Düstere Aussichten beim Thema Altersarmut

Düstere Aussichten beim Thema Altersarmut

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(verpd) Die zentrale Erkenntnis einer kürzlich präsentierten Studie der Bertelsmann Stiftung ist, dass die Zahl der von Armut bedrohten Rentner bis zum Jahr 2036 voraussichtlich deutlich steigen wird. Das Risiko, von Altersarmut betroffen zu werden, ist bei bestimmte Personengruppen wie Langzeitarbeitslosen, alleinstehende Frauen und Niedrigqualifizierten deutlich höher als bei anderen.

Die Studie Entwicklung der Altersarmut bis 2036. Trends, Risikogruppen und Politikszenarien ist nach Angaben der Studienautoren der Frage nachgegangen, wie sich das Altersarmutsrisiko bis zum Jahr 2036 entwickelt und welche Gruppen davon besonders betroffen sein werden. Erstellt wurde die Studie vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung e.V. (DIW) und dem Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung GmbH (ZEW) im Auftrag der Bertelsmann Stiftung.

Die Untersuchung fokussiert die Generation der zwischen 1947 und 1969 Geborenen, also diejenigen, die von 2014 bis 2036 das 67. Lebensjahr erreichen werden. Basis der empirischen Untersuchung sind die Daten des sozio-ökonomischen Panels (SOEP) von 2013 beziehungsweise die Befragung von 20.000 Personen in 12.000 Haushalten unter anderem zu Erwerbstätigkeit, Einkommen, Familienstand und Altersvorsorge-Aufwendungen. SOEP ist eine seit über 30 Jahren jährlich durchgeführte repräsentative Befragung von Haushalten in Deutschland.

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Armuts- und Grundsicherungsquote werden steigen

Ein Studienergebnis ist, dass zwar voraussichtlich die Armutsrisikoquote der Neurentner von derzeit 16,2 Prozent bis 2021/2025 auf 15,6 Prozent zurückgehen, dann aber bis 2026/2030 auf 19,2 Prozent und bis 2031/2036 auf 20,3 Prozent steigen wird. Das heißt, 2036 könnte laut den Berechnungen jeder fünfte Neurentner von Armut bedroht sein.

Die Armutsrisikoquote berechnet sich aus der Anzahl der Rentner, die als armutsgefährdet gelten, also über weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens (Median) der Gesamtbevölkerung (Schwellenwert der Armutsgefährdung) verfügen, im Vergleich zur Anzahl aller Rentner. Als armutsgefährdet galten laut Studienauftraggeber zum Beispiel im Jahr 2014 Rentner, die weniger als 958 Euro Nettoeinkommen hatten.

Ein weiteres Studienergebnis: Auch der Anteil der Rentner, die eine Grundsicherung benötigen, also eine Art Sozialhilfe für Rentenbezieher, wird laut den Berechnungen steigen, und zwar von 5,4 Prozent aktuell auf rund 7,1 Prozent in 2036.

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Besonders hohe Altersarmut in Ostdeutschland ...

Laut Studie gibt es hinsichtlich der Armutsrisiko- und Grundsicherungsquote deutliche Unterschiede zwischen West- und Ostdeutschland. Aktuell liegt die Armutsrisikoquote der Neurentner in Westdeutschland bei 14,6 Prozent und wird bis 2036 vermutlich auf 16,6 Prozent steigen.

Einen deutlich höheren Anstieg prognostiziert die Studie für Ostdeutschland. Hier liegt die Armutsrisikoquote der Neurentner aktuell bei 21,6 Prozent und wird bis 2036 voraussichtlich auf 35,9 Prozent steigen.

Gleiches gilt für die Grundsicherungsquote. In den alten Bundesländern liegt sie aktuell bei 5,6 Prozent, bis 2036 wird sie laut Studie auf 6,1 Prozent steigen. In den neuen Bundesländern liegt der Anteil der Rentner, die eine Grundsicherung beziehen, derzeit bei rund 5,1 Prozent, 2036 werden es laut den Berechnungen dann 11,3 Prozent sein.

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... bei Personen ohne Ausbildung und Langzeitarbeitslosen

Bestimmte Personengruppen unterliegen gemäß der Studie einem besonders hohen Armutsrisiko. So wird bei Personen ohne Berufsausbildung eine Armutsrisikoquote von 36,6 Prozent in 2036 prognostiziert, aktuell liegt sie bereits bei 25,8 Prozent.

Im Vergleich dazu haben Personen mit einer Berufsausbildung derzeit eine Armutsrisikoquote von 16,2 Prozent und in 2036 voraussichtlich von 21,0 Prozent. Bei Personen mit einer höheren Berufsausbildung (Studium, Meisterabschluss) liegt die Armutsrisikoquote aktuell bei 10,1 Prozent und in 2036 laut Studie bei 12,7 Prozent.

Hinsichtlich der Armutsgefährdung liegen auch Langzeitarbeitslose deutlich über dem Durchschnitt. Sie haben derzeit eine Armutsrisikoquote von 38,6 Prozent und in 2036 voraussichtlich von 49,4 Prozent. Bei Personen, die nie längere Zeit arbeitslos waren, beträgt die Armutsrisikoquote derzeit 13,7 Prozent und in knapp 20 Jahre etwa 15,8 Prozent

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... und insbesondere bei alleinlebenden Frauen prognostiziert

Ein besonders hohes Armutsrisiko haben auch alleinstehende Frauen. Bei Singlefrauen liegt die Armutsrisikoquote derzeit bereits bei 40,4 Prozent und in 2036 prognostiziert bei 52,0 Prozent. Bei Frauen, die nicht alleinstehend sind, beträgt dagegen der Wert aktuell 14,0 Prozent und in 2036 gemäß Berechnungen 16,8 Prozent.

Die Ursachen für den Anstieg des Altersarmutsrisikos sind laut Studienautoren unter anderem die vergangenen Rentenreformen und das sinkende Rentenniveau, ein wachsender Niedriglohnsektor und die Zunahme von lückenhaften Erwerbsbiografien. Die Renten werden zudem durch die Zinslage an den Kapitalmärkten beeinflusst.

Laut Auftraggeber der Studie würden weitere Rentenreformen benötigt, die "stärker die besonders betroffenen Gruppen, die sich verändernden Erwerbsbiografien und die Situation an den Kapitalmärkten in den Blick nehmen", um den Anstieg des Altersarmutsrisikos zu stoppen.

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Frühzeitige Einkommenssicherung

Die Prognosen zeigen, wie wichtig es für den Einzelnen ist, sich so früh wie möglich finanziell abzusichern, um nicht im Alter in die Armutsfalle zu geraten. So ist zum Beispiel eine zusätzliche Altersvorsorge über eine betriebliche und/oder private Anlageform, für die es zum Teil auch staatliche Unterstützung in Form von Zulagen und Steuererleichterungen gibt, möglich.

Für eine bedarfsgerechte Absicherung empfiehlt sich eine Beratung bei einem Versicherungsexperten. Dieser kann unter anderem berechnen, welches Alterseinkommen, also die gesetzliche Rente und sonstige Einkommen, im Alter zur Verfügung steht.

Bestehen Lücken im Vergleich zum benötigten oder gewünschten Einkommen, hilft der Versicherungsexperte auch bei der Auswahl der individuell passenden Vorsorgeformen.

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