Der Rentenwahlkampf hat begonnen

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Solch eine Flut von Rentenvorschlägen gab es selten. Fast täglich prasseln neue Rentenkonzepte auf die verunsicherten Bürger nieder. Spieglein, Spieglein an der Wand: Wer hat die beste Rente im Land? Deutschland versinkt im Rentenchaos.

Die hessischen Landesminister Tarek Al-Wazir (Grüne), Stefan Grütter und Thomas Schäfer (beide CDU) haben kurz vor Weihnachten 2015 eine Deutschland-Rente ins Gespräch gebracht. Wie in Norwegen oder Schweden soll ein Staatsfonds für frischen Wind bei der kapitalgedeckten Altersvorsorge sorgen (1. Vorschlag).

Neu ist dieses Konzept freilich nicht, denn schon seit Jahren wirbt Claudia Tuchscherer von der Deutschen Rentenversicherung Baden-Württemberg um ein Vorsorgekonto, das unter dem Dach der gesetzlichen Rentenversicherung eine weitgehend kapitalgedeckte Rente ermöglichen soll (2. Vorschlag).

Auch Markus Kurth, rentenpolitischer Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen, macht sich für ein staatlich organisiertes Basisprodukt stark (3. Vorschlag).

Deutschland-Rente mit immer neuen Facetten

Gestern (14.3.2016) forderte Professor Bert Rürup, Präsident des Handelsblatt Resarch Institute, im Handelsblatt anstelle eines von der Rentenversicherung verwalteten Deutschlandfonds Vorsorgekonten, verwaltet von einer Non-Profit-Organisation in seinem Leitartikel Deutschland-Rente: So geht es richtig! Das soll dann die vierte Säule der Altersvorsorge werden (4. Vorschlag).

Heute, am 15.3.2016, heißt es auf Seite 10 des Handelsblatts Sorgenfrei in die Rente. Laut Professor Gert Wagner, Vorstandsmitglied des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) und Vorsitzender des Sozialbeirats der Bundesregierung, soll die Politik ein staatlich lizensiertes Standardvorsorgeprodukt schaffen, das der Deutschland-Rente der hessischen Minister ähnelt. Das könne aber auch ohne Staatsfonds möglich sein und jeder private Finanzdienstleister könnte laut Wagner ein solches Standardprodukt anbieten (5. Vorschlag).

Weitere Rentenkonzepte in der Schublade

Wer glaubt, diese fünf Vorschläge für eine neue Rente reichten aus, irrt gewaltig. Arbeits- und Sozialministerin Andrea Nahles (SPD) will die solidarische Lebensleistungsrente (6. Vorschlag) und ein neues Sozialpartnermodell für die Betriebsrente (7. Vorschlag) auf den Weg bringen. Diese doppelte Nahles-Rente wird zurzeit besonders heftig diskutiert.

Weitere Informationen zur solidarischen Lebensleistungsrente lesen Sie in unserer Nachricht Rentengeschenke wider besseres Wissen .

Annelie Buntenbach, Vorstandsmitglied beim DGB und alternierende Vorsitzende bei der Deutschen Rentenversicherung Bund, liebäugelt mit der Wiederbelebung von Mindestentgeltpunkten bei geringem Arbeitsentgelt (8. Vorschlag), wie es sie auch heute noch für vor 1992 geleistete Pflichtbeitragszeiten in der gesetzlichen Rentenversicherung gilt.

Derweil liegt der Gesetzentwurf für die Flexi-Rente (9. Vorschlag), wie sie von der Arbeitsgruppe aus der Großen Koalition im November 2015 vorgeschlagen wurde, immer noch in der Schublade des Arbeits- und Sozialministeriums.

Über Deutschland hinaus gibt es Konzepte für eine Europa-Rente (10. Vorschlag). Diese auch Eiopa-Rente genannte Rente wird von der Europäischen Versicherungsaufsicht Eiopa in Form des PEPP (Pan-European Personal Pension Product) angedacht.

Die von Professor Peter Bofinger, einer der Fünf Weisen im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, angesichts der Nullzinsphase empfohlenen Schäuble-Bonds für den privaten Altersvorsorgesparer sind dabei noch gar nicht mitgezählt.

Man sieht den Rentenwald vor lauter Bäumen nicht mehr

Mit einer solchen Fülle von Rentenkonzepten wird dem Bürger, der seine Altersvorsorge verbessern will, sicherlich nicht geholfen. Er sieht den Rentenwald vor lauter Bäumen nicht mehr. Bisher gibt es schon insgesamt sieben Renten in Deutschland - gesetzliche Rente, Betriebsrente in der Privatwirtschaft, Zusatzrente im öffentlichen Dienst, Freiberufler-Rente in der berufsständischen Versorgung, Riester-Rente, Rürup-Rente und Privat-Rente aus der privaten Rentenversicherung.

Sofern zu den bisherigen drei Säulen der Altersvorsorge (gesetzliche, betriebliche und private Altersvorsorge) noch eine vierte oder gar fünfte Säule hinzutreten soll, sieht man den Altersvorsorgewald vor lauter Säulen nicht mehr.

Die letztlich gescheiterte Initiative Altersvorsorge macht Schule von Bundesregierung, Deutsche Rentenversicherung, DGB und BDA sollte Mahnung genug sein. Seit einigen Jahren gibt es Volkshochschulkurse über dieses Thema nicht mehr. Das Handbuch war bei der Neuauflage im Jahr 2010 auf 374 Seiten angewachsen. Die Fülle an rentenrechtlichen und steuerlichen Themen hat auch die gutwilligsten Seminarteilnehmer und Leser des Handbuchs förmlich erschlagen.

Guter Rat bei der Altersvorsorge fällt schwer

Sofern die Niedrigzinsphase wie erwartet noch mehrere Jahre anhält, fallen Ratschläge zur privaten und betrieblichen Altersvorsorge schwer. Sinnvoll ist aber für sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer weiterhin eine Entgeltumwandlung, an der sich der Arbeitgeber mit einem ansehnlichen Zuschuss auch finanziell beteiligt.

Mindestens 55-jährige Arbeitnehmer, die später mit Rentenabschlag in Rente gehen würden, können den Rentenabschlag durch einen Ausgleichsbetrag abkaufen. Sofern sie dennoch bis zum Erreichen der Regelaltersgrenze durchhalten, steigern sie damit ihre gesetzliche Rente.

Für Freiberufler und Beamte lohnen sich vor allem freiwillige Beiträge zur gesetzlichen Rente, die zurzeit ein Comeback erlebt. Allerdings müssen für mindestens fünf Jahre Beiträge entrichtet werden, um einen Anspruch auf die Regelaltersrente zu erhalten.

Für Arbeitnehmer mit mindestens einem Kind lohnt sich auch die Riester-Rente.

Einen vollständigen Überblick über alle fünf staatlich geförderten Vorsorgeformen mit vielen Vergleichsberechnungen finden Sie in unserem aktuellen Ratgeber So schließen Sie Ihre Rentenlücke.

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