Das Rentenpaket und seine Folgen

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Die Finanzbranche sorgt sich um die Aktien-Aversion vieler Bürger und kritisiert die staatliche Vorsorgepolitik.

Der Bundesverband Investment und Asset Management (BVI) hat eine Studie zu den Auswirkungen der jüngsten Rentenreform in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse kommentiert der BVI mit folgender Pressemitteilung.

Derzeit erhalten tausende Eltern gute Nachrichten von der Deutschen Rentenversicherung. Die Bescheide, die ihnen ins Haus flattern, informieren sie nämlich über die Auswirkungen der sogenannten Mütterrente. Sie sieht eine zusätzliche Anerkennung von Erziehungszeiten vor und bedeutet damit bares Geld.

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Diese Maßnahme ist Teil des großen Rentenpakets, das im Juli dieses Jahres in Kraft getreten ist. Kernelemente sind die Anrechnung höherer Kindererziehungszeiten und die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren.

So erfreulich das Rentenpaket für Eltern, langjährige Beitragszahler und Frührentner ist, so unklar sind den Deutschen offenbar die Folgen: Auf insgesamt 160 Milliarden Euro summieren sich die Mehrausgaben laut Hochrechnungen von Sachverständigen bis zum Jahr 2030 - das ist eines der bislang teuersten Vorhaben der Wahlperiode.

"Eine solche Zusatzbelastung kann selbst bei steigenden Steuereinnahmen lediglich über höhere Rentenbeiträge und sinkende Renten im Alter ausgeglichen werden", sagt Thomas Richter, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Investment und Asset Management (BVI).

Doch das ist den Bürgern offenbar nicht bewusst. Einer repräsentativen Umfrage des Forschungsinstituts TNS Infratest im Auftrag des deutschen Fondsverbands BVI zufolge rechnen 63 Prozent der Befragten entweder mit keinen Folgen für ihre spätere Rente oder sogar mit einer höheren Auszahlung im Alter.

Lediglich ein Viertel der Befragten ist der Ansicht, dass ihre persönliche Rente aufgrund der Mehrausgaben sinken wird. Entsprechend halten es die Wenigsten für erforderlich, ihre private Altersvorsorge wegen des Rentenpakets anzupassen; 82 Prozent planen, ihre Sparanstrengungen entweder gar nicht zu ändern oder sogar zu reduzieren. Lediglich 16 Prozent wollen mehr sparen.

Die Mehrbelastungen werden vielmehr gedanklich auf die nächste Generation geschoben: Über die Hälfte der Befragten (rund 60 Prozent) glaubt, dass die Kosten des Rentenpakets die Jüngeren tragen müssen. "Das Rentenpaket trifft mittelfristig jedoch alle. In unserem heutigen umlagefinanzierten Rentensystem schmälern nun mal die Mehrausgaben die Renten von morgen. Wir fordern daher eine stärkere staatliche Unterstützung der Bürger beim Aufbau von privatem Altersvermögen", so Richter.

Zwar liege die Sparquote der Deutschen konstant bei etwa zehn Prozent des verfügbaren Einkommens pro Jahr. Beim Vermögenswachstum rangieren die Deutschen im weltweiten Vergleich jedoch auf den letzten Plätzen. "Schuld ist eine falsche, geradezu aktienfeindliche, staatliche Vorsorgepolitik. Während in den USA oder Schweden große Teile der betrieblichen Altersvorsorge in Aktien stecken, wird diese Art der Vorsorge in Deutschland immer noch systematisch benachteiligt", so Richter.

Dass die staatliche Rente im Alter - unabhängig vom jüngsten Rentenpaket - nicht ausreichen wird, davon zeigte sich immerhin eine knappe Mehrheit der Befragten überzeugt (53 Prozent). Diese machen sich auch über das Ausmaß einer drohenden Rentenlücke wenig Illusionen: Knapp 70 Prozent davon schätzten ihre Rentenlücke auf mindestens 250 € pro Monat. Dreiviertel sorgen deswegen auch schon mit eigenen Ersparnissen vor (77 Prozent), rund ein Drittel setzt im Alter auf die Unterstützung von Familienangehörigen (33 Prozent) und ebenso viele auf die Leistungen aus der betrieblichen Altersversorgung. 13 Prozent hoffen auf eine Erbschaft.

Zur Finanzierung des Rentenpakets

Das Rentenpaket ist die größte Leistungsausweitung der gesetzlichen Rente seit Jahrzehnten. Die Rente mit 63 finanzieren die Beitragszahler, also die jetzigen Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Auch die Rentner zahlen indirekt mit; ihre Netto-Standardrente sinkt laut der Deutschen Rentenversicherung im Jahr 2030 durch das Rentenpaket um 1,6 Prozent. Die Mütterrente wird aus der Reserve der Rentenkasse von derzeit 31 Milliarden Euro gezahlt. 2017 wird die Reserve voraussichtlich erschöpft sein und die Mütterrente aus Steuermitteln beglichen. Dem Arbeitsministerium zufolge wird der Rentenbeitragssatz entsprechend ab dem Jahr 2019 auf 19,7 Prozent und 2025 auf 20,8 Prozent steigen. Die Deutsche Rentenversicherung rechnet aufgrund des Rentenpakets künftig außerdem mit einem niedrigeren Rentenniveau.

Über die Studie

Bei der Umfrage handelt es sich um eine bevölkerungsrepräsentative Erhebung von TNS Infratest. Insgesamt wurden 1.007 Telefoninterviews bei der Bevölkerung in Deutschland ab 18 Jahren durchgeführt. Die Umfrage fand Ende Juli statt, also kurz nach Inkrafttreten des Rentenpakets und wenige Monate nach der Verabschiedung des Rentenpakets durch die Regierung.

Quelle: www.bvi.de

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