Erwerbsminderungsrente soll steigen – aber erst ab 2018

Erwerbsminderungsrente soll steigen – aber erst ab 2018

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Fast jeder vierte Erwerbsminderungsrentner ist zusätzlich zur Rente auf aufstockende Sozialhilfe angewiesen, weil die Rente nicht zur Sicherung des Lebensunterhalts reicht.

Derzeit liegt die Höhe der Erwerbsminderungsrente bei knapp 700,00 €. Die Bundesregierung hat nun einen Stufenplan zur Reform dieser Rente vorgelegt, der die Situation der Betroffenen etwas verbessern wird.

Profitieren werden allerdings nur die Neurentner und nicht die Bestandsfälle. Und: Entwarnung kann nach wie vor nicht gegeben werden. Gerade für jüngere Arbeitnehmer ist eine zusätzliche private Absicherung gegen Berufsunfähigkeit unerlässlich.

Bei dem jüngsten Reformvorhaben heißt das entscheidende Stichwort Zurechnungszeit . Diese Zeit ist wichtig, weil Erwerbsminderung derzeit im Durchschnitt im Alter von 51 (!) Jahren eintritt – das heißt: In einem Alter, in dem die Betroffenen erst ganz geringe Rentenansprüche erworben haben. Die Zurechnungszeiten sollen – rentenrechtlich zumindest – die Lücke zwischen dem Eintritt der Erwerbsminderung und dem Rentenalter zumindest einigermaßen schließen. Wie das funktioniert, zeigt folgendes Beispiel:

Beispiel:

Ein Arbeitnehmer hat mit 30 einen schweren Autounfall – und kann in dessen Folge nicht mehr arbeiten. Er hat Anspruch auf die gesetzliche Erwerbsminderungsrente. Bei der Berechnung seiner Rente wird derzeit so getan, als ob er bis zum 62. Geburtstag mit seinem bisherigen Durchschnittsverdienst (das jeweils in Relation gesetzt wird zum Durchschnittsverdienst aller Rentenversicherten) weiter gearbeitet und Versicherungsbeiträge an die Rentenkasse abgeführt hätte. Hat der Versicherte vor dem Unfall gut verdient und hohe Beiträge an die Rentenkasse abgeführt, werden auch die fehlenden Versicherungsjahre bis zum 62. Geburtstag entsprechend hoch bewertet – und umgekehrt. Das Gros der Erwerbsminderungsrentner/-innen gehörte allerdings vor dem Eintritt ihrer Erwerbsminderung nicht zu den Gutverdienern.

Die 62-Jahres-Grenze für die Zurechnungszeit gilt erst seit Mitte 2014 (vorher lag die Grenze bei 60 Jahren). Seitdem ist das Niveau der Erwerbsminderungsrenten ein wenig gestiegen. Das jüngste Vorhaben der Bundesregierung sieht vor, dass als Zurechnungszeit die Zeit bis zum 65. Geburtstag berücksichtigt werden soll. Das soll allerdings erst ab 2024 gelten. Bis dahin soll sich die Endmarke der Zurechnungszeit in mehreren Schritten der 65-Jahres-Grenze annähern. So soll zum 1.1.2018 die Zurechnungszeit um drei Monate verlängert werden – bis auf 62 Jahre und drei Monate. Ab Januar 2019 dann um weitere drei Monate. In den folgenden fünf Jahren soll sich die finanzielle Lage der Betroffenen aber schneller verbessern – durch eine um jeweils sechs Monate pro Jahr verlängerte Zurechnungszeit. Ab dem 1.1.2024 sollen neu Erwerbsgeminderte dann so gestellt sein, als hätten sie mit ihrem bisherigen im Lebensdurchschnitt erzielten Einkommen bis zu ihrem 65. Lebensjahr weitergearbeitet.

Wichtig ist aber weiterhin: Die meisten Erwerbsminderungsrentner müssen bei ihrer mit Berücksichtigung der Zurechnungszeit berechneten Rente noch einen Abschlag von 10,8 % hinnehmen.

Alles Wissenwerte zur gesetzlichen Rente einschließlich aller Neuerungen zum 1.7.2017 erfahren Sie in unserem aktualisierten Dossier Der kleine Rentenratgeber.

Private Berufsunfähigkeitsversicherung ein Muss

Sind Sie vor dem 2.1.1961 geboren worden? Dann gilt bei der gesetzlichen Rentenversicherung für Sie noch ein Berufsschutz. Sie erhalten die Rente, wenn Sie in Ihrem zuletzt ausgeübten Beruf noch nicht einmal mehr drei Stunden täglich arbeiten können. Für Jüngere gilt dagegen jeder Job als zumutbar. Für sie ist deshalb eine private Berufsunfähigkeitsversicherung Gold wert.

Verbraucherschützer sehen eine private Berufsunfähigkeitsversicherung als Pflicht an. Sie gilt als zusätzliche Privatvorsorge fürs Alter. Für viele ältere Arbeitnehmer, die bereits Vorerkrankungen haben, kommt der Abschluss einer privaten Berufsunfähigkeitsversicherung nicht mehr infrage, weil sie entweder keine Versicherung finden, die bereit ist, mit ihnen einen Vertrag abzuschließen, oder weil die Versicherung für sie (wegen ihrer hohen Risiken) viel zu teuer ist. Die Versicherung sollte man also so früh wie möglich abschließen, am besten bevor sich gesundheitliche Einschläge einstellen.

Selbst wenn Sie selbst eine Berufsunfähigkeitsversicherung nicht mehr abschließen können, sollten Sie an Ihre Kinder oder Enkel denken. Diese sollten den Abschluss einer privaten Berufsunfähigkeitsversicherung bereits ab dem 16. Geburtstag erwägen. In diesem Alter können sie relativ preiswert einsteigen. Da Jüngere meist noch keine längere Krankengeschichte haben, bleiben sie zudem von Risikozuschlägen oder Ausschlüssen für bestimmte Krankheiten verschont. Übrigens: Die Wahrscheinlichkeit, von Berufsunfähigkeit betroffen zu sein, liegt bei 1 : 4 (und das ist um ein Vielfaches wahrscheinlicher als ein Lottogewinn).

Aktuelle Tipps zum flexiblen Renteneintritt geben Experten in unserem praxisorientierten Ratgeber Die Flexi-Rente: Neue Chancen für Rentenversicherte und Rentner.

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