Doch kein Bevölkerungsrückgang in Deutschland?

 - 

(verpd) Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln e. V. (IW Köln) hat vor Kurzem unter Einbeziehung der jüngsten Zuzüge nach Deutschland mit einem eigenen Prognosemodell die Bevölkerungsentwicklung bis zum Jahr 2035 vorausberechnet. Das überraschende Ergebnis: Die Bevölkerungszahl in Deutschland dürfte im Jahr 2035 mit über 83 Millionen um mehr als eine Million höher als heute liegen. Dennoch werde sich die demografische Entwicklung in absehbarer Zeit nicht verbessern.

Bislang halten viele Institutionen – allen voran das Statistische Bundesamt (Destatis) – trotz der zuletzt deutlich erhöhten Zuwanderung an ihren rückläufigen Prognosen zur längerfristigen Bevölkerungsentwicklung fest. Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln e. V. (IW Köln) kommt in einer aktuellen Vorausberechnung zu einem anderen Ergebnis.

Zwar wird auch nach der IW-Prognose die Einwohnerzahl ab 2028 sinken; im Jahr 2035 würden jedoch mehr Menschen in der Bundesrepublik leben als nach der letzten Destatis-Prognose.

Rekordzuwanderung in 2015 verlangt laut IW neue Berechnungen

Nach der Rekordzuwanderung des vergangenen Jahres sei ein großer Bedarf an aktualisierten Informationen über die zukünftige demografische Entwicklung in Deutschland entstanden, schreibt IW-Autor Dr. Philipp Deschermeier in seinem vor Kurzem veröffentlichten Beitrag „Einfluss der Zuwanderung auf die demografische Entwicklung in Deutschland“. Allein für 2015 gehe Destatis einer ersten Meldung zufolge von einer Nettozuwanderung von 1,1 Millionen Ausländern aus.

Von den gut einer Million Flüchtlingen wurden aber nur die erfasst, die einen Asylantrag gestellt hatten (477.000 Personen). Deschermeier erwartet, dass auch in diesem Jahr die weiter hohe Nettozuwanderung zu einem weiteren Bevölkerungsanstieg führen wird, der das Defizit von Geburten und Todesfällen mehr als ausgleichen wird. Allein 2016 dürften 300.000 bis 400.000 Asylanträge abgearbeitet werden. Im Ergebnis geht er davon aus, dass die Bevölkerungszahl bis zum Jahr 2021 auf 83,9 Millionen von 81,9 Millionen zu Jahresbeginn 2016 ansteigen wird.

Bei den Zahlen, die den Berechnungen des IW Köln zugrunde liegen, wird auf den Median der simulierten Bevölkerungsentwicklung abgestellt. Nach den Prognosewerten befinden sich 80 Prozent der Simulationen in einem Intervall von 80,8 Millionen bis 85,5 Millionen Menschen im Jahr 2035.

Der Alterungsprozess in Deutschland bleibt ungebrochen

Der IW-Autor dämpft jedoch eventuell aufkeimende Hoffnungen, dass damit die Alterung der Gesellschaft aufgehalten werden könnte. Unter anderem ist im IW-Bericht zu lesen: „Die hohe Zuwanderung und der daraus resultierende leichte Bevölkerungsanstieg bis 2035 bedeuten jedoch keine grundsätzliche Veränderung der demografischen Entwicklung Deutschlands. So bleibt die Alterung der Gesellschaft auch in den kommenden zwei Dekaden ein Thema, das an die deutsche Gesellschaft und die Wirtschaft vielfältige Herausforderungen stellt.“

Der geburtenstärkste Jahrgang der Baby-Boomer sei der Jahrgang 1964 mit etwa 1,4 Millionen Lebendgeburten gewesen und ist heute rund 50 Jahre alt. Sie werden im Jahr 2035 über 70 Jahre alt sein. „Das charakteristische Merkmal der Altersstruktur verschiebt sich somit nach oben. Auch die aktuell hohe Zuwanderung wird Spuren in der Altersstruktur hinterlassen. Die Mehrheit der Nettozuwanderung entfällt auf den Altersbereich zwischen 20 und 30 Jahren. Bis zum Jahr 2035 entsteht somit ein zweiter Schwerpunkt bei den etwa 50-Jährigen“, so der IW-Bericht.

Laut Deschermeier bleiben somit die demografischen Herausforderungen, beispielsweise am Arbeitsmarkt und in den sozialen Sicherungssystemen, hochrelevant.

Rentenniveau wird voraussichtlich weiter sinken

Die aktuellen Prognosen des Statistischen Bundesamts wie auch des IW Köln rechnen damit, dass es künftig immer weniger Erwerbstätige geben wird, die in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen und damit die Renten sichern. Die Anzahl der Rentenbezieher steige jedoch weiter an.

Daher muss man davon ausgehen, dass das Rentenniveau , das derzeit bei nur noch rund 47,8 Prozent des Nettoeinkommens vor Steuern liegt, noch weiter absinken wird. Deshalb wird für den Einzelnen eine frühzeitige finanzielle Absicherung für das Alter sowie gegen die Risiken Pflegefall und Berufsunfähigkeit immer wichtiger.

Weitere News zum Thema

  • Keine 800 Euro Erwerbsminderungsrente

    [] Nicht jeder bleibt so gesund, dass er tatsächlich bis zur Altersrente Vollzeit arbeiten kann. Ist das der Fall, hat ein gesetzlich Rentenversicherter, sofern die gesetzlich geregelten Voraussetzungen erfüllt sind, Anspruch auf eine sogenannte Erwerbsminderungsrente. Über 1,8 Millionen Menschen haben letztes Jahr eine solche Rente bezogen. Allerdings lag die durchschnittliche Rentenhöhe selbst bei jemandem, der aufgrund eines Gesundheitsleidens überhaupt nicht mehr erwerbstätig sein kann, deutlich unter 800 Euro. mehr

  • Weniger als 570 Euro Hinterbliebenenrente im Durchschnitt

    [] Ende 2016 erhielten rund 5,7 Millionen Bürger eine gesetzliche Hinterbliebenenrente. Im Durchschnitt betrug die Rentenhöhe je Bezieher 565 Euro monatlich. Verwitwete Männer, verwaiste Kinder und junge Witwen erhielten sogar deutlich weniger. Das geht aus einer veröffentlichten Statistik der Deutschen Rentenversicherung hervor. mehr

  • Viele sehen sich von Altersarmut bedroht

    [] Fast jeder Zweite hält es laut einer Umfrage eines Versicherers für wahrscheinlich, dass er selbst im Rentenalter von Altersarmut betroffen sein wird. Doch nur wenige wissen, was sie finanziell im Alter zu erwarten haben, wie eine weitere Studie belegt. mehr

  • Sorge um die Zukunft

    [] Zwar ist die Mehrheit der Bürger mittleren Alters aktuell mit ihrer Lebenssituation zufrieden, dennoch sorgt sich jeder Zweite um seine finanzielle Einkommenssituation im Rentenalter. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV). mehr

  • Provisionen können Elterngeld erhöhen

    [] Provisionen, die der Arbeitgeber im Bemessungszeitraum vor der Geburt des Kindes zahlt, können das Elterngeld erhöhen, wenn sie als laufender Arbeitslohn gezahlt werden. Werden Provisionen hingegen als sonstige Bezüge gezahlt, erhöhen sie das Elterngeld nicht. Das hat der 10. Senat des Bundessozialgerichts am 14. Dezember 2017 in mehreren Verfahren entschieden (B 10 EG 7/17 R u. a.). mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.