Dank Mütterrente jetzt erstmals oder mehr Hinterbliebenenrente

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Witwer gehören zu den bislang kaum beachteten Gewinnern der Verbesserung bei der sog. Mütterrente. Denn sogar Jahrzehnte nach dem Tod ihrer Ehefrau können sie mit mehr Hinterbliebenenrente rechnen oder manchmal sogar erstmals eine Witwerrente erhalten.

Dass die Hinterbliebenenrente keine reine Frauensache ist, müsste sich mittlerweile herumgesprochen haben: Immerhin rund 600000 Männer erhalten derzeit eine Hinterbliebenenrente (neben 3,8 Mio. Frauen). Erstaunlich ist allerdings, dass Witwer, selbst wenn sie sich früher gar nicht oder kaum an der Kindererziehung beteiligt haben, jetzt noch von den höheren Mütterrenten für Geburten vor 1992 profitieren.

Zum 1.7.2014 wurde die Zeit der Kindererziehung für Geburten vor 1992 bei der gesetzlichen Rente durch ein zweites Kindererziehungsjahr bzw. durch einen zusätzlichen Entgeltpunkt pro Kind stärker gewürdigt. Zum 1.7. stiegen dadurch die Altersrenten der betroffenen Rentnerinnen. Allerdings wird der Zuschlag für sie zum Teil erst gegen Ende dieses Jahres ausgezahlt – dann aber rückwirkend, denn der neue Anspruch gilt ab Juli.

Mütterrente auch von Bedeutung, wenn die Mutter nicht mehr lebt

Wer meint, dass die höhere Mütterrente für bereits verstorbene Frauen keine Rolle spielt, der irrt sich. Soweit eine Verstorbene vor 1992 Kinder erzogen hatte, gibt es pro Kind auch auf die längst nicht mehr gezahlte Rente einen (fiktiven) Kinderzuschlag. Dieser wird natürlich nicht ausgezahlt, denn Verstorbene erhalten keine Rente. Doch der höhere fiktive Rentenanspruch bringt ihren überlebenden Ehemännern jetzt eine etwas höhere Hinterbliebenenrente.

Beispiel:

Die 2010 verstorbene Else S. hat 1970 und 1972 zwei Kinder auf die Welt gebracht. Dafür wurden bei der Altersrente, die sie zuletzt bezogen hatte, zwei Entgeltpunkte berücksichtigt. Diese wurden auch bei der Berechnung der Hinterbliebenenrente ihres Ehemanns Bernd S. mitberücksichtigt. Ab Juli 2014 wird nun aufgrund der Neuregelungen des Rentenpakets die Ursprungsrente von Else S. fiktiv um zwei Entgeltpunkte erhöht. Das bringt der Verstorbenen, die im Westen Deutschlands gelebt hat, theoretisch ein Rentenplus von 57,22 € (die Begriffe theoretisch und fiktiv werden hier gewählt, weil dieser Betrag natürlich an die Verstorbene nicht ausgezahlt wird).

Die 57,22 € werden ab Juli 2014 bei der Berechnung der Hinterbliebenenrente von Bernd S. berücksichtigt. Da in seinem Fall noch das alte Recht zur Hinterbliebenenrente gilt, erhöht sich seine monatliche (Brutto-)Hinterbliebenenrente um 60 % von 57,22 € = 34,33 €. Hiervon werden noch – wie von der gesamten Hinterbliebenenrente – die üblichen Beiträge zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung abgezogen.

Sogar neuer Rentenanspruch möglich

In einigen Fällen entsteht aufgrund der Neuregelungen zur Mütterrente sogar erstmals ein fiktiver Rentenanspruch bei den Verstorbenen und damit auch ein Anspruch auf eine Hinterbliebenenrente.

Beispiel:

Martha G. wurde 1940 geboren; sie hat drei Kinder aufgezogen und war niemals sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Nachdem sie 2010 verstarb, erhielt ihr Ehemann Hermann keine Hinterbliebenenrente, da Martha G. selbst keinen Anspruch auf eine Altersrente hatte. Dies ändert sich jetzt zum 1.7.2014. Denn wegen der neuen Mütterrente stehen Martha G. nun theoretisch sechs Kindererziehungsjahre (3 Kinder × 2 Jahre) zu. Damit würde sie nun die Mindestzeit von fünf Jahren, die für eine Altersrente notwendig sind, erfüllen und ihr stände ein (fiktiver) Anspruch auf eine Altersrente zu. Hiervon abgeleitet hat Hermann G. nun erstmals einen Anspruch auf eine Witwerrente. In seinem Fall (drei Kinder) wird sie bei 103,00 € (alte Länder) bzw. 95,00 € (neue Länder) im Monat liegen.

In entsprechenden Fällen sollten Witwer umgehend einen Antrag auf die Hinterbliebenenrente stellen. Es ist nicht davon auszugehen, dass die Deutsche Rentenversicherung hier selbst aktiv auf die Betreffenden zugehen wird. Möglicherweise war das Rentenkonto der (längst) Verstorbenen noch nicht einmal geklärt. Dies muss nun umgehend erfolgen. Zur (nachträglichen) Kontoklärung sollte der Witwer einen Termin bei einer Auskunfts- und Beratungsstelle der gesetzlichen Rentenversicherung vereinbaren. Zur Kontoklärung sind – soweit vorhanden – Gehaltsunterlagen aus den Beschäftigungszeiten der Verstorbenen, Unterlagen über Zeiten der Ausbildung, des Schulbesuchs, der Arbeitslosigkeit und des Krankengeldbezugs erforderlich.

Wer erst jetzt merkt, dass in seinem Fall möglicherweise bereits seit Anfang Juli Anspruch auf Hinterbliebenenrente besteht, hat nichts verloren. Denn nach § 99 Abs. 2 Satz 3 SGB VI wird die Hinterbliebenenrente bei verspäteter Antragstellung 12 Monate rückwirkend gezahlt.

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