Eheschließung ökonomisch betrachtet: Warum Heiraten sich lohnen kann

Eheschließung ökonomisch betrachtet: Warum Heiraten sich lohnen kann

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Ehepaare noch dominierend, aber rückläufig, ist eine Pressemitteilung des Statistischen Bundesamts überschrieben. Danach gab es 2014 in Deutschland 20,4 Millionen Paare. Sie genießen zahlreiche Vorteile gegenüber nicht-verheirateten Paaren.

Davon waren 85,7 % Ehepaare und 13,9 % nichteheliche Lebensgemeinschaften. Der Rest – 0,4 % – waren gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften.

Eine offizielle Ehe ist damit immer noch das Standardmodell für Paarbeziehungen. Die Vorteile bei der sozialen Absicherung spielen hierbei sicherlich eine Rolle. Folgend ein Überblick.

Rente und Alterssicherung

5,4 Millionen Witwen und Witwer erfahren derzeit den Nutzen der Eheschließung ganz praktisch: Sie beziehen Hinterbliebenenrente. Wer auf den Trauschein verzichtet hat, geht dagegen nach dem Tod des Partners leer aus. Den Hinterbliebenenschutz gibt es übrigens bei der gesetzlichen Rente ohne Aufpreis dazu.

Wer nach dem Tod seines Ehepartners nochmals heiratet, verliert die Witwen- bzw. Witwerrente. Dafür gibt es aber als Abfindung – auf Antrag – 24 Hinterbliebenenrenten auf einen Schlag.

Versorgungsausgleich

Partnerschaften scheitern häufig – egal ob mit oder ohne Trauschein. Doch nur für Verheiratete greift dann der sogenannte Versorgungsausgleich. Dieser ist vor allem für den Partner in der Ehe ein Segen, der weniger verdient (hat) – also meist für die Frauen. Wenn eine Ehe scheitert, geht’s nämlich ans Teilen. Auch die Rentenansprüche, die die Partner in der Ehezeit erworben haben, werden dabei halbiert. Beispiel: Partner A hat in der Ehezeit insgesamt 1.000,00 € Rentenansprüche erwirtschaftet, Partner B nur 200,00 €. Die Folge: Der besser abgesicherte Partner muss dann genau 400,00 € an den oder die Ex abgeben.

Bei Ehen, die bereits in den ersten drei Jahren scheitern, erfolgt der Versorgungsausgleich nicht automatisch. Dieser muss extra beantragt werden. Wenn es zwischen den Partnern etwas auszugleichen gibt, lohnt es sich, beim Familiengericht einen solchen Antrag zu stellen.

Steuerersparnis

Gut verdienender Arzt heiratet schlecht verdienende Krankenschwester – unter steuerlichen Gesichtspunkten ist das nach wie vor ein Treffer. Denn durch das sogenannte Splittingverfahren spart das Paar einiges an Steuern. Beispiel: A hat ein zu versteuerndes Jahreseinkommen von 50.000,00 €, B 10.000,00 €. Wenn beide heiraten und die gemeinsame Veranlagung wählen, sparen sie derzeit jährlich 1.999,50 € an Einkommensteuer und Solidaritätszuschlag. Zudem haben nur Verheiratete bei den Steuerklassen einen Gestaltungsspielraum. Das kann sich gegebenenfalls beim Eltern- oder Arbeitslosengeld auszahlen. Besonders interessant ist dabei vielfach die wenig bekannte Steuerklasse IV-Faktor.

Wie wirkt sich der Splittingvorteil für Ehepaare aus?

Zu versteuerndes Einkommen von

Gesamte Einkommensteuer und Solidaritätszuschlag des Paars

Partner 1

Partner 2

verheiratet

unverheiratet

Splittingvorteil

60.000,00 €

0,00 €

11.537,48 €

17.729,27 €

6.191,79 €

55.000,00 €

5.000,00 €

11.537,48 €

15.513,77 €

3.976,29 €

50.000,00 €

10.000,00 €

11.537,48 €

13.536,98 €

1.999,50 €

45.000,00 €

15.000,00 €

11.537,48 €

12.597,72 €

1.060,24 €

40.000,00 €

20.000,00 €

11.537,48 €

12.012,23 €

474,75 €

35.000,00 €

25.000,00 €

11.537,48 €

11.655,63 €

118,15 €

30.000,00 €

30.000,00 €

11.537,48 €

11.537,48 €

0,00 €

Krankenversicherung

Paare, die heiraten, können unter Umständen von der kostenlosen Familienversicherung der gesetzlichen Krankenkassen profitieren. Ein Partner, der nur Einkommen aus einem Minijob (bis 450,00 €) bzw. bei sonstigen Einkünften monatlich maximal 415,00 € zur Verfügung hat, kann über den pflichtversicherten Partner ohne eigenen Beitrag mitversichert sein. Dies gilt meist auch für Kinder.

Kinder

Bringt einer der Partner ein oder mehrere Kinder mit in die Ehe, so hat der andere bisher kinderlose Partner noch zusätzliche Vorteile. So gibt es etwa für Arbeitslose mit Kind mehr Arbeitslosengeld. Das können monatlich bis zu 150,00 € sein. Diesen Zuschlag gibt es ab dem Monat der Eheschließung. Und: Bei der Pflegeversicherung müssen Versicherte mit Kind (und sei es ein Stiefkind) monatlich einen um 0,25 % niedrigeren Beitrag zahlen.

Kindergeld

Wichtig für junge Paare, die noch im Kindergeldalter sind: Nach einem Urteil des Bundesfinanzhofs vom 5.3.2014 schadet eine Eheschließung beim Kindergeld nicht mehr. Die Eltern einer 23-jährigen Studentin erhalten also auch dann noch Kindergeld, wenn ihre Tochter heiratet – selbst wenn der glückliche Partner ganz ordentlich verdient (Az. XI R 32/13).

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