Das Rentendilemma der Frauen

 - 

(verpd) Nicht nur das sinkende Rentenniveau und die damit niedrigere Alters- und Hinterbliebenenrente können für viele im Rentenalter ein finanzielles Problem werden. Bei einer Vielzahl der Frauen sind zudem die erworbenen Rentenansprüche im Vergleich zu den Männern auch aufgrund ihrer Erwerbsbiografien von Haus aus niedriger.

Nach Angaben des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) ist die Erwerbsquote von Frauen hierzulande zwischen 2002 und 2012 von 63 auf 72 Prozent gestiegen. Zudem hat die Mehrzahl der weiblichen Erwerbstätigen eine Lehre oder ein Studium abgeschlossen und ist somit gut qualifiziert. Doch noch immer sind erheblich weniger Frauen als Männer in Führungsebenen tätig. Laut GDV waren in der Privatwirtschaft im Jahre 2012 nur 26 Prozent der ersten und 38 Prozent der zweiten Führungsebene durch Frauen besetzt.

Ein Hauptgrund, warum Frauen im Durchschnitt niedrigere Rentenansprüche erwerben als Männer, ist, dass weibliche Erwerbstätige im Durchschnitt immer noch weniger verdienen als männliche Beschäftigte.

Von Kindererziehung bis zur Einkommensungleichheit

2013 lag der Lohnunterschied nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) bei rund 22 Prozent. Experten begründen dies mit dem geschlechter-spezifischen Unterschied bei der Branchen- und Berufswahl, der Tatsache, dass Frauen seltener Führungspositionen bekleiden, und einer immer noch vorhandenen Ungleichbezahlung zwischen Männer und Frauen bei gleicher Arbeit.

Beispielsweise arbeitet immer noch die Mehrheit der Frauen in Branchen wie Handel, Reinigung, Gastgewerbe, Erziehungswesen und im Gesundheitsbereich, die im Vergleich zu männerdominierten Branchen wie der verarbeitenden Industrie und IT-Branche meist ein niedrigeres Lohnniveau haben.

Eine weitere Ursache liegt in der Erwerbsbiografie vieler Frauen. 2012 waren laut Destatis rund 40 Prozent der Frauen mit minderjährigen Kindern nicht erwerbstätig, bei den Männern dagegen „nur“ 16 Prozent. Bei den erwerbstätigen Frauen wechselt die Mehrheit während der Kindererziehung in eine Teilzeitstelle. Je nach Alter des Kindes arbeiten zwischen 62 bis 70 Prozent in Teilzeit. Bei den Männern liegt der Anteil zwischen fünf und sechs Prozent. Nur etwa 20 Prozent der Mütter, die in Teilzeit arbeiten, wechseln laut GDV später wieder auf Vollzeit um.

Rentenunterschied zwischen Männern und Frauen in Zahlen

In Westdeutschland lag 2013 die durchschnittliche monatliche Höhe der Altersrente einer Frau bei 512 €, die eines Mannes betrug 1.003 €. In Ostdeutschland bekam eine Frau im Durchschnitt 755 € monatliche Altersrente und ein Mann 1.096 €. Noch niedriger war die durchschnittliche Rentenhöhe für alle, die 2013 erstmalig eine monatliche Altersrente bekommen haben. Frauen der alten Bundesländer erhielten im Durchschnitt 505 €, Männer 913 €. In den neuen Bundesländern lag der Wert bei den Frauen bei 786 € und bei den Männern bei 915 €.

Die Fakten verdeutlichen, auch wenn heutzutage die meisten Frauen mittlerweile durch ein eigenes Einkommen eigenständige Rentenansprüche erwerben, führen weniger Lohn, Teilzeitbeschäftigung und längere Erwerbsunterbrechungen dazu, dass sie später weniger Rente bekommen als Männer.

Dazu kommt, dass aufgrund des sinkenden Rentenniveaus – Experten rechnen, dass die Brutto-Standardrente im Verhältnis zum durchschnittlichen Bruttogehalt eines gesetzlich Rentenversicherten von derzeit 48 Prozent in 2030 auf 43 Prozent sinken wird – auch die Hinterbliebenenrente (Witwenrente) geringer ausfällt als bisher.

Auf Grundlage von Fakten bedarfsgerecht vorsorgen

Die Zahlen zeigen, dass es nicht nur für Männer, sondern insbesondere für Frauen wichtig ist, über die gesetzliche Rentenversicherung hinaus für das Alter vorzusorgen. Laut GDV hat bei einer verheirateten Frau zudem der Verlust des voll verdienenden Partners durch einen Schicksalsschlag oder auch durch ein Scheitern der Ehe oft zusätzliche gravierende wirtschaftliche Folgen.

Um eine Altersvorsorge angemessen zu planen, ist es prinzipiell wichtig zu wissen, wie groß die individuelle Rentenlücke – also die Differenz zwischen dem letzten Nettogehalt und der gesetzlichen Rente – sein wird. Nach deren Höhe bemisst sich der Vorsorgebedarf.

Weitere News zum Thema

  • Es werden wieder mehr Kinder in Deutschland geboren

    [] (verpd) Zwischen 2011 und 2015 stieg die Zahl der Neugeborenen nach Angaben des Statistischen Bundesamtes um rund 75.000 auf 738.000 Babys. Gleichwohl ist am demografischen Wandel nicht zu rütteln, so die Statistiker. mehr

  • Das regionale und persönliche Risiko, arm zu werden

    [] (verpd) Das Statistische Bundesamt hat vor Kurzem aufgeschlüsselt, wie hoch letztes Jahr das Risiko der Bürger in den einzelnen Regionen Deutschlands war, von Armut gefährdet zu sein. Unter anderem war das Armutsrisiko in Bremen am größten und in Baden-Württemberg am niedrigsten. Ein Blick in die Statistik zeigt, dass besonders Haushalte mit Alleinerziehenden und Erwerbslosen bedroht waren. In Sachsen-Anhalt war mit 60 Prozent der Alleinerziehenden der größte Anteil von Armut bedroht. mehr

  • Große Unterschiede beim Alterseinkommen von Mann und Frau

    [] (verpd) Fast die Hälfte der Frauen zwischen 35 und 55 Jahren befasst sich nicht mit dem Thema Altersvorsorge. Das ergab eine Umfrage unter 1.000 Frauen. Dabei sind Frauen finanziell im Rentenalter im Durchschnitt erheblich schlechter gestellt als Männer, wie aus einer Aussage der Bundesregierung hervorgeht. mehr

  • Wann GmbH-Geschäftsführer sozialversicherungspflichtig sind

    [] (verpd) Die Tatsache, dass ein Gesellschafter-Geschäftsführer einer GmbH eine Filiale des Unternehmens eigenverantwortlich und frei von Weisungen leitet, ist für sich gesehen kein Indiz für eine nicht sozialversicherungspflichtige Tätigkeit. Das geht aus einem kürzlich veröffentlichten Urteil des Sozialgerichts Stuttgart hervor (Az. S 17 R 747/14). mehr

  • Club der über 80-Jährigen wächst massiv an

    [] (verpd) Zwischen 1990 und 2015 hat sich die Anzahl der Senioren ab 80 Jahren weltweit mehr als verdoppelt. 2015 waren 1,7 Prozent der Bevölkerung hochbetagt. 2040 werden es dann sogar schon 3,3 Prozent sein, so die vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. erstellte Analyse auf Basis von Daten der Vereinten Nationen. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.