es wie in den Vorjahren wieder nur 800 bis 1.000 getan. Grund, falls das Geld dafür eigentlich da wäre (zum Beispiel erhaltene Ablaufleistung aus Kapital-Lebensversicherung): Nichtwissen und/oder Angst vor dem komplizierten Verfahren. Die Rentenberater der DRV machen nicht von sich auf diese Möglichkeit aufmerksam.

Zentrale Ergebnisse des Rentenzugangs 2015

Deutliche Erhöhung der Rentenzugänge im Vergleich zum Vorjahr: Im Jahr 2015 sind insgesamt rund 1,467 Millionen Renten zugegangen. Das bedeutet eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr um rund 105.000 Zugänge (bzw. 7,7 %).

Das ist hauptsächlich auf einen deutlichen Zuwachs bei den Altersrentenzugängen zurückzuführen. Die Zugangszahl war mit rund 888.500 Altersrenten um rd. 64.900 (bzw. 7,9 %) höher als im Jahr 2014 (823.600 Altersrenten).

Ein erheblicher Anstieg ist ebenfalls bei den Renten wegen Todes zu verzeichnen, mit rund 404.000 Zugängen liegt der Anstieg bei rund 36.300 Renten (bzw. 9,9 %).

Bei den Erwerbsminderungsrenten zeigt sich mit rund 174.300 Zugängen ein vergleichsweise leichter Anstieg gegenüber dem Vorjahr. Er be trägt rd. 2,1 %, das sind rd. 3.500 mehr Zugänge als im Vorjahr.

Anzahl der Altersrentenzugänge 2015 deutlich gestiegen, Zugangsstruktur verändert

Der hohe Zuwachs bei den Altersrentenzugängen beruht zum größten Teil auf einer starken Inanspruchnahme dieser Renten von Frauen. Gegenüber dem Vorjahr betrug der Zuwachs rund 50.900 Fälle (bzw. 12,3 %). Die entsprechende Zuwachsrate bei den Männern beträgt 3,4 % oder rund 14.000 Fälle.

Dabei zeigen sich im Vorjahresvergleich erhebliche Strukturverschiebungen in der Inanspruchnahme der einzelnen Altersrentenarten mit zum Teil gegenläufigen Entwicklungen.

Inanspruchnahme der vorgezogenen Altersrentenzugänge im Alter 63 steigt

Die Anzahl aller Altersrentenzugänge im Alter 63 ist im Zugang 2015 um rund 124.000 Fälle im Vergleich zum Vorjahr sprunghaft angestiegen, wobei der größte Zuwachs bei den Frauen mit rund 90.000 Zugängen zu verzeichnen ist. Diese Entwicklung dürfte im Wesentlichen darauf beruhen, dass mit Auslaufen der Altersrente für Frauen“ und Rente wegen Arbeitslosigkeit oder nach Altersteilzeitarbeit“ für Versicherte der Geburtsjahrgänge ab 1952 ein Rentenzugang mit diesen Rentenarten ab dem 60. Lebensjahr nicht mehr möglich ist. Frühester Rentenbeginn ist für diese Jahrgänge das Alter 63 mit Inanspruchnahme der "Altersrente für langjährig bzw. besonders langjährig Versicherte". Die starken Zuwächse der Altersrenten im Alter 63 deuten daraufhin, dass Versicherte der Geburtsjahrgänge ab 1952 in den Vorjahren ihren Rentenbeginn aus den genannten Gründen aufgeschoben und nun zum für sie frühestmöglichen Zeitpunkt die Rente beansprucht haben.

Inanspruchnahme der "Altersrente für langjährig Versicherte" bei Frauen steigt

Als Folge des geschlossenen Zugangs in die "Altersrente für Frauen" nehmen viele Frauen alternativ die "Altersrente für langjährig Versicherte" in Anspruch. Die Zugangszahl hat sich 2015 von rund 24.200 im Vorjahr auf rund 75.900 mehr als verdreifacht. Bei den Männern sind die Zugangszahlen in diese Altersrente von rund 61.900 im Vorjahr auf rund 65.000 im Jahr 2015 nur leicht gestiegen (rund 5,0 %).

Hohe Zugangszahlen in die "Altersrente für besonders langjährig Versicherte"

Bei Erfüllung der 45-jährigen Wartezeit können Versicherte seit dem 1. Juli 2014 bereits ab Vollendung des 63. Lebensjahres abschlagsfrei die "Rente für besonders langjährig Versicherte" in Anspruch nehmen. Bei einem Vergleich der aktuellen Zugangszahlen mit dem Vorjahr muss berücksichtigt werden, dass diese Möglichkeit im Jahr 2014 nur im zweiten Halbjahr zur Verfügung stand, wohingegen sie im aktuellen Berichtsjahr 2015 in beiden Halbjahren beansprucht werden konnte. Erwartungsgemäß ist deshalb die Zugangszahl in diese Rentenart bei Männern wie bei Frauen gestiegen: Bei Männern um rund 47,8 % auf rund 161.900 Zugänge, bei den Frauen von rund 41.600 im Jahr 2014 auf rund 112.300 im Jahr 2015, was nahezu einer Verdreifachung entspricht. Dabei ist der Frauenanteil bei den Rentenzugängen der Rente für besonders langjährig Versicherte von rund 27 % im Jahr 2014 auf nunmehr 41 % im Jahr 2015 gestiegen. Etwa drei Viertel der Zugänge bei Männern und Frauen in diese Altersrentenart erfolgte im 63. Lebensjahr.

