Beamtenpensionen: Fakten gegen Vorurteile

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Kommentar von Werner Siepe zur Kunst von Journalisten, aus einer richtigen Statistik die falschen Schlüsse zu ziehen.

BILD, FAZ, WIWO und andere Medien haben versucht, den Anstieg des Nettogesamtvermögens von 21,6 % bei den Pensionären im Zeitraum von 2008 bis 2013 ihren Lesern plausibel zu erklären.

Dabei ist es ihnen hervorragend gelungen, aus einer richtigen Statistik (hier "Geld- und Immobilienvermögen sowie Schulden der privaten Haushalte 2008 bzw. 2013" des Statistischen Bundesamts) völlig falsche Schlüsse zu ziehen (siehe den Geldtipps-Beitrag "Die Mär von den reichen Pensionären").

1. Fehlschluss: Pensionäre haben besonders vom Kursboom an den Aktienmärkten profitiert

Fakt laut Statistik: Das in Aktien und Aktienfonds angelegte Geldvermögen betrug 17.200 € im Jahr 2013 (davon 11.700 € in Aktien), siehe Seite 45 der Statistik für 2013. Dies sind 3.100 € weniger im Vergleich zu den 20.300 € (davon 5.000 € in Aktien) im Jahr 2008 laut Statistik für 2008. Das Aktienvermögen der Pensionäre ist also in fünf Jahren um 15 % gesunken.

2. Fehlschluss: Pensionäre hatten in 2013 ein höheres Geldvermögen im Vergleich zu 2008

Fakt laut Statistik: Das Nettogeldvermögen der Pensionäre ist von 94.700 € in 2008 um 700 € auf 94.000 € in 2013 gesunken (siehe Seiten 28 bzw. 27 der jeweiligen Statistiken), also de facto gleich geblieben Im Nettogeldvermögen sind auch Aktien enthalten, die bei Pensionären nur einen geringen Anteil von 18 % in 2013 bzw. 21 % in 2008 ausmachen.

3. Fehlschluss: Pensionäre profitieren von hohen Preissteigerungen bei Immobilien in bester Lage

Fakt laut Statistik: Das Nettoimmobilienvermögen der Pensionäre ist von 245.600 € in 2008 auf 298.700 € in 2013 gestiegen, also um rund 35 % (siehe ebenda). Allerdings ist dabei zu berücksichtigen, dass dies ausschließlich auf die von den Pensionären mit Haus- und Grundbesitz angegebenen höheren Verkehrswerte (337.100 € in 2013 statt 250.400 € in 2008, siehe Seiten 76 bzw. 74) zurückzuführen ist.

4. Fehlschluss: Pensionäre können einen enormen Zuwachs beim Immobilienvermögen realisieren

Fakt laut Statistik: Die Verkehrswerte wurden von den befragten Pensionärshaushalten geschätzt. Jeder, der sich im Immobilienmarkt auskennt, weiß um die Ungenauigkeit dieser Schätzungen. Mit Sicherheit haben sich die Pensionäre bei ihren Schätzungen von den Nachrichten über Preissprünge für Immobilien in Ballungsgebieten leiten lassen. Wertsteigerungen auf dem Papier sind aber keine realisierten Gewinne. Eine Immobilie ist letztlich nur das wert, was ein Käufer tatsächlich dafür bezahlt.

5. Fehlschluss: Pensionäre werden immer reicher

Fakt laut Statistik: Der starke Anstieg des Nettogesamtvermögens beruht ausschließlich auf der Höherbewertung des Haus- und Grundbesitzes durch die Pensionäre selbst. Ein durch Verkauf realisierter Vermögenszuwachs hat tatsächlich gar nicht stattgefunden. Der vermeintlich enorme Vermögenszuwachs um 21,6 % steht nur auf dem Papier und ist lediglich ein Hoffnungswert.

Fazit

Nicht nur das Gerede von den reichen Pensionären an sich ist eine Mär. Auch die Schlüsse "Pensionäre immer reicher" (siehe BILD) oder "Von wegen Enteignung: Reich, reicher, Pensionäre" (siehe Wirtschaftswoche) sind eine bloße Erfindung von Journalisten, die ihre Neidkomplexe gegenüber Pensionären nicht loswerden können.

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