Die Kombi-Rente: Neues Modell zum Übergang in den Ruhestand

 - 

Derzeit dürfen Rentner, die vorzeitig ihren Ruhestand angetreten haben (Frührentner), nicht mehr als 400,00 € pro Monat hinzuverdienen. Ab 2013 soll das durch die neue Kombi-Rente, ebenfalls eine Idee aus dem Hause von der Leyen, ganz anders werden. Das Modell setzt auf einen Mix von Teilzeitarbeit und (Früh-)Rente. Wer sich hierfür entscheidet, sollte sich allerdings sicher sein, dass er die mit dem frühen Rentenbeginn verbundenen Renteneinbußen auf Dauer finanziell verkraftet.

Die Kombi-Rente kommt für alle in Betracht, die Anspruch auf ein vorzeitiges Altersruhegeld haben. Meistens ab 63 Jahren – dann können nämlich viele Arbeitnehmer die Altersrente für langjährig Versicherte beantragen. Daneben ist vor allem für Schwerbehinderte ein früherer Rentenbezug möglich. Denn diese haben meist Anspruch auf die Schwerbehindertenrente, die derzeit noch mit 60 Jahren und einigen Monaten bezogen werden kann – allerdings mit Rentenabschlägen von bis zu 10,8 %. Um so viel wird die Rente gekürzt, weil sie zu früh bezogen wird.

Wer ein vorzeitiges Altersruhegeld bezieht, darf künftig durch den Hinzuverdienst insgesamt ein Jahreseinkommen erzielen, das so hoch ist wie sein höchster Brutto-Verdienst in den letzten 15 Jahren – so der Gesetzesentwurf des Bundesarbeitsministeriums.

Beispiel:

Durchschnittsverdiener, 1949 geboren. Er bezog in dem Jahr, in dem er das höchste Einkommen erzielte, 36.000,00 € brutto, das entspricht 3.000,00 € im Monat. Mit 63 Jahren nimmt er nach 43 Arbeitsjahren das vorzeitige Altersruhegeld für langjährig Versicherte in Anspruch. Dieses beträgt in seinem Fall 1.085,00 €. Dabei ist schon ein Rentenabschlag von 8,1 % berücksichtigt, weil er 27 Monate zu früh in Rente geht.

Der Betreffende darf 3.000,00 € minus 1.085,00 €, also 1.915,00 € brutto im Monat hinzuverdienen. Verdient er mehr, würde seine Rente entsprechend gekürzt. Nach geltendem Recht darf er maximal 400,00 € pro Monat hinzuverdienen, andernfalls würde die Rente gleich um ein Drittel gekürzt, bei einem höheren Verdienst um die Hälfte oder gar um zwei Drittel. Er könnte also nur eine sog. Teilrente erhalten.

Das Problem: Der Hinzuverdienst der Kombi-Rentner beeinflusst deren Einkommenssituation höchstens für einige Jahre positiv. Denn die Rentenabschläge wegen des vorgezogenen Rentenbeginns (0,3 Prozentpunkte für jeden Monat, den die Altersrente vor dem Erreichen des regulären Rentenalters bezogen wird), die künftig bis zu 14,4 % betragen können, mindern die Altersrente auf Dauer – und zwar lebenslang. Für den Jahrgang 1964 liegt beispielsweise das reguläre Rentenalter bei 67 Jahren. Wer mit 63 das vorgezogene Altersruhegeld für langjährig Versicherte in Anspruch nimmt, geht 48 Monate zu früh in Rente; 48 ×  0,3 Prozentpunkte ergibt 14,4 % Rentenabschlag.

Interessant ist das Modell daher in erster Linie für relativ gut abgesicherte ältere Arbeitnehmer und für diejenigen, bei denen der Arbeitgeber mitspielt. Arbeitgeber sollen nämlich ab 2013 den vorzeitigen Renteneintritt und die damit verbundenen Abschläge mit freiwilligen Zusatzbeiträgen abfedern können, indem sie zusätzliche Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung entrichten – bis zum 1,5-Fachen des tatsächlichen Entgelts und maximal bis zur Beitragsbemessungsgrenze. Dadurch würden sich die späteren Renten der Betroffenen spürbar erhöhen.

Die Kombi-Rente setzt weiterhin voraus, dass Arbeitnehmer auf eine Teilzeitstelle wechseln. Auch hier müssen Arbeitgeber mitspielen. Es gibt zwar nach dem Teilzeit- und Befristungsgesetz einen Rechtsanspruch auf eine Verkürzung der Arbeitszeit. Wenn betriebliche Gründe dagegensprechen, kann der Arbeitgeber jedoch Nein sagen. Nur schwerbehinderte Arbeitnehmer haben einen robusten Rechtsanspruch auf Arbeitszeitverkürzung.

Weitere News zum Thema

  • Die Lebenserwartung steigt weiter

    [] (verpd) Im Jahr 2017 neugeborene Jungen haben eine statistische Lebenserwartung von 84 bis fast 90 Jahren, neugeborene Mädchen von 88 bis rund 93 Jahren. Dies zeigen die kürzlich vorgelegten Modellrechnungen des Statistischen Bundesamtes (Destatis). mehr

  • Immer mehr werden ein hohes Alter erreichen

    [] (verpd) Wie die Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung vor Kurzem bekannt gaben, wird aller Voraussicht nach ein hoher Anteil der Neugeborenen, aber auch der heute 25- oder 50-Jährigen, mindestens 85 Jahre alt werden. Hält der Trend der letzten Jahrzehnte bezüglich der Lebenserwartung an, werden von jeweils aktuell 100 neugeborenen Mädchen 28 und von 100 neugeborenen Jungen sieben 100 Jahre alt oder älter. mehr

  • Hohe Skepsis beim Thema Alterseinkommen

    [] (verpd) Die meisten Bürger sind der Ansicht, dass die gesetzliche Rente alleine nicht ausreichen wird, um ihren Lebensstandard zu halten. Im Durchschnitt rechnen die Bürger damit, das sie nur knapp über die Hälfe ihres Einkommens, dass sie im Alter benötigen werden, auch tatsächlich zur Verfügung haben werden, wie aus einer jüngst veröffentlichten Umfrage hervorgeht. mehr

  • Durchschnittliche Altersrente unter 860 Euro

    [] (verpd) Die vor Kurzem veröffentlichte Statistik der Deutschen Rentenversicherung belegt, dass die durchschnittliche Altersrente letztes Jahr nicht einmal 860 Euro pro Monat betrug. Ein Großteil, unter anderem die Bezieher der Regelaltersrente und Frauen, bekamen im Durchschnitt sogar noch erheblich weniger. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.