Erhöhung der Zurechnungszeit bei Erwerbsminderungsrenten

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Wer aus gesundheitlichen Gründen dauerhaft nicht mehr arbeiten kann, bekommt eine Erwerbsminderungsrente. Die wird für Neufälle ab Mitte des Jahres 2014 höher ausfallen als vorher.

Bisher galt die Regelung, dass eine Zurechnungszeit vom Eintritt der Erwerbsminderung bis zum 60. Lebensjahr berechnet wird, sofern die Erwerbsminderung vor Erreichen der Altersgrenze von 60 Jahren eingetreten ist. Für jedes Jahr der Zurechnungszeit werden Entgeltpunkte angesetzt, die im Rahmen einer komplizierten Gesamtleistungsbewertung ermittelt und somit auf die gesetzliche Rente angerechnet werden. Vereinfacht ausgedrückt: Pro Jahr an Zurechnungszeit wird der jährliche Durchschnitt der Entgeltpunkte aus der gesamten bisherigen Versicherungsdauer zugrunde gelegt.

Auch in diesem Punkt plant nun die Koalition eine Verbesserung: Ab dem 1.7.2014 soll die Zurechnungszeit um zwei Jahre erhöht werden, also bis zum 62. Lebensjahr statt zum 60. Lebensjahr wie bisher. Folge: Die Erwerbsminderungsrenten steigen für alle, die vor Vollendung des 62. Lebensjahres wegen voller oder teilweiser Erwerbsminderung in Rente gehen. Die durchschnittliche Erhöhung wird auf rund 40,00 € pro Monat geschätzt. Wer vor dem 60. Lebensjahr wegen voller Erwerbsminderung vorzeitig in Rente geht und bis dahin immer so viel verdient hat wie der Durchschnitt der Arbeitnehmer, kann mit rund 56,00 € mehr pro Monat rechnen. Durchschnittsverdiener mit einer Erwerbsminderungsrente ab dem 61. Lebensjahr erhalten monatlich rund 28,00 € mehr.

Droht eine Erwerbsminderung vor Erreichen des 62. Lebensjahrs, sollten Sie den Rentenantrag wegen Erwerbsminderung erst stellen, wenn sich die Zurechnungszeit laut Gesetz (Änderung des § 59 Abs. 1 SGB VI) tatsächlich um zwei Jahre auf das vollendete 62. Lebensjahr erhöht hat, im Zweifel also erst nach dem 1.7.2014.

Sonderfall Beamtenversorgung: Eine wirkungsgleiche Übertragung der um zwei Jahre erhöhten Zurechnungszeit bei der Erwerbsminderungsrente auf die Beamtenversorgung ist noch nicht geklärt. Zurzeit wird bei Beamten die Zeit vom Eintritt der Dienstunfähigkeit bis zum vollendeten 60. Lebensjahr mit zwei Dritteln auf die Pension angerechnet. Von der Erhöhung auf das 62. Lebensjahr würden daher die Beamten profitieren, die vor Vollendung des 62. Lebensjahres wegen Dienstunfähigkeit vorzeitig pensioniert werden. Ob eine solche Neuregelung außer für die Bundesbeamten auch für alle Landes- und Kommunalbeamten in 16 Bundesländern gelten wird, ist zumindest zweifelhaft.

Quelle: "Der GeldBerater", März 2014

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