Anzahl der neuen Mütterrenten“ auch in diesem Jahr noch hoch

Durch die Anerkennung eines weiteren Kindererziehungsjahres pro Kind mit Geburt vor 1992 haben Personen teils unter Zahlung von freiwilligen Beiträgen erstmalig die Wartezeit für einen Anspruch auf eine Regelaltersrente erlangt (im Folgenden: neue Mütterrenten“). Das betrifft zu 99,2 % westdeutsche Frauen im Alter ab 65 Jahren. Aufgrund längerer Erwerbsbiografien bestand bei den meisten ostdeutschen Frauen bereits ein Rentenanspruch. Im Rentenzugang 2015 sind noch einmal rund 39.000 dieser neuen Mütterrenten“ enthalten, im Vorjahr waren es rund 64.000 Fälle.

Stärker besetzte Geburtsjahrgänge erreichen das Rentenalter

Der insgesamt zu verzeichnende Anstieg der Zugangszahl in Altersrenten ist zum Teil auch demografisch bedingt. Es erreichen zunehmend stärker besetzte Jahrgänge das Rentenalter. Die Anzahl an 60- bis 65-Jährigen lag am 31.12. 2014 den Daten des Statistischen Bundesamts zufolge bei rund 6,12 Millionen Personen. Im Jahr 2015 sind rund 6,25 Millionen Personen dieser Altersgruppe erfasst, das entspricht einem Zuwachs von rund 2,1 %.

Deutlicher Anstieg der Zahlbeträge bei Erwerbsminderungsrenten

Der durchschnittliche Rentenzahlbetrag ist bei den Erwerbsminderungsrentenzugängen im Vorjahresvergleich von rund 628 Euro in 2014 um rund 7,1 % auf rund 672 Euro in 2015 gestiegen. Neben der Rentenanpassung ist hier auf die Wirkung der EM-Reform im Rahmen des Rentenpakets hinzuweisen, bei der für Fälle mit Rentenbeginn ab dem 1. Juli 2014 die Zurechnungszeit um zwei Jahre auf das 62. Lebensjahr verlängert und zusätzlich eine modifizierte Vergleichsbewertung des Gesamtleistungswerts mit Günstigerprüfung durchgeführt wurde. Im Rentenzugang 2015 fallen rund 80 % aller EM-Zugänge unter das neue Recht, während das im Rentenzugang 2014 noch unter 20 % waren.

Weitere News zum Thema

  • Erwerbsminderungsrente wegen fehlender Wegefähigkeit

    [] Ein Urteil des Landessozialgerichts Baden-Württemberg rückt einen speziellen Fall der Erwerbsunfähigkeit in den Vordergrund: die nicht (mehr) vorhandene Fähigkeit, den Arbeitsweg zu bewältigen (Wegefähigkeit). mehr

  • Ohne Antrag keine gesetzliche Rente

    [] (verpd) Je nach Rentenart müssen diverse Voraussetzungen erfüllt sein, um einen Anspruch auf eine Rente zu haben. Grundsätzlich erhält zudem jeder nur eine entsprechende Rente, wenn er diese vorher beantragt hat. Um eine Verzögerung der Rentenbewilligung zu vermeiden, ist es für den Antragsteller wichtig zu wissen, wo, wann und mit welchen Angaben sowie Unterlagen ein Antrag zu stellen ist. Eine Broschüre der Deutschen Rentenversicherung hilft dabei. mehr

  • Fehlgeleitete Überweisung der Rente

    [] Ein Stück aus dem Leben: In Zeiten von IBAN haben viele Menschen – nicht nur Senioren – Schwierigkeiten mit den ellenlangen Kontonummern. Ein Opfer der Zahlenvielfalt war ein Rentner aus Rheinland-Pfalz, der der deutschen Rentenversicherung eine falsche IBAN mitgeteilt hatte. Der Rentenversicherungsträger überwies das Geld daraufhin an den unbekannten Kontoinhaber und wollte die Rente auch nicht wiederbeschaffen. mehr

  • Keine Lohngleichheit zwischen Männern und Frauen

    [] (verpd) Obwohl letztes Jahr die Lohnungleichheit hierzulande zwischen Männern und Frauen im Vergleich zu vorhergehenden Jahren leicht abgenommen hat, liegt deren Brutto-Stundenverdienst immer noch um mehr als ein Fünftel unter dem der Männer. Innerhalb Europas gehört Deutschland beim Thema gleicher Lohn für Männer und Frauen seit Jahren zum Schlusslicht im Vergleich zu den anderen EU-Ländern. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.