Deutsche halten Rentensystem für ungerecht

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(verpd) Die Bundesbürger bezweifeln mehrheitlich, im Alter ihren heutigen Wohlstand beibehalten zu können. Obwohl die Mehrheit bereits privat vorgesorgt hat, glauben viele nicht, ausreichend abgesichert zu sein. Besonders die Rente mit 63 stößt auf Kritik.

Viele Befragte sind der Ansicht, dass als Folge das Rentenniveau sinkt. Insgesamt hält die Mehrheit der Befragten das deutsche System für ungerecht, wie aktuelle Umfragen zeigen.

Die Deutschen blicken wenig zuversichtlich in ihre Renten-Zukunft. Die Mehrheit (68 Prozent) rechnet damit, dass die nachkommenden Generationen Abstriche bei ihrem Wohlstand machen müssen. Das ergab eine Umfrage im Auftrag einer Investmentgesellschaft im zweiten Quartal 2014.

Befragt wurden 500 Finanzentscheider in privaten Haushalten im Alter von 20 bis 59 Jahren, die mindestens eine Geldanlage besitzen. Nur jeder Zehnte glaubt demnach, dass es der Jugend einmal besser geht.

Junge Erwachsene haben größte Bedenken

Nur knapp ein Fünftel rechnet mit einem Wohlstand vergleichbar mit heute. Fast drei Viertel dagegen zweifeln daran, dass die gesetzliche Rente ausreicht, um den aktuellen Lebensstandard im Alter halten zu können.

Die Bedenken waren bei den jungen Erwachsenen zwischen 20 und 29 Jahren mit 79 Prozent am größten. Wie aus der Umfrage hervorgeht, rechnet die Mehrzahl (74 Prozent) der Befragten damit, im Rentenalter einen Teil ihrer Lebenshaltungskosten aus ihrem angesparten Vermögen und nicht aus dem monatlichen Einkommen bestreiten zu müssen.

Unter den 20- bis 29-Jährigen befürchten dies sogar 88 Prozent. Nur knapp ein Viertel der jungen Erwachsenen glaubt, gut fürs Alter vorgesorgt zu haben. Schon frühere Umfragen haben gezeigt, dass die Deutschen nicht erwarten, im Rentenalter komfortabel und sorgenfrei leben zu können.

Ungleichgewicht zwischen Eltern und Kinderlosen

Insgesamt denken viele Deutsche, dass das hiesige Rentensystem ungerecht ist, wie eine Befragung des Meinungsforschungs-Instituts Yougov Deutschland AG im Auftrag des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA) ergab. 1.022 Erwerbstätige zwischen 18 und 65 Jahren wurden dabei befragt.

„Eine Mehrheit der Deutschen nimmt im System der gesetzlichen Rente eine Ungerechtigkeit wahr, weil kinderlose Versicherte durch das bestehende Rentensystem begünstigt sind“, berichtet das DIA. „Beitragszahler mit Kindern schaffen erst die Voraussetzungen für das Umlagesystem und sind durch die Kosten für Versorgung und Erziehung der Kinder sowie durch die Rentenbeiträge doppelt belastet.“

Das sollte im Rentensystem honoriert werden, meinen 53 Prozent der Befragten. Lediglich ein knappes Viertel meint, dass dies nicht erforderlich sei. Ein Ausgleich für die Leistungen der Familien außerhalb der gesetzlichen Rentenversicherung wird von einem Drittel befürwortet, vier von zehn Befragten sehen darin hingegen keine Lösung, um die Gerechtigkeitslücke des Rentensystems zu schließen.

Rente mit 63: Deutsche erwarten steigende Beiträge

Das Äquivalenzprinzip des deutschen Rentensystems, nach dem die späteren Renten konsequent von den während des Erwerbslebens eingezahlten Beiträgen abhängen, schätzt nur rund ein Drittel als ein Merkmal von Gerechtigkeit ein. Auch das aktuelle Rentenpaket, das die Rente mit 63 bei 45 Versicherungsjahren einführt, sieht eine Mehrheit (59 Prozent) nicht als gerecht an.

Mit der Einführung dieser abschlagsfreien Rente mit 63 erwarten 90 Prozent der Deutschen, dass die Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung ganz sicher oder eventuell steigen werden, wie die Umfrage einer Investmentgesellschaft ergab. Nur jeder Zehnte rechnet dagegen mit gleichbleibenden oder fallenden Beiträgen.

Von einem sinkenden Rentenniveau infolge dieser Reform gehen 40 Prozent aus. 46 Prozent sind der Meinung, dass das möglicherweise passieren könnte. Lediglich 14 Prozent rechnen mit einem gleichbleibenden oder steigenden Rentenniveau.

Hohe Unsicherheit

69 Prozent halten es der Umfrage zufolge für notwendig, sich mit der privaten Altersvorsorge zu beschäftigen. 82 Prozent der Befragten haben bereits reagiert und einen Altersvorsorgevertrag abgeschlossen. Trotzdem geht nur jeder zweite (52 Prozent) Finanzentscheider in den privaten Haushalten davon aus, gut fürs Alter vorgesorgt zu haben. Noch kritischer sehen es die 20- bis 29-Jährigen. In dieser Altersgruppe glauben lediglich 24 Prozent, über eine gute Vorsorge zu verfügen.

Besteht zwischen dem wahrscheinlichem Alterseinkommen und den eigentlich notwendigen Einkünften eine Diskrepanz – also eine Einkommenslücke –, lässt sich diese mit Altersvorsorgeprodukten schließen, die zum Teil staatlich gefördert werden.

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